Archiv Papiertechnik

Magnetische Feldstärke (Fortsetzung)

Mit dem Degausser können magnetische Datenträger gelöscht werden

In der Ausgabe Nr. 3/2006 von Papier + Technik wurden die elektrische Stromdichte und die elektrische Feldstärke bereits beschrieben, zur besseren Erläuterung der magnetischen Feldstärke folgen nun weitere Ausführungen.

HLD

Die magnetische Feldstärke, auch magnetische Erregung genannt, wird als abgeleitete SI-Einheit in Ampere pro Meter (A m-1, A/m) gemessen. Sie ist grundsätzlich zwar eine vektorielle Größe, das heißt, sie ist abhängig von der Richtung, da es normalerweise bei Berechnungen aber nur auf den Betrag ankommt, lässt man in der Schreibweise den vektoriellen Charakter meist unberücksichtigt.

Die Größe der magnetischen Feldstärke im Inneren einer von Strom durchflossenen Spule ist von der Stromstärke I, der Spulenlänge L und der Anzahl der Windungen N abhängig:

H = I x N / L

Das Produkt I · N wird auch Amperewindungszahl genannt.

In der älteren Fachliteratur findet man die Angabe Oer- sted als Einheit der magnetischen Feldstärke. Im CGS-Einheitensystem war sie nach dem dänischen Physiker Hans Christian Ørsted benannt, die Bezeichnung ist aber seit dem 1. Januar 1978 nicht mehr als offizielle Einheit zulässig. Das Oersted besitzt keine genaue Entsprechung im SI-Einheitensystem, kann aber in Ampere pro Meter ausgedrückt werden: Ein Oersted entspricht ungefähr 79,6 A m-1 (Ampere pro Meter). Setzt man einen Raum vor- aus, in dem sich das Magnetfeld unbeeinflusst ausbreiten kann, so ist auch eine Umrechnung von Oersted in Tesla (Tesla siehe Papier + Technik Nr. 12–1/2005/2006) möglich:

1 Oe (Oersted) = 100 µT (Mikrotesla)

Im Zusammenhang mit elektrischen und magnetischen Feldern sind zwei Anwendungen interessant: Der De- gausser und die Schnüffelsonde. Der Degausser ist ein elektrisches Gerät, mit dem magnetische Datenträger zuverlässig gelöscht werden können. In einem solchen Gerät wird der Datenträger einem starken Magnetfeld ausgesetzt. Die Feldstärke kann dabei zwischen 0,28 und 1,1 T (Tesla), entsprechend der heute unzulässigen, aber noch oft benutzten alten Angabe 2800 bis 11 000 Gauß, betragen. Zur Sicherheit führt man normalerweise mehrere Löschvorgänge durch. Zum Löschen von Festplatten sollte der Degausser zum Beispiel mindestens eine magnetische Feldstärke von 0,8 T und damit deutlich mehr als die doppelte zum Beschreiben der Festplatten benutzte Feldstärke (0,15 bis 0,3 T) erzeugen. Da bei der Behandlung nicht nur der eigentliche Datenspeicher, sondern auch Servo- und Wartungs-Informationen gelöscht werden, ist auch eine intakte Festplatte nach dem Löschvorgang im Degausser zerstört. Ebenso können andere magnetische Datenträger wie Magnetbänder, Disketten und Magnetkarten gelöscht werden. Im Handel sind Degausser als Handgeräte – ähnlich einem Barcode-Scanner – bis hin zu soliden Standgeräten in Schränken erhältlich.

Die Schnüffelsonde ist eine Prüfsonde, mit der räumlich begrenzte elektrische oder magnetische Wechselfelder erfasst werden können. Schnüffelsonden für elektrische Felder funktionieren nach dem Prinzip der Ladungsverschiebung in einer Kapazität in Abhängigkeit von der Feldstärke. Sie sind als kleine isolierte Kugeln ausgeführt. Magnetische Schnüffelsonden sind kleine Spulen, also kleine Stromwandler, die das magnetische Wechselfeld in eine Wechselspannung umwandeln. Messgeräte verstärken den Messwert und zeigen ihn als Spannung an. Schnüffelsonden können benutzt werden, um Störquellen zu entdecken oder die Stärke der Felder zu messen (Elektrosmog – siehe PapierMacher Nr. 9/2003).