So machen Sie Ihr Auto fit für den Winter - papierundtechnik.de

Archiv Ratgeber

So machen Sie Ihr Auto fit für den Winter

In Deutschland besteht die „situative Winterreifenpflicht“. Das bedeutet, bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch und Eis- bzw. Reifglätte sind Winterreifen vorgeschrieben. Wer dann mit Sommerreifen unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld. Damit Sie mit Ihrem Fahrzeug gut durch den Winter kommen, haben wir Ihnen einige Tipps zusammengestellt.

Bettina Brucker

Für Winterreifen kursiert immer wieder die Faustformel: Man sollte von Oktober bis Ostern mit ihnen fahren. Doch im Hochgebirge kann der erste Schnee bereits im September fallen. Und Ostern ist jedes Jahr zu einem anderem Datum, im frühesten Fall am 22. März. Aber selbst im April kann es noch winterliche Tage geben. Deshalb sollte man statt auf die Regel besser auf den Wetterbericht hören.

Im schneearmen Flachland können Wenigfahrer für sich abwägen, ob Ganzjahresreifen mit einem M+S-Kennzeichen eine Alternative sind oder sie bereit sind, das Auto ohne Winterbereifung an Tagen mit Eis und Schnee stehen zu lassen. Aber: Mit Winterreifen können Autofahrerinnen und -fahrer bei niedrigen Temperaturen vor allem besser bremsen. Dafür sorgen eine entsprechende Gummimischung und Rillen, in denen sich Schnee und Matsch nicht festsetzen.

Winterreifen müssen bestimmte Anforderungen erfüllen:

  • Ab 1.1.2018 müssen neue Winterreifen mit einem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) gekennzeichnet sein. Reifen mit diesem Symbol haben zuvor einen vergleichenden Bremstest auf Schnee bestanden. Vorhandene Winterreifen mit der bisher gängigen M+S-Kennzeichnung haben allerdings bis zum 30.9.2024 Bestandsschutz.
  • Ab dem 1.10.2025 gelten laut
    § 36 Abs. 4 der STVZO dann nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol als wintertauglich.
  • Auch Motorräder und Roller müssen mit Winterreifen (Enduro-Reifen) ausgerüstet sein.

So gelingt der Wechsel von
Sommer- auf Winterreifen

Am einfachsten ist es, die Reifen in einer Werkstatt wechseln zu lassen. Die Kosten liegen bei circa 25 bis 50 Euro. Dort kann man die Reifen auch für ein paar Euro einlagern.

Wer selbst wechseln will, sollte Folgendes beachten:

  • Beschriften Sie die Reifen vor der Demontage mit Kreide, z. B. RV = rechts vorne und LH = links hinten.
  • Laufrichtungsgebundene Reifen dürfen nicht, wie früher für normale Reifen empfohlen, überkreuz gewechselt werden. Sie dürfen höchstens von der vorderen auf die hintere Achse umgesteckt werden.
  • Kontrollieren Sie an frisch montierten Reifen alle Schrauben zweimal.
  • Überprüfen Sie nach der Montage den Luftdruck.
  • Lagern Sie Reifen liegend und ohne Sonneneinstrahlung in einem kühlen, trockenen Raum ohne große Temperaturschwankungen.
  • Erhöhen Sie in den Reifen vor dem Einlagern den Luftdruck um 0,5 bar.

Sommerreifen bei winterlicher Witterung können teuer werden

Für die korrekte Bereifung sind Kraftfahrzeugführer und -halter verantwortlich. Das bedeutet:

  • Wer bei Schnee oder Glatteis mit Sommerreifen unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von 60 Euro sowie
    einen Punkt in Flensburg.
  • Entsteht durch die falsche Bereifung eine Verkehrsbehinderung, werden 80 Euro fällig,
  • bei einer Verkehrsgefährdung
    100 Euro und
  • bei einem Unfall 120 Euro.
  • Zudem kürzen die Versicherungen bei einem Unfall ihre Leistungen.

So behalten Sie trotz Eis und Schnee den Durchblick

Bevor das Auto gestartet wird, müssen alle (!) Scheiben und die Außenspiegel von Schnee und Eis befreit werden. Wer nur Gucklöcher freikratzt, gefährdet sich und andere und muss mit
einem Bußgeld bis zu 35 Euro rechnen. So machen Sie Ihr Auto eisfrei:

  • Entfernen Sie losen Schnee mit
    einem Handfeger.
  • Benutzen Sie einen Eiskratzer, der in einen Handschuh eingebaut ist. So schützen Sie Ihre Finger vor Kälte.
  • Achtung: Beim Eiskratzen kann die Scheibe durch Schmutzpartikel beschädigt werden. Das kann zu stärkerer Blendung durch Sonnenlicht oder Scheinwerfer führen.
  • Enteisungsspray ist gut geeignet, um die Außenspiegel frei zu bekommen. Allerdings belastet es durch chemische Inhaltsstoffe die Umwelt.
  • Damit Ihre Frontscheibe gar nicht erst vereist, legen Sie beim geparkten Auto eine Schutzfolie darüber, die Sie zum Beispiel im Baumarkt kaufen können.

Wenn die Tür klemmt …

Türschlösser lassen sich am besten und schnellsten mit Türschlossenteiserspray wieder in Gang setzen. Doch die wenigsten Autos haben heute noch Schlüsselschlösser … Ein Problem können jedoch eingefrorene Türen sein. Wichtig ist in diesem Fall: Nicht an der Tür reißen, da sonst die Gummidichtung beschädigt werden kann.

Stattdessen:

  • Drücken Sie die Tür kräftig und ruckartig an. Meistens bricht dann das Eis und die Tür lässt sich öffnen. Ist das nicht der Fall, …
  • … versuchen Sie es mit einem Fön. Dafür brauchen Sie allerdings auch ein entsprechendes Verlängerungskabel.
  • Um einem Anfrieren entgegenzuwirken, sollten Sie die Gummidichtungen an den Türen und der Heckklappe von Zeit zu Zeit mit Talcum, Hirschtalk oder chemischen Mitteln pflegen.

Extra-Tipp:

  • Entfernen Sie Schnee und Eis bereits beim Abstellen Ihres Autos.
  • Waschen Sie Ihr Auto nur bei Plusgraden.

Sehen und gesehen werden

Gerade bei schlechter Witterung ist es wichtig, dass Sie selber gut sehen, aber auch gesehen werden. Deshalb: Vor dem ersten Frost das Wischwasser neu auffüllen, und zwar mit einer Reinigungsflüssigkeit, die einen Frostschutz enthält. Um die Scheinwerfereinstellung zu überprüfen, bietet sich ein Lichttest in einer Autowerkstatt an. Viele Werkstätten bieten ihn im Herbst kostenlos an.

Auch die Autobatterie braucht Pflege

Die Kälte im Winter ist eine große Belastungsprobe für die Autobatterie. Bei Minusgraden springt der Motor nur widerwillig an und entzieht ihr viel Energie. Wer immer nur wenige Kilometer fährt, riskiert, dass die Batterie schwächelt. Denn Stand-, Heckscheiben- und Sitzheizung, Radio und das Navigationsgerät verbrauchen zusätzlich Energie. Auf kurzen Strecken erzeugt die Lichtmaschine aber zu wenig Leistung, um die Batterie wieder voll aufzuladen. Außerdem verbraucht immer mehr Technik im Auto, wie zum Beispiel Alarmanlagen oder Reifendruckanzeigen, auch während der Standzeiten Energie.
Deshalb:

  • Schalten Sie bei Kurzstrecken nur wirklich notwendige „Energiefresser“ an.
  • Prüfen Sie bei einer nicht-wartungsfreien Batterie mindestens einmal im Jahr die Batterieflüssigkeit und füllen Sie bei Bedarf destilliertes (!) Wasser nach.