Streichen ... Teil 4 - papierundtechnik.de

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Streichen … Teil 4

… bedeutet auch die Oberfläche der Kartonbahn online zu veredeln und dies gleich direkt mehrfach in der Kartonmaschine.

Dipl.-Ing. Holger BurkertBildungsakademie Papier (BIP)

Viele Verpackungen aus Karton, und hierbei speziell der so genannte Faltschachtelkarton, weisen eine optisch deutlich sichtbare gestrichene Oberfläche auf. Eine spätere Verwendung als Faltschachtel in den vielfältigen Bereichen der Nahrungsmittel-, Konsummittel-, Pharmazie- sowie Kosmetikindustrie erfordert unbedingt eine glatte, helle und weiße sowie teilweise glänzende Oberfläche.

Warum gestrichener Karton?

Die Endkonsumenten, also auch wir, erwarten auf der Verpackungsschachtel passend zum Produkt eine detaillierte und umfangreiche Information. Dies benötigt aus Marketinggründen einen hochwertigen Druck. Alle wichtigen Aussagen zum Inhalt und dessen Nutzen sowie Anwendung werden somit an die Frau beziehungsweise den Mann gegeben. Dabei stehen einerseits besonders die Kundenfarbe, das Logo, das Produkt plus ein eventuell damit in Verbindung stehendes Motiv im Fokus. Anderseits sind die Informationen in Textform wichtig, die teilweise in kleinster Schrift sowie in mehreren Sprachen deutlich lesbar sein müssen. All dieses zusammen lässt sich in der Verarbeitung optimal auf einem gestrichenen Faltschachtelkarton umsetzen.

Wir betrachten nun eine Kartonbahn, die direkt in der Kartonmaschine gleich mehrfach gestrichen wird. (s. Abb. unten). Bekanntlich entsteht der Karton in der Siebpartie durch das Vergautschen der einzelnen Lagen zu einer mehrlagigen stabilen Bahn, welche dann den klassischen Weg einer Papierbahn weitergeht. Das heißt, es folgt die Pressenpartie, sowie nun eine umfangreiche Vortrockenpartie mit Glättwerk und Leimpresse. Die zwei zuletzt genannten Aggregate schaffen mit der Glätte und Oberflächenfestigkeit plus Saugfähigkeit gute Voraussetzungen für das Auftragen sowie Annehmen der Streichmasse auf die Kartonoberfläche. Die fast fertige Kartonbahn erhält nun einseitig mindestens einen zweifachen oder sogar dreifachen „Anstrich“. Im Anschluss kann auch die Option folgen, dass mit dem letzten Streichaggregat die Gegenseite, also die Innenseite der Kartonbahn, mit einem leichten Strich versehen wird.

Rakel dosiert und egalisiert

Das Streichen von Karton selbst erfolgt diesmal mit einem direkten Verfahren. Die aufzutragende Streichfarbe kommt mit einem Walzen- oder Düsenauftragssystem im Überschuss auf die Bahn, welche dann nachfolgend mit einem Rakel, dem so genannten Blade, über die gesamte Breite dosiert und egalisiert wird. Dies läuft alles im Zusammenspiel mit einer Gegenwalze direkt auf der Kartonbahn.

Mit dem ersten Strichauftrag werden zu Beginn alle Unebenheiten der Kartonbahn relativ gleichmäßig ausgefüllt. Somit wird die Basis geschaffen für den folgenden nun gut deckenden zweiten beziehungsweise dritten Strichauftrag. Das letzte Rakel hat die Aufgabe, die Streichfarbe sehr genau zu vergleichmäßigen. Das Ergebnis ist dann zum Abschluss auch eine sehr geschlossene glatte sowie helle Oberfläche. Ein abschließendes Glättwerk oder ein Kalander in der Maschine kurz vor der Aufrollung verbessern neben der Glätte auch den Glanz als weitere optische
Eigenschaft des Kartons, genau im
Sinne des Verarbeiters, speziell des
Druckers.

Mehrfachstreichen hat Vorteile

Natürlich darf man nicht unerwähnt lassen, dass nach jedem Strichauftrag eine Trocknung sowie gleichzeitige Fixierung der frischen Streichmasse erfolgen muss. Dies bedeutet, gut nachvollziebar, einen größeren technischen Aufwand in der Maschine. Aber die Vorteile des Mehrfachstreichens überwiegen, denn es können gezielt die Streichfarben entsprechend den Qualitätsanforderungen zusammengestellt und später aufgebracht werden. Auch der wirtschaftliche Aspekt spielt mit, denn durch den jeweils mengenmäßig geringen Strichauftrag wird die relativ intensive Trockenleistung auf mehrere Trocknereinrichtungen verteilt und dies macht wiederum die Kartonmaschine etwas schneller.

Auch gibt es Papiermaschinen, die beides, eine Filmpresse und ein Streichaggregat, nachfolgend integriert haben. Die Filmpresse erledigt in der Regel den Basisstrich und nach einer Trocknungsstrecke übernimmt die Streicheinheit den Topstrich und fertig ist zum Beispiel ein gestrichenes Deckenpapier, welches für die Wellpappenerzeugung eingesetzt wird.