Archiv Papiertechnik

Marbachs neue Akropolis

„Dies ist ein Bekenntnis zur Größe der Literatur, zum Wunder der Literatur“, sagte Bundespräsident Horst Köhler bei der Eröffnung des Literaturmuseums der Moderne auf der Schillerhöhe in Marbach, der Geburtsstadt von Friedrich Schiller.

Dr. Christina Kreibich

Um den imposanten Neubau, der wie ein moderner Tempel für Literatur anmutet, auf der Schillerhöhe platzieren zu können, musste das Berliner Team des britischen Architekten David Chipperfield eine besondere Lösung entwickeln. Man entschied sich dafür, die Marbacher „Akropolis“ regelrecht in den Berg zu bohren, denn gut zwei Drittel des umbauten Raums liegen unterirdisch.

Dadurch ist gewährleistet, dass sich die Exponate im Museumsinneren ständig im Halbschatten beziehungsweise in speziell beleuchteten Kellerräumen befinden. In sechs Schausälen können bei konstanter Raumtemperatur von 18 Grad und 50 Lux Helligkeit auch empfindliche Handschriften und kostbare Erstausgaben den interessierten Betrachtern präsentiert werden, ohne die seltenen Stücke der Zerstörung auszusetzen.

Die literarischen Kostbarkeiten sind äußerst vielfältig. So werden nicht nur Originalmanuskripte wie Rilkes „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ oder Kafkas „Proceߓ, sondern auch Unikate wie Günter Grass“ Roman „Die Blechtrommel“ mit Original-Zeichnungen des Autors oder gar persönliche Erinnerungsstücke wie Thomas Manns Taufkleid ausgestellt. Zu den Kuriositäten gehört freilich eine Röntgen-Aufnahme vom Brustkorb des lungenkranken Philosophen Karl Jaspers, der Rotweinfleck auf einem Gedichtentwurf Paul Celans oder gar ein Handabdruck Gerhart Hauptmanns.

Als eine der bedeutendsten Literaturinstitutionen weltweit möchte das Deutsche Literaturarchiv Marbach (www.dla-marbach.de) mit seiner Sammlung eine Fülle kostbarer Quellen der Literatur- und Geistesgeschichte für die Zeit von 1750 bis zur Gegenwart bewahren. Als Zielsetzung hat es sich auf die Fahnen geschrieben, den Erkenntnisgewinn aus originalen Quellen zu fördern und Freude an der Literatur zu wecken.

Dass Papier als bedeutender Kulturträger hier – einmal wieder – eine ganz wesentliche Rolle spielt, versteht sich von selbst. „Denn, was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ Eine Weisheit, die bereits Goethe in seinem „Faust I“ in der berühmten Studierzimmer-Szene ganz bewusst formuliert hat.