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Manches hat noch einen Wert

Über kurz oder lang trifft es jeden: Die Eltern ziehen ins Pflegeheim oder sterben. Zurück bleibt eine Wohnung oder sogar ein Haus, bis oben vollgepackt mit Kleidung, Möbeln und Nippes. Alles in den Müllcontainer? Das ist sicher keine gute Lösung.

Bettina Blass

Muss eine Wohnung oder ein Haus schnell geräumt werden, gibt es im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Die Betroffenen lassen alle Möbel als Sperrmüll abholen und schmeißen kleinere Gegenstände weg. Oder sie bieten einem Trödler oder einem Auktionshaus an, den Hausrat zu verkaufen. „Er lässt in seine Kalkulation einfließen, dass eine Menge Unrat dabei ist, die er entsorgen muss“, erklärt Willi Schmidbauer, Sprecher des Bundes der Hausratexperten (www.bdh-expert.de) und selbst öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger. Also bietet der Profi eine Summe, die unter dem eigentlichen Wert der Dinge liegt. Dafür ist die Sache schnell erledigt.

Finanziell sinnvoller ist es, den Haushalt selbst aufzulösen. Doch das braucht Zeit. In einem ersten Schritt sollten die betroffenen Angehörigen eine Bestandsaufnahme machen: Welche Möbel stehen in der Wohnung und können noch verkauft werden?

Beim Rundgang durch die Immobilie ist es sinnvoll, Bett, Schrank, Tisch und Stühle direkt zu fotografieren und zu vermessen, wenn man sie im nächsten Schritt zum Verkauf anbietet. Dann müssen die Schränke geleert werden: Müll kommt sortiert nach Papier, Recycling, Elektroschrott oder normalem Abfall direkt in passende Säcke oder Wannen. Was nicht weggeschmissen werden soll, wird ebenfalls sortiert: Gold- und Silberschmuck oder Münzen sind besonders bei hohen Edelmetallpreisen für Ankäufer interessant. Dort werden die Stücke gewogen, mit dem aktuellen Metallpreis multipliziert, und ein bisschen zieht der Einkäufer ab, weil er das Metall einschmelzen muss, bevor er es weiterverwenden kann.

Bücher, CDs und DVDs
Auch Bücher, CDs und DVDs sollten auf einen separaten Haufen. Mit etwas Glück finden sie bei der Internetplattform Momox.de oder über Amazon.de neue Eigentümer. Bei Momox gibt man auf der Internetseite oder über eine Smartphone-App beispielsweise die ISBN-Nummer ein und bekommt sofort angezeigt, ob die Plattform das Buch ankauft. Sobald die Ware von Momox-Mitarbeitern für gut befunden wurde, überweisen sie den entsprechenden Betrag aufs Konto. Ähnlich funktioniert übrigens Wirkaufens.de für gebrauchte Handys oder Digitalkameras. Bei Amazon bietet man dagegen die gebrauchte Ware zum Verkauf an, und sobald sich ein Käufer gefunden hat, muss die Ware verschickt werden.

Ebay oder Flohmarkt?
Eine Alternative dazu ist Ebay: Dort lässt sich so ziemlich alles versteigern. Der Verkäufer stellt das Produkt zu einem Mindestpreis ein, die Auktion läuft einige Tage. Gibt es einen Interessenten, so bietet er auf die Ware, überweist das Geld, nachdem er den Zuschlag bekommen hat, und der Verkäufer verschickt das Päckchen oder Paket. Nervig daran ist für den Verkäufer, dass er häufig zur Post gehen muss, wenn er sehr viel versteigert. Dann lohnt es sich, Porto online zu kaufen und die Päckchen zur Paketstation zu bringen. Das Porto macht übrigens einige Sachen bei Ebay unverkäuflich. Denn wenn dadurch der Preis für ein Produkt so teuer wird, dass man es besser im Laden um die Ecke neu kaufen könnte, lohnt sich das Ersteigern nicht. Solche Artikel sollte man separat in Umzugskisten lagern und damit zum Flohmarkt gehen.

Möbel am besten über Kleinanzeigen
Schwierig sind Auktionen außerdem bei Waren, die sich schlecht verschicken lassen, also beispielsweise bei Möbeln. Dort sind Kleinanzeigen sinnvoller. Sie gibt es nach wie vor in speziellen Zeitungen, aber auch online. Hier ist wichtig herauszufinden, welches Portal in der Region das Aktivste ist. Einige Portale ermöglichen auch, die kostenlosen Online-Anzeigen gegen einen kleinen Preis ins gedruckte Partner-Medium zu bringen. Das lohnt sich jedoch nur bei hochwertigen Dingen.

Grundsätzlich gilt für alles, was übers Internet verkauft wird: Der Aufwand ist eher gering, ein bisschen Zeit kostet es aber schon, den Gegenstand zu fotografieren, das Bild ins Netz zu laden und eine kurze Beschreibung dazu zu liefern. Aber: „Niemals die Fotos oder Texte anderer benutzen, denn sie unterliegen dem Urheberrecht“, warnt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Und immer bei der Wahrheit bleiben: Ist etwas defekt, muss es auch so beschrieben werden. Außerdem sollten Privatverkäufer immer den Zusatz „Ich schließe die gesetzliche Gewährleistung aus“ in ihren Text einbauen, rät der Verbraucherschützer. Sonst haften sie im schlimmsten Fall dafür, dass das alte Radio, das noch funktionierte, als sie es verkauften, nach zwei Monaten den Geist aufgibt. Der Käufer könnte dann sein Geld zurückverlangen.