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Kein bisschen exklusiv

Große Marken für kleine Preise gibt“s im Internet auf speziellen Plattformen. Wer ein Schnäppchen machen möchte, muss allerdings früh aufstehen, denn oft ist die Ware sehr schnell weg.

Bettina Blaß

BuyVIP oder Vente-privée – was sich im Internet als spezieller Verkauf für sehr wichtige Menschen (very important people = VIP) oder als Verkauf unter Ausschluss der Öffentlichkeit darstellt, ist oft nichts anderes als eine Schnäppchenjagd. Zwar muss man zu den sogenannten Einkaufsgemeinschaften, neudeutsch: Shopping Comunities, zunächst einmal Zutritt bekommen, doch dann gibt“s täglich satte Rabatte. „Um Teil der Einkaufsgemeinschaften zu werden, benötigt man oft eine Einladung von einem anderen Mitglied. Dazu kann man sich bei einigen Plattformen auf eine Warteliste schreiben lassen“, erklärt Georg Tryba, Internetspezialist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, der sich die Shopping Communities genau angesehen hat. Lange muss der kaufwillige Kunde nicht warten, denn die Mitglieder bekommen häufig Gutscheine, wenn ein durch sie geworbener Neu-Käufer etwas bestellt. Für andere Einkaufsgemeinschaften bekommt man die Zugangsdaten auch, wenn man bei etablierten Online-Händlern eingekauft hat: Sie verschicken sie als Werbung mit der versandten Ware. So lässt sich das Warten auf die Einladung umgehen. Wieder andere Plattformen verlangen nur eine Registrierung ohne Einladung.

Ist man erst einmal drin im System, gibt es täglich eine Mail mit den aktuellen Verkäufen. „Dabei gibt es von einer Marke einige Artikel – allerdings oft in sehr begrenzter Anzahl“, so Tryba. Für Mode kann das bedeuten, dass die gängigen Größen gar nicht dabei sind, oder es nur sehr wenige Exemplare in einer Durchschnittsgröße gibt. Darum muss schnell sein, wer ein Schnäppchen machen möchte. „Startet der Verkauf morgens um sieben, ist oft eine Viertelstunde später alles ausverkauft“, weiß der Verbraucherschützer. Das lässt sich zum einen damit erklären, dass Einkaufsgemeinschaften eine Art Fabrikverkauf im Internet sind. Dort gibt es nur eine sehr begrenzte Anzahl der einzelnen Artikel – beispielsweise das, was von der letzten Saison übrig geblieben ist. „Andererseits sind die Preise oft wirklich sehr günstig“, weiß Georg Tryba, somit ist der Ansturm meistens groß. Die Anbieter werben mit Rabatten von 60 bis 70 Prozent. „Ob das stimmt, lässt sich jedoch nur schwer nachvollziehen“, so der Experte. Denn dadurch, dass es sich oft um Saisonware oder Restposten handelt, lässt sich der Ursprungspreis häufig nicht mehr ermitteln. „Vergleicht man aber beispielsweise die Preise bei den Einkaufsgemeinschaften mit denen für die gleiche oder ähnliche Ware auf Auktionsplattformen, dann liegen sie oft deutlich darunter.“ Das bestätigt auch Achim Himmelreich von der Management- und Technologieberatung Mücke Sturm & Company in München und Fachgruppen-Vorsitzender E-Commerce beim Bundesverband Digitale Wirtschaft: „Zwar wird auch der stationäre Handel nach einem halben Jahr nicht mehr den Ursprungspreis verlangen. Aber im Vergleich zum heruntergesetzten Preis sind die Produkte online oft noch bis zu 40 Prozent günstiger.“

Bevor der Schnäppchenjäger aber aufgrund der günstigen Preise in einen Kaufrausch verfällt, sollte er zumindest versuchen, den Preis zu überprüfen. Denn nicht alle Preise, die billig aussehen, halten dem Vergleich Stand. Wer sich für ein Produkt entschieden hat, kann beispielsweise mit Kreditkarte zahlen. Und dann heißt es oft warten. „Das ist ein Frustfaktor bei Einkaufscommunities“, sagt Tryba. Denn es dauert oft bis zu vier Wochen, bis die gekaufte Ware ankommt. „Manche Kunden haben bis dahin längst vergessen, was sie gekauft haben.“ Ein Grund für die lange Wartezeit: „Einige Plattformen sammeln erst eine bestimmte Anzahl an Bestellungen, bevor sie sie an den Händler weiterreichen“, so Himmelreich. Zweiter Grund: Die Internetdienstleister haben oft keine Läger. Gehen die Bestellungen ein, muss zunächst der Hersteller die Ware an den Plattformbetreiber senden. Von dort geht sie dann an den Kunden. „Und das dauert oft“, weiß der E-Commerce-Experte.

„Gefällt dem Kunden die Ware nicht, hat er ein 14-tägiges Rückgaberecht“, sagt Tryba. Geht das gekaufte Produkt kaputt, so besteht auch hier die zweijährige Gewährleistungspflicht, umgangssprachlich häufig Garantie genannt. „Allerdings wird das gekaufte Produkt dann oft nicht mehr vorrätig sein“, weiß Achim Himmelreich. Das heißt, der Anbieter muss ein Ersatzprodukt schicken oder das Geld zurückgeben. Sein Tipp: Einen Blick auf die Internetseite des Anbieters werfen. Dort steht entweder unter den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, in den häufig gestellten Fragen oder unter „Über das Unternehmen“, wie mit Reklamationen umgegangen wird. „Je transparenter eine Firma den Punkt anspricht, desto vertrauenswürdiger.“