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Die Übung macht“s

Aus dem Stehgreif mitreißende Reden halten können die Wenigsten. Gute Vorbereitung ist auch hier wichtig.

Frei und selbstsicher zu sprechen, kann Spaß machen. Inhalt, Sprache, Mimik und Gestik spielen eine Rolle, will man sein Publikum fesseln. Lesen Sie, worauf es ankommt.

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Als Sie in der Schule einmal ein Referat gehalten haben, waren Sie schrecklich nervös, haben den Text so schnell es ging vom Blatt abgelesen und waren heilfroh, als es zu Ende war? Und jetzt möchten Sie nie wieder vor Publikum sprechen? Das ist schade, denn frei zu sprechen ist keine angeborene Fähigkeit, sondern man kann es, wie vieles, erlernen. Es gibt Seminare zum Thema, ebenso eine Reihe von Büchern. Mit viel Witz, aber trotzdem sehr sachkundig gibt zum Beispiel Stefan Frädrich in seinem „tierischen“ Rhetorikbuch „Günter, der innere Schweinehund hält eine Rede“, viele nützliche Tipps. Etwa den, sich möglichst gut vorzubereiten. Sammeln Sie soviel Wissen wie möglich über das, was Sie ansprechen möchten. Überlegen Sie, welches Vorwissen Ihr Publikum hat, und stellen Sie Ihre Rede darauf ein. Planen Sie einen Anfang, mit dem Sie Interesse wecken, welche Punkte Sie im Hauptteil wann ansprechen, und was Sie als Schluss bringen möchten.

Nicht aus- und abschweifen
Drücken Sie sich klar und verständlich aus, in kurzen Sätzen, nicht aus- und abschweifend. Bei den Zuhörern sollen Bilder im Kopf entstehen. Das erreichen Sie zum Beispiel, indem Sie konkrete anstatt abstrakter Begriffe verwenden, bei denen sich jeder sofort etwas vorstellen kann, also Apfel, Orangen, Birnen statt „Obst“. Für einen verständlichen Stil, egal ob schriftlich oder mündlich, gilt außerdem: Gebrauchen Sie wenig Substantivierungen, wenig Passiv-Wendungen und wenig Adjektive. Sprechen Sie so, als wenn Sie einen guten Freund treffen und ihm etwas sagen möchten. Stefan Frädrich drückt es so aus: „Rede nicht, um schlau zu klingen, sondern um verstanden zu werden!“.

Auch wenn Sie Ihren Vortrag vorher ausformuliert haben, sollten Sie den Text nicht ablesen. Machen Sie sich Stichpunkte, entweder auf einem Blatt oder kleinen Kärtchen und sprechen Sie ansonsten frei. Das wirkt lebendiger und Sie können das Publikum ansehen. Stehen Sie dabei aufrecht, aber entspannt mit beiden Beinen fest auf dem Boden, schauen Sie freundlich, und bewegen Sie sich ruhig etwas, gehen Sie also eventuell ein paar Schritte oder unterstreichen Sie wichtige Dinge mit den Händen. Sprechen Sie laut genug und deutlich, nicht zu schnell, machen Sie kurze Pausen und modulieren Sie Ihre Stimme, also die Sprechgeschwindigkeit und die Stimmhöhe.

Schauspieler-Trick für klare Aussprache
Nuschler können mit einem alten Schauspieler-Trick eine klare Aussprache trainieren. Halten Sie einen Weinkorken im Mund mit den Zähnen fest, und sprechen Sie so. Sie werden dadurch gezwungen, besonders klar zu artikulieren. Wenn Sie das öfter üben, wird Ihre Aussprache auch ohne Korken deutlicher, heißt es.

Trotzdem sollten Sie sich nicht verstellen, sondern natürlich bleiben. Übrigens, das Publikum wird spüren, wenn Ihnen ein Thema wichtig ist. Um Sicherheit zu bekommen, üben Sie Ihren Vortrag. Am besten mehrere Male, vor Freunden oder notfalls vor einer Kamera. So können Sie gut kontrollieren, wie Sie wirken. Rhetorik-Experte Frädrich empfiehlt, als Rhetorikübung mal eine Rede über sich selbst zu sprechen.

Und was tun gegen Lampenfieber? Ein wenig nervös zu sein, ist selbstverständlich und regt zu besseren Leistungen an. Vor der Rede ruhig durchatmen oder ein paar Schritte gehen kann helfen. Und sich auf etwas anderes zu konzentrieren, weshalb es auch besser ist, frei zu sprechen als nur abzulesen. Denn wenn man auf den Inhalt des Gesagten achtet, ist weniger Platz für ängstliche Gedanken. Reinhard Frädrich rät, bei zu großer Angst sich bewusst zu machen, woher diese kommt. Unter Umständen entstehe sie durch einen zu hohen Anspruch an sich selbst, mit dem man sich unter Druck setzt. Wer von sich erwartet, dass er sofort eine mitreißende lange Rede halten kann, überfordert sich und ist dann enttäuscht. Ein weiterer Tipp: Sich ausmalen, wie man die Situation gut meistert. „Positives Kopfkino vor dem Redenhalten“, nennt es Frädrich. Zudem würden nur die Allerwenigsten überhaupt merken, dass man aufgeregt ist.