Archiv Sonstiges

Wettbewerb oder friedliche Koexistenz? Teil 3

Seit Ende der neunziger Jahre wird die Zertifizierung der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder immer wichtiger. Für alle Erdteile wurde eine zunehmende Zahl von Zertifizierungssystemen entwickelt. Im Zuge davon fühlten sich die Abnehmer des Rohstoffes Holz aber immer unsicherer hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der verwendeten Systeme. Deshalb wurde es notwendig, die Systeme zu prüfen.

Dr. Klaus-D. Kibat

Um dieser Notwendigkeit gerecht zu werden, hat sich die CEPI bemüht, einen transparenten Rahmen zu entwickeln. Er soll den Abnehmern von Wald, Papier- und Holzerzeugnissen sowie anderen Interessierten helfen, die Informationen über die Zertifizierungsprogramme und die in diesem Zusammenhang herausgegebenen Gütesiegel anhand glaubwürdiger Kriterien zu vergleichen und ihnen ermöglichen, nach entsprechender Unterrichtung ihre eigenen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Die CEPI-Matrix wurde von unabhängigen Experten erstellt und erfasst 39 unterschiedliche Systeme. Sie ist unter www.forestrycertification.info im Netz verfügbar und für jedermann zugänglich.

Konkurrenz mit negativen Folgen
Für Europa und Nordamerika sind FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) die führenden Zertifizierungssysteme. Leider haben sich beide Systeme nicht gegenseitig anerkannt, so wie es von der Zellstoff- und Papierindustrie, aber auch den Zellstoffimporteuren immer wieder gefordert wurde. Selbst eine Initiative der CEPI, einen gemeinsamen Chain of Custody Standard zu erarbeiten, scheiterte an den Vorbehalten der Systemvertreter. Die Folge ist, dass FSC Holz weiterhin als nicht zertifiziert in die PEFC-Produktkette beziehungsweise PEFC Holz nicht in die FSC-Produktkette eingeht.

Der Anspruch von FSC und der FSC unterstützenden Umweltgruppen allein „gute Forstwirtschaft“ weltweit zu garantieren, führt dazu, dass Waldbesitzer, die ihre Wälder nach PEFC zertifiziert haben, ständig in die Defensive gedrängt sind. Gleichzeitig verunsichern entsprechende FSC-Kampagnen aber auch die Verbraucher derart, dass die Nutzung des Roh- und Werkstoffes Holz an sich in der Öffentlichkeit problematisiert wird. Das hat in Einzelfällen beispielsweise dazu geführt, dass anlässlich einer Messe für Gartenmöbel ein Aussteller aus der Aluminiumbranche mit dem Slogan „No Wood saves the forests“ Standwerbung betrieben hat.

Diese Thematik wird inzwischen auch von der Politik erkannt. Auf Einladung der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen (UNECE) trafen sich Experten, die zum Ausdruck brachten, dass sich der scharfe Wettbewerb zwischen Zertifizierungssystemen negativ auf das Image von Holz als umweltfreundlichem Roh-, Bau- und Werkstoff auswirkt. Das Expertengremium sprach an die Regierungen gerichtet die Empfehlung aus, sich bei Beschaffungsfragen neutral gegenüber den konkurrierenden Systemen zu verhalten – unter anderem auch um beim Einkauf der öffentlichen Hand in einzelnen Ländern keine Wettbewerbsverzerrungen herbeizuführen. In Großbritannien und Deutschland wird dieser Empfehlung bereits gefolgt.

Auch CEPI hat sich mit dieser Entwicklung auseinander gesetzt. CEPI ermutigt nach wie vor alle Unternehmen und deren Kunden sich für die Zertifizierung der Wälder einzusetzen und dies auch in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Wenn aber das Ziel der gegenseitigen Anerkennung zwischen den Systemen nicht erreicht werden kann, dann sollte wenigstens eine „friedliche Koexistenz“ (fruitful coexistence) zwischen den Systemen gepflegt werden, denn sonst werden sich die Substitutionsprozesse zu Lasten von Holz fortsetzen.

Die Einführung der Zertifizierungssysteme sollte ursprünglich dazu dienen, die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder gegenüber der Öffentlichkeit zu dokumentieren und das jeweilige Label als Marketinginstrument zu nutzen. Inzwischen hat sich – initiiert von FSC – ein Trend weg vom Waldthema als „single issue“ entwickelt. Mit der Einführung von Recyclinglabeln bei FSC und PEFC wird der Weg in Richtung „Ökolabel“ beschritten.

Inwieweit sich die Waldbesitzer einen Gefallen tun, wenn sie dieser vom FSC angestrebten Richtung folgen, bleibt zweifelhaft. Immerhin sollte die Zertifizierung der Wälder den Einsatz von Primärfasern auch argumentativ stärken. Mit dem Recyclinglabel macht aber nun dieselbe Klientel „Reklame“ für ihre Rohstoffkonkurrenten Altpapier oder Altholz. Unabhängig davon nehmen auch etablierte Recyclinglabel wie der „Blaue Engel“ Schaden, da es weder bei PEFC noch bei FSC qualitative Vorgaben für den Einsatz von Altpapier gibt.

Back to the roots
Inzwischen plant FSC einen weiteren Schritt in Richtung Ökolabel. In die Chain of Custody-Regeln sollen auch soziale Normen mit aufgenommen werden. Neben der Auskunft über die Holzströme müssten dann auch die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen Gegenstand der Zertifizierung sein. Der Schritt auch Umweltstandards mit einzubeziehen würde dann irgendwann zwangsläufig folgen.

Aus der Sicht der Zellstoff- und Papierindustrie ist diese Entwicklung nicht wünschenswert. Im Übrigen sind alle diese Bereiche längst durch Gesetze, freiwillige Vereinbarungen, Tarifverträge, EMAS oder ISO/CEN/DIN-Normierung geregelt. Es stellt sich die Frage, aus welchen Gründen ein Waldzertifizierungssystem Felder bearbeiten will, die längst bestellt sind.

Für die künftige Entwicklung der Zertifizierungssysteme sollten die sie tragenden Gruppen wieder zu ihren „roots“ zurückkehren. Für die Zellstoff- und Papierindustrie bleibt es dabei, dass die Zertifizierung ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl des geeigneten Rohstoffes ist. Sie empfiehlt daher allen Betroffenen sich dieses Instrumentes zu bedienen. Den Protagonisten der Systeme legt sie ans Herz, auf alle Kampagnen zu verzichten, die die Akzeptanz des Roh- und Werkstoffes Holz in Frage stellen.