Archiv Papiertechnik

Innovatives Umweltschutzprojekt


Foto: UPM
UPM Plattling hat durch die Erweiterung der Abwasserbehandlung um eine Ozon-Reinigungsstufe die Qualität des in die Isar geleiteten Wassers deutlich verbessert. Die innovative Technik kann als Beispiel für andere Industrien oder Kommunen dienen.

VM

Die Ozon-Abwasserbehandlung mit anschließender Filtration ist die größte Anlage dieser Art weltweit. Für ihren Bau gab der Bund in seinem Umweltinnovationsprogramm Fördergelder. Umweltbeauftragter Wolfgang Haase von UPM Plattling ist stolz auf das Projekt und die dadurch erzielte deutliche Verbesserung im Umweltschutz.

UPM Plattling produziert am Standort in Niederbayern gestrichene und ungestrichene Magazinpapiere. Bisher erfolgte die Behandlung des Produktionsabwassers der gestrichenen (LWC) und der ungestrichenen (SC) Papiere in zwei getrennten Abwassereinigungsanlagen mittels biologischer Klärung. In der SC Linie wurden bereits mit einer nachgeschalteten Druckentspannungsflotation so genannte schwer abbaubare organische Verbindungen (persistente CSB) mittels Fällung und Flockung abgetrennt. CSB ist die Abkürzung für den „chemischen Sauerstoffbedarf“. Er dient als Maß für die Summe aller im Wasser vorhandenen, unter bestimmten Bedingungen oxidierbaren Stoffe und gibt die Menge an Sauerstoff an, die zu ihrer Oxidation benötigt würde.

Mit dem Aufbau einer Formatschneideanlage in der LWC Linie stieg der Produktionsanteil an hochweißen Papieren. Da die Rohstoffe intensiver gebleicht werden, erhöhte sich der Anteil an persistentem CSB im Abwasser. Um eine Erhöhung der Gewässerbelastung zu vermeiden und den Schlammanfall sowie die Aufsalzung durch die eingesetzten Fällungsmittel zu minimieren, ergänzte man die bestehenden Abwasserbehandlungsanlagen um das Ozon- und Biofiltrationsverfahren als zusätzliche nachgeschaltete Reinigungsstufe.

Hier löst das Ozon eine chemische Reaktion zwischen dem hochaktiven Sauerstoff und den Schadstoffen im Wasser aus, was diese so verändert, dass die Bakterien in der nachfolgenden Biofiltration sie leichter „verarbeiten“, sprich dem Abwasser entziehen können. Bis zu 1525 Kilogramm CSB pro Tag können auf diese Weise eliminiert werden. Die organische Restfracht beträgt nur noch 2,7 Kilogramm CSB pro Tonne produziertem Papier. Sie liegt damit unter dem strengen Grenzwert an der Isar von 3,1 Kilogramm. Die Deutsche Abwasserverordnung erlaubt sogar bis zu fünf Kilogramm CSB pro Tonne hochgebleichter Papiersorten. UPM Plattling hat somit das wesentliche Ziel, die Isar deutlich über die gesetzliche Mindestanforderung hinaus zu schützen, erreicht. Ein weiterer positiver Effekt: Die Fällungsschlammmenge wurde um mehr als 80 Prozent reduziert. Das Verfahren, das der Gruppe der Advanced Oxidation Processes (AOP) zugerechnet wird, weist eine Reinigungsleistung deutlich über den Anforderungen der auf europäischer Ebene geforderten ‚Besten Verfügbaren Technik‘ (BVT) auf. Bisher galt die Ozonierung mit nachgeschaltetem Biofiltrationsverfahren als teuer und energieintensiv. Dies konnte UPM Plattling mit seiner neuen Anlage widerlegen. Der Energieverbrauch liegt hier bei rund 11 Kilowattstunden pro Kilogramm eliminiertem CSB und somit etwa 45 Prozent niedriger als bei Referenzprojekten. Auch der Ozonverbrauch pro Kilogramm eliminierter CSB ist mit 0,8 Kilogramm gering. Das Ozon wird sehr effizient in zwei unter Atmosphärendruck betriebenen Ozonreaktoren erzeugt. Individuell regelbare Ozoneintragsysteme ermöglichen eine fast vollständige Ozonausnutzung.


Die Ozon-Abwasserbehandlungsanlage in Plattling verbraucht deutlich weniger Energie als Referenzprojekte.