Archiv Papiertechnik

Jeder Gang ein Genuss

Aufwändig gestaltete Rezept- und Speisekarten, unten vom preußischen Königs- (l.) und russischen Zarenhof (r.).

Ein Ausstellungs-Menü zeigt das Museum Haus Löwenberg in Gengenbach. Schon der erste Gang bietet Besonderes: historische Speisekarten, unter anderem von den Tafeln gekrönter Häupter und von Fahrten mit dem Zeppelin oder Ozeandampfer.

Originell zusammengestellt ist die Ausstellung „Ereignis Essen“ im Gengenbacher Museum Haus Löwenberg, das in einem alten Fachwerkhaus direkt am Marktplatz der Schwarzwald-Gemeinde untergebracht ist. Der erste Ausstellungs-Gang liefert Themen-Happen aus der Geschichte des Kochens und der Ess-Genüsse, kunstvoll präsentiert und arrangiert mit Objekten aus der Küche und vom Speisetisch.

Zum Beispiel frühe Rezeptblätter, Menükarten von Hoheiten wie Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach aus dem Jahr 1790, des Preußischen Königs aus dem Jahr 1846 und des Kaisers Franz-Josef von Österreich aus dem Jahr 1865. Dazu kommen Menükarten großer Reiseereignisse per Zeppelin oder Ozeandampfer und grafische Kunstwerke, etwa vom Hofe des Zaren und des badischen Großherzogs. Einen Augenschmaus bieten auch Kochbücher und Handbücher der Gastlichkeit, so von Scappi, dem päpstlichen Küchenchef oder dem großen Koch Brillat-Savarin, aber auch Verpflegungs-Richtlinien der Kaiserlich-Russischen Truppen aus dem Jahr 1813 und der Speiseplan der Charité aus dem Jahr 1740.

Augenschmaus auf Papier
Der zweite Gang zeigt Arbeiten des „Fotografen der Sterneköche“ Michael Wissing. Eine Fotografie, die mal beiläufig Notiz nimmt, mal sorgfältig inszeniert ist. Sie zeigt Motive vom Essen und von Menschen, die es in der Küche zubereiten und den Gästen servieren. Der einfache Umgang mit Nahrung beim Schlachtfest im Schwarzwald und in der Straßenküche in Thailand kontrastiert mit veredelten Speisen. Die Ergebnisse der Fertiggerichte-Industrie stehen neben den ausgeklügelten Kunstwerken der Spitzenküche, etwa von Peter Lumpp oder Johann Lafer, den der Fotograf schon seit längerem mit der Kamera begleitet.

Für den dritten Gang der Ausstellung haben etwa zwanzig Künstler Speisekarten gestaltet oder „Eintragungen“ ins eigens eingerichtete „Ereignis-Gästebuch“ gemacht. Auch sie bieten einen ganz besonderen Genuss. Grund“nahrungsmittel“ dafür ist wie auch bei den Speisekarten und Fotografien das Trägermaterial Papier.

Angerichtet ist die Ausstellung noch bis 6. Januar 2012. Weitere Informationen unter:

www.museum-haus-loewenberg.de