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Rundum abgesichert

Es kann ganz schnell gehen: Ein Sturz auf der Kellertreppe und danach ändert sich das gesamte Leben. Der Betroffene kann aufgrund seiner Verletzungen nie mehr seinem Beruf nachgehen. Hat er für diesen Fall keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, kommt er leicht in finanzielle Schwierigkeiten.

Seit dem Jahr 2001 gibt es statt der Berufsunfähigkeits- nur noch die Erwerbsminderungsrente, und das nur, wenn der Betroffene weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann. Wer noch bis zu sechs Stunden arbeiten kann, bekommt sogar nur die Hälfte. „Je nach beruflicher Laufbahn sind das etwa 18 Prozent des letzten Bruttoeinkommens bei halber beziehungsweise 36 Prozent bei voller Erwerbsminderung“, erklärt Gerhard Schreiber, freier Versicherungsmakler im bayrischen Deggendorf. Aus einem Brutto-Einkommen von 3000 Euro werden so 499 Euro beziehungsweise 997 Euro pro Monat.

Wenige Sekunden können Betroffene also an den Rand des finanziellen Ruins bringen. Trotzdem haben laut Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nur 22,7 Prozent der Bundesbürger eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Das Beispiel zeigt: Es sind die existenziellen Risiken, die abgesichert werden müssen.

Darum ist auch eine private Haftpflichtversicherung unverzichtbar. Sie zahlt, wenn man versehentlich einem anderen einen Schaden zugefügt hat. Das kann der Rote-Beete-Salat sein, der ungewollt auf dem weißen Seidenkleid der Tischnachbarin landet und eine Reinigung erforderlich macht. Die private Haftpflicht zahlt aber auch dann, wenn man mit seinen schweren Einkaufstüten einen Passanten anrempelt, der stürzt, operiert werden muss und lange bei der Arbeit ausfällt.

Neben diesen beiden Policen gibt es auch Versicherungen, die nur unter bestimmten Bedingungen wichtig sind – zum Beispiel eine Gebäude-, Hausrat- oder Risiko-Lebensversicherung. Unnötig sind dagegen die Glasbruch-, Fahrraddiebstahl-, Handy- oder Brillenversicherung. Wer welche Police benötigt, lässt sich nur mit Blick auf die persönliche Situation klären. Thorsten Rudnik, Versicherungsexperte beim Bund der Versicherten: „Die Empfehlung von der Stange gibt es nicht“. Denn da sich die Lebensumstände immer wieder änderten, müssten auch Versicherungsverträge regelmäßig überprüft und optimiert werden. Beispielsweise braucht ein Single andere Policen als der Familienvater:

Muss eine Familie abgesichert werden, wird eine Risiko-Lebensversicherung wichtig. Gleiches gilt für die Unfallversicherung. Andere Beispiele: Studenten mit wenig Hausrat benötigen eine Versicherung für dessen Schutz gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel nicht so dringend wie das Doppelverdienerpaar, das viele und teure Möbel hat. Oder: Als Rentner verliert die Berufsunfähigkeitsversicherung an Bedeutung, für Berufsanfänger ist sie notwendig. Oder: Wer keine Immobilie besitzt, muss auch keine absichern. Das ist nach dem Kauf oder Bau von Wohneigentum anders.

Neben der persönlichen Situation ändern sich auch die Produkte. Das macht ebenfalls eine laufende Optimierung notwendig. So waren beispielsweise vor vier Jahren bei der privaten Haftpflichtversicherung noch Verträge zwischen zwei und vier Millionen Mark normal, heute liegt die Deckungssumme durch den allgemeinen Preisanstieg bei fünf Millionen Euro. Denn wenn sich die Preise ändern, müssen die Versicherungsverträge angepasst werden. Ein Haftpflichtversicherungsvertrag, der vor 30 Jahren abgeschlossen wurde, könnte im Schadensfall also nicht ausreichend sein und zu einer Unterversicherung führen.

Zu einer Optimierung der Versicherungsverträge gehört auch der prüfende Blick, ob eine andere Gesellschaft bessere Konditionen zum gleichen oder gar niedrigeren Preis bietet. Gerade bei der privaten Haftpflicht-, der Rechtschutz- oder Hausratversicherung oder bei der gesetzlichen Krankenkasse ist ein Wechsel einfach möglich. Hier lohnt sich der Blick in die Vergleichstabellen in den Wirtschaftsmagazinen oder auf die Seiten der Stiftung Warentest www.test.de.

Rat gibt es auch auf Internetseiten wie www.insurance-city.de oder www.financescout24.de, auf denen sich die Preise vieler Versicherungsgesellschaften vergleichen lassen. Ob dabei immer auch das wirklich günstigste Angebot am Markt dabei ist, lässt sich schwer sagen, da solche Online-Anbieter immer nur einen Teil der Gesellschaften in ihren Datenbanken haben. Gerade die besonders günstigen Direktversicherer sind manchmal nicht dabei.

Für den Wechsel einer Versicherung gilt generell: Bei Policen, bei denen biometrische Daten, also zum Beispiel der Gesundheitszustand abgefragt werden, lohnt sich der Umstieg auf eine andere Gesellschaft häufig nicht: Die Konditionen älterer Verträge sind oft besser. Außerdem verschlechtert sich der Gesundheitszustand meistens mit zunehmendem Alter – das bringt wiederum schlechtere Bedingungen mit sich. Zu den Policen, die man also einmal und normalerweise fürs Leben abschließt, gehört zum Beispiel die Berufsunfähigkeitsversicherung. Darum ist es besonders wichtig, hier bereits vor Abschluss des Vertrages die Konditionen zu vergleichen. Denn bei einigen Gesellschaften sind die Bedingungen schlechter als bei anderen und es lassen sich zusätzlich enorme Preisunterschiede feststellen: „Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen sind bei gleichen Bedingungen Beitragsunterschiede von 400 Prozent möglich“, weiß Joachim Geiberger, Inhaber und Geschäftsführer des Versicherungs-Analysehauses Morgen und Morgen.

Für den Laien ist es oft schwierig herauszufinden, welchen Bedarf an Versicherungen er hat und welche Gesellschaft zu ihm

passt. Das liegt daran, dass die Unternehmen meistens ähnliche Konzepte haben, die im Detail stark voneinander abweichen. „Bei den privaten Haftpflichtversicherungen gibt es etwa 20 bis 30 Faktoren, bei denen sich die Gesellschaften unterscheiden“, weiß Gerhard Schreiber. Außerdem gingen Versicherungsnehmer oft nicht systematisch an die Sache heran: Ein Haushalt habe meistens nur ein bestimmtes Budget für Versicherungen übrig. Damit müssten zunächst die existenziellen Risiken abgesichert werden. Oft sei es aber so, dass alles andere versichert sei, nur nicht das Wesentliche. Das zeigen auch die GDV-Statistiken: 77,7 Prozent der Deutschen haben ihren Hausrat versichtert – aber nur 69,9 Prozent eine Privathaftpflichtversicherung. „Natürlich gibt es auch Fälle, in denen alles optimal versichert ist. Aber sie sind selten. In den meisten Haushalten ist mindestens eine Versicherung überflüssig oder zu teuer“, so Schreiber.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband bietet im Internet neben Informationen auch einen Versicherungscheck für 20 Euro an. Bei Versicherungsfragen stehen die örtlichen Verbraucherzentralen zur Verfügung. (www.vzbv.de)

Beim Bund der Versicherten gibt es für Mitglieder günstige Gruppenversicherungen. Auf der Internetseite können ausführliche Informationen zum Thema heruntergeladen werden: www.bundderversicherten.de.

Adressen von unabhängigen Versicherungsberatern, die auf Honorarbasis arbeiten, gibt es beim Bundesverband der Versicherungsberater. Sie helfen nicht nur bei der Auswahl der günstigsten Versicherung, sondern auch bei Problemen mit bestehenden Verträgen: http://www.bvvb.de.

Auch beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft finden Verbraucher jede Menge Tipps und Ratschläge: www.gdv.de.

Bei Ärger mit der Versicherung helfen Ombudsmänner weiter: Der Ansprechpartner für die privaten Krankenkassen hat die Internetadresse: http://www.pkv-ombudsmann.de. Geht es um andere Policen, ist der Versicherungsombudsmann zuständig: www.versicherungsombudsmann.de.