Archiv Ratgeber

Lieber wollen als müssen

Ziele zu erreichen spornt an und gibt die Kraft, weitere Hürden zu nehmen.

Wer will das nicht, erfolgreich sein, zu den Besten gehören, produktive Beiträge leisten, dazulernen und dabei kreativ und innovativ sein? Ein Traum? Vielleicht – es muss aber keiner sein, wenn wir gewillt sind, etwas dafür zu tun.

Rainer Gunkel

Für viele hat in den letzten Jahren der Arbeitsdruck zugenommen. Die Ansprüche der Kunden und damit des Unternehmens an die eigenen Leistungen sind gestiegen und werden weiter wachsen. Wir laufen Gefahr, auf diese Entwicklung nicht selbstbewusst und erhobenen Hauptes zu reagieren, sondern uns selber unter Druck zu setzen mit Gedanken wie „ich muss, ich muss“ oder „ich habe ohnehin keinen Einfluss“. Eine solche selbsterzeugte Opferhaltung würde uns verleiten, in die Demotivationsfalle zu tappen. Wer aber sein Leistungspotenzial nicht ausschöpft und bewusst auf einen Teil seiner Einsatzbereitschaft verzichtet, macht sich zum Verlierer. Man verliert den Spaß an der Aufgabe und die Freude an der eigenen Leistungsfähigkeit. Das Selbstwertgefühl sinkt mit der Zeit, ein schlechtes Gewissen stellt sich ein. Mögliche Vertuschungsversuche der eigenen Demotivation kosten enorm viel Energie, was sich als eine besondere Form von Dauerstress auswirken kann. Auch das private Umfeld leidet, denn Lustlosigkeit überträgt sich häufig vom Betrieb in das Privatleben. Die Gefahr in eine Abwärtsspirale der Demotivation zu geraten, ist groß. Nicht zuletzt: Das Unternehmen bezahlt für eine Leistung, die nur zum Teil erbracht wird.

Selber aktiv werden
Wer in einer solchen Situation steckt, sollte aktiv werden, denn für die eigene Motivation müssen wir selbst sorgen. Es lohnt sich nicht darauf zu warten, dass andere das für uns tun. Motivation ist keine Fremdleistung, obwohl es natürlich hilfreich ist, wenn wir von Kollegen oder Vorgesetzten hierzu ehrlich gemeinte Anregungen erhalten.

Zunächst ist wichtig, die Einstellung zur eigenen Arbeit zu überprüfen. Weshalb habe ich in diesem Unternehmen diese Arbeit angenommen? Habe ich mich zu sehr an die Vorteile gewöhnt und sehe jetzt nur noch Nachteile? Überwiegen bei meiner Einschätzung der Arbeitssituation die Vorteile, dann fällt es leichter, mögliche Nachteile zu akzeptieren. Dominieren die Nachteile, gilt es die Ärmel hochzukrempeln, Mut zu fassen und etwas zu ändern. Meckern tut kurzfristig gut, hilft aber nicht weiter, sondern treibt tiefer in die Demotivation. Wichtig ist, sich Ziele zu setzen, zu deren Erfüllung man tatsächlich gewillt ist, eine Eigenleistung zu bringen (also keine abstrakten Wunschziele). Nichts spornt mehr an als das mit dem Erreichen selbst gesteckter Ziele verbundene Erfolgserlebnis, insbesondere wenn es einiger Anstrengungen bedurfte. Erfolge verleihen Flügel, tragen über die Wogen des Alltags, stärken das Selbstbewusstsein und festigen die Einheit im Team. Jedes Erfolgserlebnis trägt bereits den Keim des nächsten Erfolges in sich; es gibt Impulse und Kraft, wieder erfolgreich zu werden.

Probleme bieten auch Chancen
Wir haben teilweise verlernt, unsere Erfolge und Teilerfolge bewusst wahrzunehmen und für einen Moment zu genießen. Das Arbeitsleben erscheint uns zu hektisch, uns wenige Augenblicke der Besinnung zu gönnen. Aber diese kurze Zeit ist vorhanden, wir müssen sie uns nur nehmen. Bewährt hat sich dabei, sich selbst mit einer Kleinigkeit zu belohnen. Das gibt die nötige Kraft, um konstruktiv auch mit den empfundenen Schattenseiten der Arbeit umzugehen. Wie eine solche Kleinigkeit aussieht, ist individuell sehr verschieden. Was für einige die bewusst genossene Tasse Kaffee ist, kann für andere das kurze Gespräch mit Kollegen über das eigene Erfolgserlebnis sein.

Wir helfen uns selbst, wenn wir unser Augenmerk auf das Positive richten. Das heißt nicht, Probleme und Herausforderungen zu verdrängen, sondern sie durchaus bewusst als solche wahrzunehmen. Aber wie es in jeder dunklen Wolke hellere Flecken gibt, bieten als bedrohlich empfundene Problemlagen stets auch neue Chancen. Die sind oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen und bedürfen eines aufmerksamen Blickes. Hier liegt der Kern positiven Denkens, nämlich diese Chancen für einen selbst zu entdecken und wahrzunehmen.

In Konfliktsituationen gilt es, konstruktiv zu bleiben. Es liegt häufig an unterschiedlichen Perspektiven, warum Kollegen oder Vorgesetzte andere Meinungen vertreten als man selbst hat. Sachliche Diskussionen, die Personen mit anderer Auffassung nicht herabwürdigen, sind ein wichtiger Schritt in Richtung allseits akzeptierter Problemlösungen. Konstruktiv zu sein heißt auch, nicht abzuwarten, bis andere auf einen zukommen, sondern selbst die Initiative zu ergreifen und das vermittelnde Gespräch zu suchen.

Für die eigene Motivation von unschätzbarem Vorteil ist die Fähigkeit, seine Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und sich auf seine Stärken zu konzentrieren. Wer ständig seine eigenen Leistungen mit denen anderer vergleicht, kann schnell frustriert oder arrogant und selbstgefällig werden. Letztendlich geht es doch nur darum, einfach unser Bestes zu geben. Tun wir das, können wir morgens stolz in den Spiegel schauen, haben ein neues Lebensgefühl und bekommen damit alle Chancen auf mehr Spaß an der Arbeit.