Archiv Papiertechnik

Pop-Art zum Anziehen

Papierkleid mit „POP” Portraits von angesagten Stars.

Die Ausstellung „Pap(i)er Fashion“ zeigt die Geschichte von Papierkleidern, die in den „Swinging Sixties“ erst Amerika und dann Europa eroberten. Pop- und Op-Art-Motive, Logos, Zeitungstexte und selbst die Wahlkandidaten von 1968 zierten die Kleider.

Das amerikanische Papierunternehmen Scott Paper Company brachte im Jahr 1966 erstmals ein Einwegpapierkleid auf den Markt. Zuerst als Werbegag gedacht, entwickelte sich die Idee innerhalb kürzester Zeit zu einem Hype in den Vereinigten Staaten und in Europa. Papierkleider mit knalligen Mustern oder psychedelischen Aufdrucken wurden als Werbematerial für die unterschiedlichsten Bedürfnisse eingesetzt. Von der Pop-Art über das politische Manifest bis hin zu poetischen Texten und Kindercartoons war alles möglich und wurde mit Begeisterung getragen.

Die Tradition der Papierbearbeitung im Bereich der Bekleidung gab es in China und Japan schon seit Jahrhunderten – die westlichen Kulturen kennen Papier als Bekleidungsstoff erst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts als Alternative für Textil. Wirtschaftskrisen und Kriegszeiten zwangen viele, Ersatz für Textilien zu suchen. Papier war dank seiner Festigkeit und Dämmqualitäten eines der Materialien, die vielfach eingesetzt wurden.

Papierkleidung und Accessoires verschwanden nach den 60er-Jahren für einige Jahrzehnte aus dem Bereich der Bekleidungsindustrie. Heute spielt Papier in der Mode wieder eine wichtige Rolle. Designer experimentieren mit dem leicht formbaren, vielseitig verwendbaren Material. Pap(i)er Fashion zeigt anhand von seltenen japanischen und chinesischen Bekleidungsstücken, einer Vielzahl der Wegwerfkleider aus den 60er-Jahren und Kreationen von über 40 zeitgenössischen Designern und Modeschöpfern eine faszinierende Facette eines uralten Werkstoffs.

Zu sehen ist die Ausstellung „Pap(i)er Fashion“ noch bis 1. August 2010 im Museum Bellerive in Zürich.

www.museum-bellerive.ch