Archiv Papiertechnik

Ohne Titel

Auch selber gebastelte Schultüten sind sehr schön.

Dieser Brauch gehört in Deutschland zum Schulanfang: Die Erstklässler bekommen eine große, schön geschmückte Tüte aus Karton, gefüllt mit vielen Süßigkeiten. Quellen aus dem 19. Jahrhundert erwähnen zuerst in Thüringen, dem Erzgebirge und Sachsen so genannte Zuckertüten. Der Schriftsteller Erich Kästner schrieb in seinen Kindheitserinnerungen über seine Einschulung im Jahr 1905 in eine Dresdener Schule: „Meine Zuckertüte hättet ihr sehen müssen! Sie war bunt wie hundert Ansichtskarten, schwer wie ein Kohleneimer und reichte mir bis zur Nasenspitze!“ Auch heute, über hundert Jahre später, sind die Tüten bunt und groß. Im Westen zumeist rund, in Ostdeutschland oft sechseckig. Die Motive zeigen Disney-Figuren, Pferde, Einhörner, Autos oder Minions, im Glitter-, 3D- und Foliendruck, sogar mit Sound- und Lichteffekten.

Das gab es zu Kästners Zeiten natürlich noch nicht. Aber die Tüten sind immer noch aus Karton, wenn auch besonders stabile Modelle eine mit Holz oder Kunststoff verstärkte Spitze aufweisen – damit man sie unbeschadet auf dem Boden abstellen kann. Wie damals, heißt es doch bei Erich Kästner weiter: „…die Eltern, die Kinder und die Zuckertüten stiefelten gesprächig nach Hause. Ich trug meine Tüte wie eine Fahnenstange vor mir her. Manchmal setzte ich sie ächzend aufs Pflaster.“