Archiv Papiertechnik

Schnitzen mit schwerem Gerät

Seit 18 Jahren arbeitet Armin Merkel bei Glatfelter in Gernsbach. Als Schichtschlosser repariert er dort, im Fünf-Schicht-Betrieb, die Produktions- und Ausrüstungsmaschinen. In seiner Freizeit schnitzt er – mit der Kettensäge.

Kettensägenschnitzen, das klingt ähnlich paradox wie Blumen pflücken mit dem Mähdrescher. Es ist aber eine äußerst filigrane Sache, betont Armin Merkel, wenn er von seinem Hobby berichtet. Er wohnt in Gernsbach. Das Rohmaterial für seine Skulpturen stammt aus den umliegenden Wäldern. Bis zu einem Meter dicke Eichen hat Armin Merkel schon verwendet. Sie zählen neben Kastanien zu seinem Lieblingsholz. Allerdings sind die Stammabschnitte, die er verarbeitet, bis zu 250 Kilogramm schwer. Der Transport zu seinem abgelegenen Schnitzplatz auf einem der Kämme des Murgtals ist dann nur noch mit Maschinenunterstützung möglich. Ist das Holz dann auf seinem Platz, kann es losgehen. Zuerst entfernt er die Rinde und den Splint, das ist die äußere wasserführende Schicht des Stammes, die zu weich zum Schnitzen ist.

„Spätestens jetzt sollte man genaue, möglichst dreidimensionale Vorstellungen haben, was aus dem groben Klotz erstehen soll“, sagt Armin Merkel. Er zeichnet meist Umrisse und Dimensionen mit Kreide auf dem Holz an. Dann sägt er die Umrisse grob vor, bei Schnitzern „Ausblocken“ genannt. Und zwar in allen Dimensionen, von vorne, von den Seiten und von hinten.

Je nach geplanter Größe der Skulptur kommen Motorsägen bis zu 100 ccm zum Einsatz. Merkels stärkste Maschine bringt es immerhin auf sieben PS. Dann ist die nächst kleinere Motorsäge an der Reihe. Immer noch werden die Umrisse ausgesägt. Langsam treten die ersten Konturen hervor. Die Schnitzkunst ist zeitaufwändig. Meist dauert die Arbeit an einer Skulptur mehrere Tage, 40 Stunden und mehr sind keine Seltenheit.

Merkels kleinste Säge wiegt immerhin noch vier Kilogramm, ist aber mit einer speziellen Schnitzschiene ausgerüstet. Die Spitze des Schwertes hat etwa den Durchmesser eines 50 Cent-Stückes. Mit ihr sind die feinen Schnitte und engen Radien möglich, mit denen die letzten Feinheiten der Skulptur gesägt werden. Sogar menschliche Gesichter lassen sich so ausarbeiten.

„Wer mit diesem Hobby anfängt, braucht zu Beginn neben viel Zeit und Geduld auch eine große Portion Frustresistenz“, sagt Armin Merkel. „So gut wie alles muss man sich selbst beibringen und manches Stück endet als Brennholz. Wenn es aber später mit der Schnitzerei einigermaßen klappt, überwiegt die Faszination und gedanklich ist man schon wieder beim nächsten Motiv“, erzählt er.

Weitere Bilder seiner hölzernen Kunstwerke kann man sich im Internet ansehen (www.repage1.de/member/holzskulpturen/). Wer möchte, kann dem Schnitzer auch in Wirklichkeit über die Schulter schauen. Kontaktadressen sind auf der Webseite zu finden. VM