Archiv Sonstiges

Bald dringend gesucht?

Nicht umsonst lautete das Hauptthema der diesjährigen Vortragsveranstaltung zum 100-jährigen Bestehen des Zellcheming in Wiesbaden: „Unsere Mitarbeiter – Weg in die Zukunft – Kultur, Prozess, Bildung, Demographie“. Denn es ist allgemeiner Konsens, dass nur gut qualifizierte Mitarbeiter die Qualität und den besten Wirkungsgrad gerade bei modernen Hochleistungsmaschinen gewährleisten können.

S. Meißner

Seit der Wende im Jahr 1989 gelang es der Papierindustrie nur deshalb ihren Fachkräftebedarf zu decken, weil zusätzlich zu den relativ hohen Zahlen von Auszubildenden, Meisterschülern und Hochschulabsolventen eine größere Anzahl von Mitarbeitern kamen, die aus dem Osten in den Westen wechselten. Bei heute rund 51 000 Beschäftigten in ganz Deutschland darf nicht vergessen werden, dass vor der Wende im Osten 30 000 Mitarbeiter (heute circa 6 000) in der Papierindustrie beschäftigt waren.

Eine zweite Wende wird es nicht geben. Gleichzeitig ist klar, dass in einigen Jahren starke Jahrgänge in den Ruhestand gehen werden und aufgrund der Geburtenentwicklung die Absolventenzahlen und damit die Bewerber für die Arbeitsplätze in der Papierindustrie deutlich zurückgehen werden. Dies war Anlass für die VAP, die Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie, bei den Mitgliedsfirmen eine Bedarfsumfrage vorzunehmen, deren Ergebnis bei der Zellcheming-Tagung vorgestellt wurde. Sie zeigte auf, dass in den nächsten Jahren 1780 Papiertechnologen, 471 Papiertechnik-Meister und 647 Papieringenieure mehr gebraucht werden als heute.

Richtige Strategie: Investition in Ausbildung
Wie lässt sich dieser Bedarf decken? Vorausschauend bildet man derzeit schon mehr Papiertechnologen aus als gegenwärtig benötigt werden. Denn ab den Jahren 2009/2010 wird gerade wegen starker Rentenabgänge die „Nachfrage“ erheblich steigen und kaum befriedigt werden können. Deshalb muss die Papierindustrie an ihrer Strategie der Investition in die Ausbildung für die Zukunft festhalten.

Schließlich bilden die Papiertechnologen auch die Ressource für die künftigen Meisterschüler. Hier wird zwar auch zurzeit insgesamt über Bedarf ausgebildet, aber schon ab 2006/2007 wird man auf Dauer um mindestens ein Drittel mehr Meister benötigen als heute. Auch hier ist die Entwicklung der Rentenjahrgänge die Ursache.

Wettkampf um die „besten Köpfe“
Bei den Papieringenieuren sind rein statistisch heute und für die nächsten Jahre Bedarf und Nachfrage in etwa ausgeglichen. Grund dafür sind die erheblichen Anstrengungen der Papierindustrie bei der Gewinnung von Nachwuchs, die Investition in die Ausbildungsstätten und neue Bildungswege, wie der Studiengang Diplom-Ingenieur Papiertechnik an der Berufsakademie. Allerdings wird es gerade bei den Abiturienten einen Wettkampf der Branchen um die besten Köpfe geben, weil überall der Anteil der technischen Akademiker in den Betrieben Deutschlands erhöht werden wird.

Weiterbildung immer wichtiger
Es wird über die Ausbildungsanstrengungen bei den Papiertechnologen, den Meistern und den Papiertechnik-Studenten hinaus notwendig werden, in den nächsten Jahren verstärkt auf die Weiterbildung der Mitarbeiter in den Betrieben zu setzen und zusätzlich Mitarbeiter aus anderen Branchen zur Umschulung zu gewinnen. Jeder Betrieb muss eine Bestandsaufnahme vornehmen, welche Kräfte mit welcher Qualifikation in Zukunft benötigt werden. Gleichzeitig ist festzustellen, welche Kräfte vorhanden sind, wie viele neu gewonnen werden müssen und wer auf welchem Weg höher qualifiziert werden kann, um auf Dauer mit leistungsfähigen Mitarbeitern die Aufgaben der Zukunft meistern zu können. Nicht umsonst hat etwa UPM Kymmene die Zahl seiner Auszubildenden in den letzten Jahren um fast die Hälfte erhöht; nicht umsonst steigt trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Papierindustrie die technische Weiterbildung im Bildungswerk in Gernsbach seit Jahren stetig an.