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Umweltschutz auf allen Ebenen Kopieren

LEIPA in Schwedt/Oder in Brandenburg tut viel in Sachen Umweltschutz, und das nicht nur aufgrund der Nähe zu einem großen Naturschutzgebiet. Jeder einzelne Prozessschritt in den Produktionslinien muss hier seinen Beitrag leisten. Darum ging es beim Umbau der Sortieranlage in der DIP1 durch ANDRITZ vor allem um die Optimierung des Ressourceneinsatzes.

Eine jahrelange Unzufriedenheit mit der Sortierung in der DIP1 bringt Sebastian Stockfisch – Leiter der beiden Deinkinganlagen und der Abwasserreinigung bei der LEIPA Georg Leinfelder GmbH am Standort Schwedt – folgendermaßen auf den Punkt: „Nur für diesen einen Endstufensortierer hätte man einen eigenen Maschinenführer gebraucht, der immer wieder die Hebel bewegt und nachjustiert, damit hinten nicht alles rausläuft.“ Für die fortwährenden Probleme in der Sortieranlage – vor allem eklatant hohe Faserverluste – versuchte LEIPA über Jahre selbst eine Lösung zu finden und den Endstufensortierer richtig einzustellen. Für LEIPA war klar, dass neben der Reduktion der Stoffverluste und der Verbesserung der Stoffqualität (mittels Verringerung der Stickies) auch Energieeinsparungen zu den Zielen eines Umbaus der Grob- und Feinsortierung in der DIP1 gehören müssen. „Wir mussten das Projekt auch refinanzierbar machen, und das geht nicht nur über die Ausbeute“, erläutert Stockfisch die Vorgaben der LEIPA-Führung.

Höchste Umweltstandards

Umweltschutz und ressourcenschonender Betrieb werden bei LEIPA großgeschrieben. Das Unternehmen besitzt alle wesentlichen Umweltzertifikate, darunter auch den „Blauen Engel“, eines der ältesten Umweltzeichen der Welt mit großer Akzeptanz vor allem in Deutschland. Das europäische Umweltzertifikat EMAS (Eco Management and Audit Scheme) weist die strengsten Umweltstandards auf, deren Einhaltung von externen Auditoren regelmäßig sehr aufwändig überprüft wird. LEIPA ist nach diesem Standard zertifiziert. Eine große Rolle spielt darin die Eigenverantwortung des Unternehmens bei der Bewältigung seiner direkten und indirekten Umweltauswirkungen, sowie die kontinuierliche Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes.

Der Standort Schwedt befindet sich in unmittelbarer Nähe eines länderübergreifenden Naturschutzgebiets an der deutsch-polnischen Grenze. Der Nationalpark Unteres Odertal, wie das Gebiet auf der deutschen Seite heißt, ist eine der wenigen naturnahen Flussauen Mitteleuropas. Er ist vor allem als bedeutendes Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Vogelarten bekannt. Durch die Nähe zu einer so sensiblen Zone ist LEIPA in Sachen Umweltschutz natürlich stark im Fokus von Behörden und Umweltorganisationen.

Überzeugende Lösung

Bei zahlreichen Gelegenheiten diskutierte Stockfisch das Problemfeld der Sortierung auch mit Service-Leuten von ANDRITZ, mit denen LEIPA nicht nur seit dem äußerst erfolgreichen Umbau der Schneckenpresse in der DIP1 im Jahr 2013 ein sehr gutes Einvernehmen hatte. ANDRITZ baute damals eine völlig neuartige Schnecke in die bestehende ANDRITZ-Presse ein, wodurch der Stromverbrauch an der Schneckenpresse halbiert werden konnte.

ANDRITZ schlug LEIPA eine schlüssige technologische Lösung vor, die überzeugend klang. Neben dem Austausch des unzulänglichen Endstufensortierers durch einen neuen ModuScreen T4C sollten die beiden Sortierer in der ersten und zweiten Stufe der Vorsortierung mit modernsten Schlitzsiebkörben (statt der bisherigen Lochkörbe) und Rotoren von ANDRITZ ausgestattet werden. Ein neues Standrohr und eine Zuführpumpe zur Endstufe, sowie ein neuer Dickstoffreiniger AhlCleaner RB300HD4 zum Schutz des neuen Sortierers, würden den Lieferumfang in diesem Prozessbereich ergänzen. In der Feinsortierung war ein neuer ModuScreen A44 als erste Stufe geplant, bestehende Sortierer würden als zweite, dritte beziehungsweise vierte Sortierstufe wieder eingesetzt, Stufe 3 mit vorgesetztem HD-Cleaner aus dem Bestand. Alle Sortierer sollten ebenso neue Siebkörbe und Rotoren von ANDRITZ erhalten.

Effizienzoptimierung

LEIPA produziert in Schwedt aus 100% Altpapier 250.000 Jahrestonnen gestrichene und ungestrichene weiß gedeckte Testliner sowie 530.000 Jahrestonnen LWC-Magazinpapier. 160.000 Tonnen hochqualitatives Magazinpapier werden auf der PM1 produziert, die ihren Deinkingstoff von der DIP1 erhält. Diese Linie wird kontinuierlich mit 410 Tagestonnen und einer Verfügbarkeit von 95% gefahren. Der Rohstoffeintrag ist eine Mischung aus Deinkingware (Illustrierte und Newsprint) und gestrichenen Magazinen. In einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld mit hohen Rohstoff- und niedrigen Verkaufspreisen sind die Ansprüche sowohl an die Qualität der Endprodukte, als auch an die Effizienz aller Prozessschritte bis hin zu den einzelnen Aggregaten, sehr hoch.

Eine zentrale Rolle im Umbau der Vorsortierung spielte natürlich der neue ModuScreen T4C-Sortierer von ANDRITZ. Dieser spezielle zweistufige Endstufensortierer arbeitet im unteren Bereich zentripetal durch einen rotierenden Siebkorb mit Lochdurchmesser
2,0 mm und im atmosphärischen Oberteil zentrifugal durch einen Siebkorb mit Lochdurchmesser 2,2 mm. Er ist unempfindlich gegenüber Verspinnungen und hält den Fasergehalt im Rejekt minimal. Bei guter Sortiereffizienz verlässt das Rejekt den Sortierer mit einem hohen Trockengehalt von circa 20%.

Der neue ANDRITZ ModuScreen A44 in der Feinsortierung erzielt seine ausgezeichnete Sortierwirkung durch das spezielle Siebkorb-/Rotorkonzept. Die in der Grobsortierung neu eingesetzten Bar-Tec Rejector-Siebkörbe (Schlitzweite 0.4 mm) mit patentiertem Stabprofil weisen gegenüber den bisher verwendeten Lochkörben eine bessere Störstoffabscheidung bei gleichzeitig niedrigerem Energiebedarf auf. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Kombination mit dem DRUM 400 Dolphin-Rotor, der seinen Namen der hydrodynamisch optimierten Form der Foils verdankt, die der Nase eines Delphins ähnelt. Sie lässt einen höheren Durchsatz zu, wodurch beim Siebkorb eine geringere Schlitzweite gewählt werden kann. Die bessere Abscheiderate entlastet die folgenden Sortierstufen und erhöht die Effizienz der gesamten Sortieranlage.

Die neuen Bar-Tec Nobilis-Körbe mit
einer Schlitzweite von 0,15 mm in der Feinsortierung setzen einen neuen Maßstab für alle DIP-Anwendungen. Sie sind in patentierter Klebe-Technologie gefertigt, wodurch Spannungen im Korb weitestgehend vermieden werden können. Die Körbe verfügen dadurch über eine sehr enge Schlitzweitentoleranz. Die Nobilis-Siebkörbe zeichnen sich durch eine außerordentliche Sortiereffizienz und höchste Werte in der Entfernung von Stickies aus.

Schlüsselfertiger Umbau

Die mit ANDRITZ vereinbarte Turnkey-Lieferung umfasste das Detailengineering, alle Antriebsmotoren, die komplette Instrumentierung, die für den Umbau benötigten Rohrleitungen und Abstützungen, die Elektroinstallation inklusive DCS- und MCC-Anpassungen, die komplette Montage (mechanisch, elektrisch, Rohre und Maschinen), sowie die Inbetriebnahme inklusive Probebetrieb und Schulung. „LEIPA hat sozusagen ein Rundum-sorglos-Paket bestellt, mit ANDRITZ als Generalunternehmer“, erklärt Markus Mairitsch, der ANDRITZ-Projektleiter, mit
einem kleinen Augenzwinkern.

Das Kick-off-Meeting fand im Mai 2014 statt. Zu diesem Zeitpunkt war das Inbetriebnahmedatum bereits fixiert, da der Umbau bei einem mehrtägigen Wartungsstillstand der PM1 Anfang Oktober 2014 stattfinden musste. An der Papiermaschine sollten dabei unter anderem Optimierungen an der Presse vorgenommen werden.

„Das enge Zeitfenster des PM-Stillstands war mit Sicherheit die größte Herausforderung bei diesem Projekt“, schildert Mairitsch die Ausgangslage. „Was an Vorarbeiten möglich war, wurde im Vorfeld gemacht, wie zum Beispiel die Verrohrung vorbereiten, Fundamente gießen und die neuen Maschinen platzieren.“ Also wurde rasch das Layout fixiert und festgelegt, was bewegt oder entfernt werden musste, um für die neuen Komponenten Platz zu schaffen. Die Einbindung der neuen Verrohrung, die Umverrohrung der bestehenden Maschinen und die elektrische Anbindung mit Anpassung der Steuerung und dem Software-Update am Prozessleitsystem konnten allerdings erst während des Stillstands gemacht werden.

Der Hauptstillstand in der Sortierung dauerte nur vier Tage und verlief dank der guten Vorbereitung ohne wesentliche Probleme. Einen Tag bevor die PM1 wieder angefahren wurde, waren die neuen Komponenten in die Sortierung eingebunden und das System getestet. „Zum Start der Papiermaschine konnten wir wie gewohnt qualitativ hochwertigen Deinkingstoff liefern“, zeigt sich Stockfisch sehr zufrieden. „Die Zusammenarbeit mit allen am Projekt Beteiligten von ANDRITZ – allen voran Markus Mairitsch als Projektleiter und Gernot Weilharter als Inbetriebnehmer – war von Anfang an sehr gut und reibungslos. Allfällige Probleme wurden rasch besprochen und gelöst.“

Ziel erreicht

Auch das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Die vereinbarte Reduktion der Masseverluste auf max. 7 kg/min otro war rasch erreicht ebenso wie die garantierte Kapazität und die Erhöhung der Sticky-Abscheiderate. Um die vertraglich fixierten Energieeinsparungen von über 20% zu erzielen, waren zunächst noch ein paar Optimierungen nötig, die rasch erfolgten. „Kleinigkeiten gibt es in einem Projekt immer. Aber in Summe wurde alles sehr gut gelöst“, bestätigt Gerhard Laue, LEIPA-Projektleiter, den zufriedenstellenden Projektverlauf. „Wir mussten uns nach dem Umbau endlich keine Gedanken mehr über die Sortierung machen – das ist wohl das größte Kompliment für ANDRITZ als Lieferant.“ Auch Stockfisch kann sich dem nur anschließen: „Der erste und beste Hinweis darauf, dass alles wunschgemäß verlaufen ist, war die Tatsache, dass von Seiten der Papiermaschine nach dem Stillstand keine negativen Rückmeldungen über eine veränderte Stoffqualität kamen. Die Kollegen waren mit dem gelieferten DIP-Stoff zufrieden, und somit waren wir es umso mehr.“

Die DIP1 als betriebliche Einheit am Standort hat somit die Zielvorgaben der Unternehmensleitung betreffend Ressourcenoptimierung mit Hilfe von ANDRITZ erreicht, sodass der Betrieb der Papiermaschine in hoher Qualität problemlos weitergeführt werden konnte. „Wie schon beim Umbau der Schneckenpresse 2013 hat sich auch bei dieser Optimierung gezeigt, dass Änderungen auch an einzelnen Aggregaten oder Teilsystemen einen Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck des gesamten Unternehmens haben“, erklärt Stockfisch. Es ist ein kontinuierlicher Prozess in vielen, manchmal kleinen Schritten, um den hohen Umweltstandards, die sich LEIPA setzt, gerecht zu werden.

www.andritz.com


Schon vor der Einfahrt zum Firmengelände kommuniziert LEIPA die Unternehmenspolitik in Sachen Umweltschutz.