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Endlich Rente?


Foto: Jenny Sturm / stock.adobe.com
Nach einem langen Berufsleben freuen sich viele Mitarbeiter auf den Ruhestand. Gleichzeitig wollen viele ältere Arbeitnehmer im Rentenalter weiter arbeiten. Angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung bieten Unternehmen älteren Arbeitnehmern, die zum Teil auch schon Rente beziehen, die Möglichkeit einer Beschäftigung an.

Dr. Hans-Peter BergerPapierzentrum Gernsbach

Zuerst einmal, wer kann wann in Rente?

„Rente mit 67“

Nachdem die Regelaltersgrenze über Jahrzehnte mit der Vollendung des 65. Lebensjahres erreicht wurde, hat sich dies durch die so genannte „Rente mit 67“ geändert. Die Regelaltersgrenze steigt schrittweise von 65 auf 67 Jahre. So können zum Beispiel Mitarbeiter, die 1952 geboren sind, ihre Regelaltersrente mit 65 Jahren und sechs Monaten beziehen. Die Geburtsjahrgänge ab 1964 können dann die Regelaltersrente erst mit 67 Jahren beziehen.

Allerdings gibt es einige Möglichkeiten, vorzeitig in Rente zu gehen:

„Rente mit 63“

Die so genannte „Rente mit 63“ bietet für Arbeitnehmer, die 45 Jahre Pflichtbeiträge in der Rentenversicherung erbracht haben, die Möglichkeit des vorzeitigen Renteneintritts. So konnten
Arbeitnehmer, die 1952 oder früher
geboren sind, mit den genannten Voraussetzungen mit 63 Jahren eine abschlagsfreie Rente beziehen.

Trotz des irreführenden Namens können nicht alle Arbeitnehmer mit 63 Jahren diese vorgezogene abschlagsfreie Rente beziehen. Ab dem Geburtsjahrgang 1953 steigt auch das Renteneingangsalter für diese Rente bis auf 65 Jahre an. Wer 1953 geboren ist, kann diese Rente erst mit 63 Jahren und 2 Monaten beziehen. Nach der schrittweisen Anpassung kann der Geburtsjahrgang 1964 diese Rente erst mit 65 Jahren beziehen.

Langjährig Versicherte

Arbeitnehmer, die 35 Jahre rentenversicherungspflichtig beschäftigt waren, können nach wie vor mit 63 Jahren in Rente gehen, allerdings müssen sie je nach Geburtsjahrgang Rentenabschläge hinnehmen. Sonderregelungen gibt es im Übrigen noch für schwerbehinderte Menschen.

Kündigung erforderlich?

Mit Erreichen der so genannten Regelaltersgrenze („Rente mit 67“) endet das Arbeitsverhältnis automatisch, wenn es so im Arbeitsvertrag oder in einem Tarifvertrag (so wie z. B. im Tarifvertrag der Papierindustrie) vereinbart ist. Dies bedeutet, weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer müssen kündigen. Anders ist es bei den sonstigen Rentenarten. Diese führen nicht automatisch zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Will der Arbeitnehmer diese Rentenarten in Anspruch nehmen, muss er sein Arbeitsverhältnis kündigen, wobei in diesem Fall die arbeitsvertragliche Kündigungsfrist eingehalten werden muss. Alternativ kann auch eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Zustimmung des Arbeitgebers vereinbart werden.

Freistellung vor der Rente

Die tarifvertraglichen Regelungen der Papierindustrie kennen verschiedene Formen der (bezahlten) Freistellung schon vor Renteneintritt. Das Arbeitsverhältnis besteht in diesen Fällen bis zur Rente fort.

Altersteilzeit

Bekannt ist die Altersteilzeit. Hierbei haben fünf Prozent der Beschäftigten eines Betriebes Anspruch auf Altersteilzeit dergestalt, dass die Arbeitszeit für die Dauer der Altersteilzeit um die Hälfte reduziert wird. Üblicherweise wird in der ersten Phase der Altersteilzeit Vollzeit weitergearbeitet und in der zweiten Phase erfolgt die komplette Freistellung. Während der Gesamtdauer der Altersteilzeit erhält der berechtigte Arbeitnehmer mindestens 85 Prozent seiner Nettobezüge.

So kann bei einer Altersteilzeit, die zum Beispiel insgesamt vier Jahre dauert, die Arbeitszeit dergestalt verteilt werden, dass der Arbeitnehmer in den ersten zwei Jahren Vollzeit arbeitet und in dem dritten und vierten Jahr komplett freigestellt ist. Der Arbeitnehmer erhält für die Gesamtdauer, auch für die Freistellung, sein Altersteilzeitentgelt. Nach Beendigung der Altersteilzeit folgt dann der Übergang in die Altersrente.

Lebensarbeitszeit

Die Altersteilzeit hat aber einige gewichtige Nachteile. Nur fünf Prozent der Arbeitnehmer haben Anspruch auf Altersteilzeit. Ist diese Quote erfüllt, haben andere Mitarbeiter kein Recht, vorzeitig eine Freistellung zu beanspruchen. Erhebungen in der Papierindustrie haben gezeigt, dass sich in den nächsten Jahren bis zu acht Arbeitnehmer auf einen Altersteilzeitarbeitsplatz bewerben werden.

Um diese Ungleichheit zu beseitigen und auch den jüngeren Mitarbeitern schon die Möglichkeit zu geben, für ihre spätere Freistellung vorzusorgen, haben die Arbeitgeberverbände zusammen mit der IG BCE die Möglichkeit
geschaffen, statt Altersteilzeit Lebensarbeitszeitkonten einzuführen. Eine Reihe von Betrieben haben schon von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

Dabei können Arbeitnehmer – kurz gesagt – Geld oder in Geld umgerechnete Zeit in ein Lebensarbeitszeitkonto einzahlen, um später vor dem eigentlichen Renteneintritt sich eine bezahlte Freistellungszeit zu finanzieren. Arbeitgeber und Betriebsrat können sich einigen, aus Gründen der Gerechtigkeit das bisherige System der Altersteilzeit durch Lebensarbeitszeit zu ersetzen. In diesem Fall beteiligt sich der Arbeitgeber an der Finanzierung der Lebensarbeitszeitkonten der Mitarbeiter. Die Einzelheiten sind zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat zu vereinbaren.

Beschäftigung von Rentnern

Andererseits haben aber künftig immer mehr Mitarbeiter, die kurz vor der Rente stehen oder schon Rente beziehen, Interesse an einer Weiterbeschäftigung im Betrieb.

Will ein Mitarbeiter über die Regelaltersgrenze hinaus im Unternehmen tätig sein, so kann durch einfache Vertragsgestaltung das Renteneintrittsalter „hinausgeschoben“ werden. Der Mitarbeiter kann über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten.

Will ein schon ausgeschiedener Rentner noch einmal im Betrieb arbeiten, so können Arbeitgeber und Rentner einen befristeten Vertrag schließen, mit dem der Rentner weiterbeschäftigt werden kann. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass der befristete Vertrag eines sachlichen Grundes bedarf. So muss der Arbeitgeber nachweisen können, dass die Beschäftigung durch einen besonderen Grund gerechtfertigt ist. Dieser kann mit in der Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters liegen oder mit einem konkret zeitlich abgrenzbaren Projekt begründet werden.

Hinzuverdienstgrenzen

Werden Rentner nach Erreichen ihrer Regelaltersgrenze (Rente mit 67) beschäftigt, so können diese Rentner unbeschränkt hinzuverdienen. Die Rente wird nicht auf das Arbeitsentgelt angerechnet.

Haben die Rentner ihre Regelaltersgrenze noch nicht erreicht, so etwa wenn sie aufgrund der „Rente mit 63“ ausgeschieden sind und wieder in den Betrieb hereingeholt werden, gelten Hinzuverdienstgrenzen. Diese Rentner dürfen pro Jahr 6.300,00 Euro hinzuverdienen. Verdienen die Rentner oberhalb dieses Betrages, so erfolgt eine schrittweise Anrechnung des Verdienstes auf die Rente. Die Rente reduziert sich somit. Hier ist eine enge Abstimmung mit der Rentenversicherung notwendig.

Zusammenfassung

Das Gesetz und die Tarifverträge der Papierindustrie bieten älteren Mitarbeitern eine Vielzahl von Möglichkeiten, die abhängig von der persönlichen Lebenssituation und den betrieblichen Gegebenheiten genutzt werden können. Mit der älter werdenden Bevölkerung verbunden mit dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel wird auch für Unternehmen die Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern und Rentnern in der Zukunft immer attraktiver.


Mancher genießt die freie Zeit, andere möchten aber noch hinzuverdienen.