Archiv Papiertechnik

Raritäten zu Rekordpreisen

Für über eine Million Euro kam eine handschriftliche Partitur von Beethoven unter den Hammer.

Es besteht nicht aus Gold oder Platin, kann aber trotzdem ein Vermögen kosten. Dies hängt vor allem davon ab, wie und wann es beschrieben, bedruckt oder bemalt wurde. Dann lässt sich aus Papier eine ungewöhnlich gute Wertanlage machen.

Gunnar von der Geest

Gemälde – unbeachtete Tänzerin

Der berühmte Impressionist Edgar Degas hatte 1879 ein junges Ballettmädchen mit Pastellkreiden auf Papier gemalt. „Danseuse au repos“ – die „ruhende Tänzerin“ hing unbeachtet in einer Galerie, bis das Bild im Jahr 1885 der Degas-Freund Jules-Emile Boivin aus Mitleid für 1200 Francs kaufte. Heute ist es das teuerste Papierbild der Welt und machte zuletzt auf einer Versteigerung den Anbieter um knapp 26,5 Millionen Euro reicher.

Manuskript – rekonstruierte Seiten

Als Albert Einstein 1944 gebeten wurde, eines seiner Originalmanuskripte über die Relativitätstheorie für eine Auktion des „Book and Authors War Bond Commitee“ (Finanzierung von Kriegsanleihen) zu stiften, musste er passen: Die meisten seiner handschriftlichen Manuskripte hatte der Nobelpreisträger gleich nach dem Druck vernichtet. Er ließ sich allerdings dazu überreden, die im Jahr 1905 veröffentlichte Arbeit noch einmal abzuschreiben. Seine Sekretärin diktierte ihm das umfangreiche Werk. Der Lohn: Das „rekonstruierte“ Manuskript brachte damals 6,5 Millionen Dollar ein.

Partitur – wertvolle Noten

Wenn Ludwig van Beethoven neues Rastralpapier brauchte, kaufte er immer die beste Qualität. Auch als er am 16. August 1814 seine „Klaviersonate e-Moll, Opus 90“ in Reinschrift übertrug. Das gedruckte 16-seitige Werk wurde für einen Gulden und 30 Kreuzer in Wien verkauft. Die handschriftlichen Notenblätter aber erzielten 175 Jahre später den höchsten Preis, der je für eine einzelne Partitur gezahlt wurde. Sie kamen 1991 in London für etwa 1,65 Millionen Euro unter den Hammer.

Sammelkarte – seltenes Starportrait
Eine Karte, die den ehemaligen Baseball-Star Honus Wagner zeigt, gilt als teuerste Sammelkarte der Welt.

Ein privater Sammler erwarb das seltene Stück, das die Amerikanische Tabak Gesellschaft im Jahr 1909 herausbrachte, für 2,8 Millionen Dollar. Die Karte ist vermutlich so selten, weil Honus Wagner selbst die Produktion stoppen ließ. Der Baseballspieler wollte nicht, dass sein Bild benutzt wird, um Tabak zu verkaufen.

Unterschrift – historische Signatur
Vor einigen Jahrhunderten war es noch nicht üblich, überall seinen Namenszug zu hinterlassen. Deshalb sind Unterschriften von Prominenten, die längst Geschichte sind, sowohl historisch bedeutsam als auch finanziell interessant. Bestes Beispiel hierfür ist die Unterschrift von William Shakespeare, der trotz immenser Schreibtätigkeit nur selten seinen Namen zu Papier brachte. Es sind heute weltweit sechs Originalunterschriften erfasst. Eine Signatur findet sich auf einer Übertragungsurkunde eines Londoner Hauses, eine auf einer gerichtlichen Aussage, eine auf den Dokumenten zu seinen Hypotheken und drei in seinem Testament. Jede dieser sechs Unterschriften ist geschätzte drei Millionen Dollar wert.

Aktien – einzigartige Geldanlage
Der Preis war selbst für Experten eine Sensation: 72 000 britische Pfund oder umgerechnet mehr als 104 000 Euro zahlte 2004 ein Sammler für die Aktie mit der Nummer 001 der Deutschen Bank. Damit ist das Papier, das 1871 in Leipzig in der renommierten Druckerei Giesecke & Devrient entstand, das teuerste Wertpapier der Welt. Inklusive Kaufprovision und Mehrwertsteuer lautete die Endsumme 122 000 Euro. Die Aktie aus der Gründungszeit der Deutschen Bank mit einem Nennwert von 200 Talern hat eine bewegte Geschichte hinter sich und wurde nur durch das Jahrhunderthochwasser im Sommer 2002 wiederentdeckt. Das bis dahin wertvollste Aktienpapier der Welt war eine US-amerikanische Ölaktie von Exxon mit der Unterschrift Rockefellers.