Archiv Papiertechnik

Zeit und Kalender

Im Jahr 1700 übernahm das protestantische Deutschland den gregorianischen Kalender.

Im PapierMacher Nr. 12/2002 war als SI-Einheit der Zeit die Sekunde behandelt worden. Historisch waren für die Menschen zunächst längere Zeiträume wichtig, zum Beispiel die Wiederkehr der Nil-Überschwemmungen im alten Ägypten als Voraussage für die Landwirtschaft. Davon leitet sich der Kalender her.

HLD

Der Kalender ist das System, mit dem vergangene und zukünftige Ereignisse in einer Skala mit zum Beispiel Tagen, Wochen, Monaten und Jahren zeitlich festgelegt werden können. Periodische Ereignisse können so zumindest ungefähr vorausgesagt werden. Die verschiedenen Kalender orientieren sich allesamt an den periodischen Bewegungen von Erde, Sonne und Mond. Der Tag entspricht der Zeit einer Erdumdrehung. Ein Jahr entspricht der Zeit einer Umkreisung der Erde um die Sonne. Und als ein Monat kann zum Beispiel die Periode von Vollmond bis zum nächsten Vollmond festgelegt werden. Astronomisch gemessen dauert aber das Sonnen- oder tropische Jahr 365,2422 Tage, das Mondjahr 354,367 Tage. So genau konnten die alten Gesellschaften natürlich nicht messen, sie merkten aber nach längeren Perioden, dass die erwarteten periodischen Ereignisse sich zeitlich verschoben. Zum Ausgleich wurden Zeitkorrekturen eingeführt. Bei den alten Ägyptern legte man den Jahresbeginn nach der Position des Sirius, des hellsten Sterns am Sternenhimmel, fest. Wann genau und wo zuerst Schalttage eingeführt wurden ist zwar nicht bekannt, aber schon die Babylonier korrigierten mit Schaltmonaten, zunächst variabel, dann mit festen Abständen. Außerdem gibt es das Lunisolarjahr, das Mond- und Sonnenperioden berücksichtigt. Hierauf basiert zum Beispiel der Jüdische Kalender.

Die Woche gehört zu den ältesten Kalendereinheiten und entstand wahrscheinlich im Orient, in Mesopotamien war sie schon im Jahrhundert vor Christi Geburt üblich. Die jüdisch-christliche Tradition übernahm die 7-Tage-Woche, wobei die Forderung bestand, nach sechs Arbeitstagen einen Ruhetag einzulegen. Auch die Schöpfungsgeschichte der Bibel beruht auf dieser Zeiteinteilung. Die Namen unserer Wochentage gehen auf die Römer zurück: Die Römer nannten sie nach den fünf mit dem Auge sichtbaren Planeten, der Sonne und dem Mond.

Den Julianischen Kalender führte Julius Caesar 45 vor Christus in Rom ein. Er enthält 365,25 Tage, so dass alle vier Jahre ein Schalttag eingeführt werden muss. Damals war die Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling am 23. März. Durch die Abweichung gegenüber dem Sonnenjahr verschob sich dieser Tag und war 1582, als Papst Gregor XIII. den neuen, heute üblichen Gregorianischen Kalender dekretierte, schon auf den 11. März vorgerückt. Die Tag-und-Nacht-Gleiche wurde nun auf den 21. März festgesetzt und es wurde eine Anpassung vorgenommen, indem auf den 4. Oktober 1582 unmittelbar der 15. Oktober 1582 folgte. Dieser Datumssprung wurde in den einzelnen Ländern jeweils bei der Übernahme des Gregorianischen Kalenders nachvollzogen. Korrigiert wurde die julianische Schalttag-Regelung – alle vier Jahre einen Schalttag einfügen – dadurch, dass in den durch 100 teilbaren Jahren keine Schalttage hinzukommen, wenn die Hunderterzahl (bei 1900 also die 19) nicht durch vier teilbar ist. Die Protestanten lehnten die Kalenderreform, da sie vom Papst kam, zunächst ab. Das protestantische Deutschland übernahm sie zum Beispiel erst 1700, Großbritannien 1752 und Russland erst nach der Oktoberrevolution 1917. Die Oktoberrevolution fand deshalb eigentlich im November statt. Und William Shakespeare überlebte Miguel de Cervantes tatsächlich um 11 Tage, obwohl das Sterbedatum von beiden mit dem 23. April 1616 gleich ist.