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Wer die Wahl hat, hat die Qual

Die Auswahl wird immer größer, manche haben Zusatzfunktionen, man bekommt Rabatte oder Bonuspunkte.

Die bunte Vielfalt von Kreditkarten mit unterschiedlichen Preisen und Funktionen ist verwirrend. Wer einen Vertrag unterschreibt, sollte sich darum vorher genau ansehen, was seine Karte kann und was nicht.

Bettina Blass

Kreditkarten sind in Deutschland ein ganz spezieller Fall: Viele Geschäfte und Restaurants akzeptieren sie nicht, aber wer beispielsweise häufig im Internet einkauft, kommt ohne Kreditkarte fast nicht aus. Auch wer ins außereuropäische Ausland reist, ist mit ihr gut beraten – allerdings sollte man auf dem Weg in den Urlaub am Flughafen nicht jedes Angebot spontan akzeptieren, was einem an einem Werbestand gemacht wird.

Vorsicht vor Lockvogelangeboten
„Das sind oft nur Lockvogelangebote“, weiß Sylvia Beckerle von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Im ersten Jahr zahlt der Kunde dann beispielsweise keine Gebühr – dafür wird sie ab dem zweiten Jahr umso üppiger. Wer sich für eine solche Karte entscheidet, hat keine Möglichkeit, zu überprüfen, welche Konditionen andere Anbieter haben. Ebenso skeptisch sollte sein, wer von einer fremden Bank unaufgefordert eine Kreditkarte zugeschickt bekommt: „Wer sie einsetzt, sollte zumindest vorher den Vertrag durchgelesen haben“, warnt die Verbraucherschützerin.

Letztlich sollte sich jeder darüber bewusst sein: Wer in Deutschland in den Besitz einer Kreditkarte kommen möchte, muss in der Regel zunächst den SCHUFA-Test bestehen: Dort informieren sich Karten ausgebende Institute über die Bonität des Kunden. Kreditkarten, die mit dem Attribut „SCHUFA-frei“ beworben werden, sollten von den Verbrauchern darum ganz genau geprüft werden. „Nur Prepaid-Kreditkarten, bei denen der Kunde vorher Guthaben auf die Karte lädt, und das Finanzinstitut somit kein Kredit-Risiko eingeht, sind in der Tat als SCHUFA-frei zu bezeichnen“, so SCHUFA-Sprecher Andreas Lehmann. Nach einer Studie aus dem Jahr 2007, bei der ein Rechtsexperte und ein Schuldnerberater mit der SCHUFA zusammenarbeiteten, liegt die Wahrscheinlichkeit, einen SCHUFA-freien Kredit zu bekommen, bei unter zwei Prozent. Überdies sollte bei diesen Transaktionen in vier von fünf Fällen auf unseriöse Art und Weise versucht werden, an das Geld des Kunden zu kommen. Jährlich seien laut Studie rund 394 000 Bürger von solchen Betrügereien betroffen.

Nicht den Überblick verlieren
Der klassische Weg zur Kreditkarte mit SCHUFA-Auskunft führt die Deutschen meistens zunächst zur Hausbank. Sie verlangt für die Kreditkarte oft eine Jahresgebühr von etwa 40 Euro. Es gibt aber auch Banken, die Kreditkarten kostenlos anbieten. Häufig ist jedoch mit einer kostenlosen Kreditkarte die Pflicht verbunden, ein Girokonto zu eröffnen. Und das ist nicht immer ratsam: Denn je mehr Konten und Karten ein Kunde hat, um so eher kann er den Überblick verlieren. Hinzu kommt: Ist die Kreditkarte einer anderen Bank günstiger, die Girokontoführungsgebühr dagegen teurer, bringt ein Wechsel keine finanziellen Vorteile. Das gilt auch, wenn man mit der Girokontokarte der neuen Bank nur an wenigen Automaten gebührenfrei Geld abheben könnte. Vergleichen lohnt sich also, und das gilt nicht nur bei den Preisen: „Wichtig ist, im Vorfeld zu klären, welche Zusatzfunktionen mit der Kreditkarte verbunden sind“, sagt Sylvia Beckerle. Beispielsweise bieten einige Karten einen Versicherungsschutz für unterwegs, wenn die Reise mit der Karte bezahlt wurde. Hier lohnt es sich, genau zu erfragen, wie weit dieser Schutz geht. Denn im Zweifelsfall ist man sonst trotz der eingebauten Versicherung nicht ausreichend geschützt. Oder, wer eine zusätzliche Reiseversicherung hat, gegebenenfalls überversichert. Benötigt man den Versicherungsschutz über die Karte gar nicht, kann es sinnvoll sein, nach einer Kreditkarte Ausschau zu halten, die ihn nicht anbietet – dafür aber billiger ist. Zusätzlich zu den klassischen Kreditkartenherausgebern gibt es übrigens auch immer mehr Kooperationen mit Unternehmen: So bietet der ADAC eine Kreditkarte an, mit der es beim Tanken Rabatt gibt. Und mit der Karte des Onlineversandhauses Amazon sammeln die Kunden Punkte beim Internetshopping, die sie dann wieder als Vergünstigungen einsetzen können.