Archiv Rundschau

Energiepolitik ist Standortpolitik

Der Machtkampf um Stromtrassen sei kontraproduktiv, hob Jürgen Schaller hervor.

Auf der Jahrestagung der Bayerischen Papierverbände nannte deren Vorstandsvorsitzender Jürgen Schaller neueste Zahlen zur Wirtschaftslage der bayerischen Papiererzeuger. Zudem betonte er die Bedeutung einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung für die Unternehmen.

Die papiererzeugenden Unternehmen in Bayern konnten im Jahr 2014 einen Gesamtumsatz von rund 2,8 Milliarden Euro und damit eine leichte Steigerung von 0,3 Prozent gegenüber 2013 verzeichnen. Von den bundesweit produzierten 22,5 Millionen Tonnen Papier entfielen 4,3 Millionen auf bayerische Fabriken, was ebenfalls einen leichten Zuwachs bedeutet. Weniger positiv verlief jedoch der Start in das Jahr 2015. „Von Januar bis März ging die Produktion über alle Papiersegmente in Bayern um 0,8 Prozent zurück. Für das Gesamtjahr 2015 müssen wir zufrieden sein, wenn wir bei Produktion und Umsatz das Vorjahresniveau behaupten können“, erklärte der wiedergewählte Vorstandsvorsitzende des Verbandes Bayerischer Papierfabriken (VBP) und des Arbeitgeberverbandes Bayerischer Papierfabriken (ABP) Jürgen Schaller anlässlich der Jahrestagung des Verbandes Anfang Mai in München. Schaller betonte die enorme Bedeutung einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung für die Papierindustrie: „Energiepolitik ist Standortpolitik, das gilt gerade für unsere Branche. Es ist kontraproduktiv, auf dem Rücken von Bürgern und Industrie einen Machtkampf um Stromtrassen auszutragen. Der Strom muss zu den großen Abnehmern im Süden gelangen. Das ist ein Gebot der Logik.“ Auch mit der Politik der Bundesregierung ging Schaller hart ins Gericht: „Der Mindestlohn entpuppt sich als Bürokratiemonster, die Rente mit 63 entzieht der Wirtschaft Fachkräfte. Richtiger wäre, den Arbeitsmarkt jetzt für die Zeit nach der guten Konjunktur fit zu machen.“ Zur Sicherung des Produktionsstandortes Bayern macht sich der VBP für die nachhaltige Holzmobilisierung im privaten Kleinwald stark. Schaller: „Wir werden hierzu das Engagement des Verbandes im Bündnis ‚proHolz Bayern‘ intensivieren. Das Ziel muss sein, nicht genutzte Flächen für die Waldwirtschaft zu gewinnen.“ Der stellvertretende ABP-Vorsitzende Guido Koller wurde ebenfalls in seinem Amt bestätigt. Koller forderte mit Blick auf die begonnenen Tarifverhandlungen einen für die Branche maßgeschneiderten Abschluss: „Wir brauchen eine Laufzeit, die Planbarkeit für die Zukunft ermöglicht. Unser gemeinsames Ziel muss sein, den Standort Deutschland zu stärken und den Strukturwandel in der Papierindustrie erfolgreich zu bewältigen.“