Streichen ... Teil 1 - papierundtechnik.de

Fachartikel Papiertechnik

Streichen … Teil 1

… ist in der Papier- und Kartonerzeugung ein Veredelungsverfahren mit dem Ziel eine Verbesserung der optischen Qualität und Wertigkeit von Papier und Karton zu erreichen. Dazu wird auf die Oberfläche der Papier- oder Kartonbahn eine Streichfarbe aufgetragen.

Dipl.-Ing. Holger BurkertBildungsakademie Papier (BIP)

Viele Verpackungen aus Karton weisen eine gestrichene Oberfläche auf. Auch bessere Prospekte, Wochen- oder Monatsmagazine sowie die klassischen
Kataloge sind bedruckt auf beidseitig gestrichenen Papieren. Die Aufzählung mit ausgewählten bedruckten Produkten aus gestrichenem Papier geht weiter, so zum Beispiel mit Plakaten, Postern, Kalendern, Büchern mit vielen Bildern, Etiketten sowie Eintrittskarten für Konzerte und Events.

Gute Basis für den Druck

Eins wird deutlich, mit dem Streichen schafft der Papierhersteller eine gute Basis für das spätere Bedrucken bei der Verarbeitung der entsprechenden Papier- und Kartonqualitäten. Das Druckbild wirkt genauer in Detail und Schärfe sowie voller im Farbton. Denn mit dem Streichen – einseitig oder beidseitig – werden die Oberflächen vergleichmäßigt, glatter sowie heller und weißer. Bei einer dann nachfolgenden mechanischen Glättung steigt auch noch der Glanz der Papieroberfläche. Insgesamt bekommt das Material ein besseres
visuelles und/oder haptisches Erscheinungsbild, was wiederum ein höherwertiges Papier ausmacht. Auch gewinnt das Papier oder der Karton durch die aufgetragene Streichfarbe an Flächenmasse sowie eine Zunahme der Dichte. Das sind alles Aspekte, die ein Druckbild auf dem Papier oder Karton brillianter wiedergeben. So wirken auch gleich das Getränk in der Flasche, die Produkte auf dem Prospekt oder im Katalog sowie die Teile in der Verpackung qualitativ hochwertiger.

Mehrere Strichaufträge

Alles beginnt beim klassischen Streichen mit dem Einebnen der Oberfläche, denn die unbehandelte Papierbahn ist durch eine gewisse Rauigkeit gekennzeichnet. Im vergrößerten Maßstab betrachtet, stellt man schon fest, die Papieroberfläche erscheint wie eine hügelige Landschaft mit unterschiedlichen Anstiegen und den dazwischen liegenden Tälern. Abhängig von den eingesetzten Faser- und Füllstoffen sowie den Prozesseinstellungen der Maschine fallen diese Unterschiede je nach Papier- und Kartonqualität mal stärker beziehungsweise mal etwas schwächer aus. Diese „Landschaften“ der Papieroberfläche gilt es beim Streichen mit dem ersten Auftrag der Streichmasse auszufüllen und somit eine gleichmäßige Fläche zu schaffen. Dieser Vorgang kann als eine Art Grundierung gesehen werden, wobei die Papierfasern abgedeckt werden. Folglich ist jetzt ein zweiter und wenn erforderlich sogar ein dritter Strichauftrag möglich.

Bei dem ersten Strichauftrag wird die Streichmasse bei voller Maschinengeschwindigkeit im Überschuss aufgetragen und mit einem so genannten Rakel abgestreift. Das Wirkungsprinzip ist wie bei einem Schaber mit einer robusten und stabilen Klinge.

In der Maschine verteilt das Rakel dann die aufgetragene Streichmasse über die gesamte Breite der Papierbahn gleichmäßig. Entsprechend Position, Druck und eingestelltem Winkel beim Rakel bleibt eine definierte Menge auf der Papierbahn haften und der Überschuss gleitet in die Farbwanne zurück. Der Rest bleibt somit im Farbkreislauf für den Streichprozess erhalten.

Farbe egalisieren und dosieren

Fachmännisch ausgedrückt heißt das, die Streichfarbe auf der Papierbahn zu egalisieren und zu dosieren. Denn egalisieren steht technisch gesehen für ausgleichen oder Ungleichmäßiges so bearbeiten, dass es überall gleichmäßig flach gemacht wird. Dosieren ist einfacher nachvollziehbar, denn es steht dafür, eine erforderliche Menge oder Dosis zu gewährleisten.

Als Streichmasse werden kleine mineralische Teilchen, wie zum Beispiel Kreide und Kalk, mit Wasser, Bindemitteln und weiteren Hilfsstoffen aufbereitet und somit ist die so genannte Streichfarbe fertig. Die Zusammensetzung und Aufbereitung der Streichfarbe selbst enthalten noch eine „Masse“ an weiteren Informationen, die dann im nächsten Artikel einfach erklärt werden.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Geschichte, denn da spielt die aufgetragene Streichmasse auch eine Rolle. Die ersten gestrichenen Papiere fertigte man bereits im alten China und in Arabien. Damals schon verwendete man als Auftragsmasse Stärke oder Mineralien, die jeweils mit der Hand auf die Papieroberfläche aufgestrichen wurden. Dies bringt auch der Begriff Handpapiermacherei deutlich zum Ausdruck. Das Papier wurde mit der Hand geschöpft und später nach dem Trocknen mit der Hand „angestrichen“. Daher kommt auch der Name Streichen für diesen Prozess.

Im Zuge der technischen Revolution wurden Streichfarben erstmals im Jahre 1866 in Dresden mit einer Walze auf Papier aufgetragen und anschließend mit Bürsten verrieben und geglättet. Die weitere Entwicklung wurde in Deutschland durch die Buntpapierfabrik in Aschaffenburg (1859) sowie durch die Papierfabriken Scheufelen (1892) und Zanders (1895) vorangetrieben. Die technische Weiterentwicklung der separaten Online-Streichmaschinen führte zu beachtlichen Dimensionen bezogen auf die Arbeitsbreite der Papierbahn und Laufgeschwindigkeit der Maschinen. Mit diesen Entwicklungsschritten beim Streichen stiegen auch die Anforderungen an das so genannte Streichrohpapier, was wir ebenfalls noch abhandeln werden.