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Karton …

… ist ein mehrlagiges Verpackungsmaterial für eine Vielzahl von Verpackungen in verschiedenen Formen und für unterschiedliche Packgüter. Die bekannteste Verpackung ist dabei die klassische Faltschachtel.

Dipl.-Ing. Holger BurkertBildungsakademie Papier (BIP)

In den zurückliegenden Ausgaben haben wir den Kartonaufbau und die Kartonerzeugung sehr gründlich und ausführlich betrachtet. Nun legen wir zum Abschluss der Thematik Karton den Fokus auf die Faltschachtel und die dazu passenden Kartonqualitäten.

Eine Faltschachtel ist eine industriell vorgefertigte Schachtel, die platzsparend in zusammengelegtem Zustand vom Hersteller an die verarbeitenden Unternehmen geliefert wird. Da die meisten Schachteln bereits ab Werk an einer Seitennaht verklebt sind, bringt der Anwender mit einem relativ leichten Druck auf die Seiten der gefalteten Schachtel diese zum Aufrichten. Das
erfolgt mit schnellen einfachen Handgriffen oder maschinell auf schnell laufenden Verpackungsautomaten.

Das Ergebnis ist somit eine aufgerichtete, befüllbare Schachtel. Faltschachteln kommen in vielen Bereichen der privaten Haushalte sowie in der Industrie zum Einsatz. In großem wie auch in kleinem Format werden sie als Verpackung von Produkten des täglichen Bedarfs, sowie Geschenkartikeln, Kosmetik, Arzneimitteln oder auch elektronischen Geräten verwendet.

Die Faltschachteln erfüllen dabei primär folgende Funktionen:

  • Sie schützen das Packgut, die Ware, vor äußeren Einwirkungen.
  • Sie sind bedruckt, fallen durch ihre Form auf und dienen somit als Werbeträger.
  • Sie garantieren durch ihre Bauform die Stapelfähigkeit der Ware.
  • Sie unterstützen das Beschreiben sowie das Identifizieren des Produkts durch aufgedruckte oder
    aufgeklebte Kennzeichen.
  • Sie sind eine umweltfreundliche nachhaltige Verpackung, die dem Recyclingkreislauf zugeführt werden kann.

Genau diese Aspekte muss der Verpackungshersteller erfüllen, um den Anforderungen und Wünschen seiner Kunden gerecht zu werden. In Baumärkten, bei Discountern, in Supermärkten, Drogeriemärkten sowie Apotheken usw. finden wir eine Vielzahl von Verpackungen aus Faltschachtelkarton und alle erfüllen die geforderten Punkte. In der Regel stehen sie gut platziert nebeneinander oder gestapelt im Regal, verleihen dem Inhalt Schutz und sehen dazu optisch gut aus. Der Konsument fühlt sich von der Verpackung angesprochen, denn sie erleichtert das gezielte Finden der Ware und sie gibt Informationen zum Produkt. Letztendlich kann der Käufer mit gutem Gewissen nach dem Gebrauch die Verpackung über die Altpapiertonne entsorgen.

Betrachtet oder berührt man aber eine Faltschachtel genauer, bemerkt man deutliche und auch feine Unterschiede in der Verarbeitung und speziell in der Beschaffenheit der Oberfläche. Es gibt Differenzen zwischen der Glätte oder der Rauigkeit, der Weiße und der Helligkeit, dem Glanz und der Strahlkraft der aufgedruckten Farben. Genauso sind Unterschiede bezogen auf die Innenseite der Verpackung sichtbar. Hier gibt es die klassisch einfache graue,
die saubere weiße oder auch die anspruchsvollere bedruckte Innenseite.

Späterer Einsatz spielt eine Rolle

Der Verpackungshersteller muss entscheiden: Welche Kartonqualität passt zum verpackten Inhalt und erfüllt noch dazu die oben aufgeführten Anforderungen? Der Karton besteht aus mehreren Lagen und in jeder sind Fasern platziert. Grundsätzlich stehen Primärfaserstoffe, also die frischen Fasern, sowie natürlich die Sekundärfaserstoffe, also die „gebrauchten“ Fasern, zur Verfügung. Die Kartonqualität kann durchaus komplett aus Primär- oder aus Sekundärfasern bestehen oder auch eine Kombination sein. Ob nun frisches Fasermaterial oder gebrauchtes als Recyclingmaterial verwendet wird, hängt entscheidend vom späteren Einsatzzweck ab.

Betrachten wir als Beispiel eine Verpackung für Lebensmittel aus der Tiefkühltruhe. Der Inhalt hat direkten Kontakt mit dem Verpackungsmaterial
Karton und somit ist dieser dann aus Primärfaserstoff. Der farbliche Beweis belegt dies, denn die Innenseite sowie die Zwischenlage des Kartons sind weiß oder hell und somit klar als Zellstoff oder Holzstoff zu definieren. Dieses Fasermaterial ist in der Regel dazu gebleicht.

Hat die Innenseite der Verpackung einen naturfarbenen Braunton, spricht vieles für ungebleichten Zellstoff als Fasermaterial. Und wieder folgt das Beispiel. Wir betrachten die Innenseite von einem Sixpack für Bier. Hier ist natürlich Festigkeit gefragt und dafür eignet sich der ungebleichte braune Zellstoff hervorragend. Viele Verpackungen für „einfache“ Produkte, wie zum Beispiel Schrauben, Leuchtkörper, Sanitärartikel und noch viel mehr, werden dagegen auf der Basis von Recyclingmaterial hergestellt.

Bedruckbarkeit ist Kriterium

Eines haben fast alle Verpackungen gemeinsam, sie sind bedruckt. Das bedeutet für den Verpackungshersteller, das Verpackungsmaterial Karton muss eine saubere, helle oder sogar weiße Oberfläche aufweisen. Bei Primärfaserkarton kommt dann einfach gebleichter Zellstoff zum Einsatz, was natürlich seinen Preis hat. Aber bei Verpackungen aus der Kosmetikabteilung, dem Reformhaus oder der Apotheke kann man dies gut nachvollziehen.

Bei den Sekundärfasern entscheidet schon die ausgewählte Altpapiersorte über das Aussehen. Weißes Altpapier ist die Basis für eine helle Lage, meistens für die äußere sichtbare Seite der Kartonqualität. Gemischtes sowie dunkles Altpapier sorgen für ein grau aussehendes Fasermaterial, welches natürlich ideal für die inneren Lagen im Kartonaufbau sowie für die sichtbare Innenseite der Rückseite des Kartons geeignet ist.

Eine Steigerung der optischen Eigenschaften, Weiße und Glanz, erfolgt durch das Streichen der Kartonoberfläche direkt in der Kartonmaschine. Es werden dabei feine, kleine mineralische Teilchen gleichmäßig aufgebracht, und schon erscheint das mehrfarbige Druckbild auf der Faltschachtel viel eleganter und schöner und die vielen Informationen zum Produkt beziehungsweise zu dessen Anwendung sind deutlich und klar zu lesen.

Das Streichen von Karton gilt für die
frischen sowie für die gebrauchten Fasern. In der nächsten Ausgabe betrachten wir dann das Verfahren Streichen intensiver.