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Schnäppchenjäger auf Tour

Sonderangebote rund ums Jahr gibt es in den Fabrikabverkäufen. Aber: Nicht jede Tour lohnt sich. Wissen, was einen erwartet und gute Planung ersparen Enttäuschungen. Auch einen eventuellen Umtausch sollte man bedenken.

Bettina Blaß

Werksverkauf, Factory Outlet, Fabrikverkauf – die Begriffe bringen die Augen von Schnäppchenjägern zum Leuchten. Denn dort gibt es häufig günstige Preise – vor allem bei Kleidung, aber auch bei Süßigkeiten oder Möbeln. Der Nachteil: Oft liegen Factory Outlets nicht ganz zentral. Wer dann bei hohen Benzinpreisen viel Geld bezahlt um hinzufahren und möglicherweise nichts findet, der ist frustriert. Darum lohnt es sich doppelt, die Schnäppchentour richtig zu planen. „Am besten lassen sich Einkaufsfahrten zu Fabrikabverkäufen in die Rückfahrt aus dem Urlaub integrieren, in einen Wochenendausflug oder auf dem Weg zu Freunden oder Bekannten“, rät Heinz Waldmüller, der mit seinen Schnäppchenführern seit vielen Jahren die Deutschen von Einkaufsparadies zu Einkaufsparadies bringt. Sein Fazit: „Die Zahl der Fabrikverkäufe nimmt zu. Derzeit gibt es etwa 750 Schnäppchenstandorte in Deutschland. Ich kaufe Mode übrigens am liebsten in Metzingen ein – dort bieten 60 Hersteller ihre Waren an“. Hinzu kommen im Grenzgebiet beispielsweise zu Holland oder Italien noch weitere Factory Outlet Center.

Allerdings sollte sich der Käufer vor der Abfahrt über einen Punkt im Klaren sein: Hinter einem Factory Outlet Center auf der grünen Wiese steht in der Regel ein Investor, der Geld verdienen möchte. Darum müssen die Verkäufer dort hohe Mieten für ihre Läden zahlen. Und diese Ausgaben legen sie wiederum zu einem Teil auf die Käufer um. Als Faustregel gilt darum: Die Preise sind im Factory Outlet Center in der Regel günstiger als im Einzelhandel. Im klassischen Werksverkauf ist die Ersparnis meist noch höher. Dort verkauft allerdings nur ein Hersteller seine Ware. Im Factory Outlet Center dagegen bieten viele Firmen ihre Produkte günstiger an. Dadurch ist die Auswahl an Marken wesentlich größer. „Die Ersparnis liegt beim Werksverkauf im Schnitt bei 30 bis 50 Prozent, im Outlet Center garantiert bei 30 Prozent“, weiß Waldmüller.

Die Gründe für die günstigen Preise liegen auf der Hand: Erstens ist kein Einzelhändler zwischengeschaltet, sondern der Hersteller verkauft selbst. Zweitens werden häufig Produkte aus der vergangenen Saison angeboten – die sowieso schon günstiger sind. Und drittens verkaufen die Hersteller oft ihre zweite Wahl-Produkte – beispielsweise Bruchschokolade, Shirts mit einem kleinen Webfehler oder Porzellan mit einem unsauberen Stempelaufdruck am Tellerboden. Jeweils das ganze oder das aktuelle Sortiment werden Schnäppchenfans allerdings eher nicht finden. Und wer ganz bestimmte Vorstellungen davon hat, was er kaufen möchte, wird oft enttäuscht.

Schwierig ist häufig auch die Sache mit der Gewährleistung, umgangssprachlich Garantie genannt: „Sie gilt zwar europaweit zwei Jahre“, erklärt Carmen Gahmig aus der Rechtsabteilung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Aber natürlich gibt es gerade bei der zweiten Wahl keine Gewährleistung für die Dinge, die ein Produkt aus der ersten Wahl herausfallen lassen.“ Ein Beispiel: Ein Pullover hat einen kleinen Webfehler im Bund. Darum ist er als zweite Wahl klassifiziert. Das ist somit kein Grund, den Pullover zu reklamieren. Geht aber nach zwei Wochen unter dem Arm die Naht auf, dann könnte der Käufer ihn trotzdem zurückbringen. Die Frage ist, ob er das tut. Denn wenn er mehrere hundert Kilometer dafür fahren müsste, wird sich das häufig nicht rechnen. Waldmüllers Tipp: „Vor dem Kauf das Produkt ganz genau anschauen.“ Und Carmen Gahmigs Ratschlag: „Beim Verkäufer anrufen und nachfragen, ob man das Produkt auch per Post zurückschicken kann.“ Allerdings ist dann noch nicht geklärt, wie genau die Gewährleistung weiter läuft. Denn die Lieferung einer mangelfreien Ware dürfte häufig daran scheitern, dass es dasselbe Produkt in der gleichen Farbe und Größe nicht mehr gibt. „Der Kunde kann dann vom Vertrag zurücktreten und sein Geld zurück verlangen oder – falls er bereit ist, den Mangel zu akzeptieren – den Kaufpreis mindern“, weiß die Verbraucherschützerin.