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Hülsen sind unverzichtbar

Nach dem erfolgreichen Start im Jahr 2016 veranstaltete die Bildungsakademie Papier (BIP)gemeinsam mit der Papiertechnischen Stiftung (PTS) das zweite „Branchenseminar Hülse“ in Gernsbach. In elf Vorträgen rund um das Thema Hülse erhielten die Teilnehmer einen komprimierten Überblick über Erzeugung und Verarbeitung von Hülsen.

Kirsten Maurer-Fritz

Holger Burkert, Bildungsakademie Papier (BIP) im Papierzentrum Gernsbach, und Robert Metz, Papiertechnische Stiftung München (PTS), begrüßten am 15. und 16. Februar 2018 etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum zweiten Branchentreff in Gernsbach.

Im ersten Vortrag gab Karsten Hunger, Fachvereinigung Hartpapierwaren und Rundgefäße, einen allgemeinen Überblick zu Marktzahlen und Trends der Hülsenindustrie. So produzierte die deutsche Hülsenindustrie im Jahr 2016 über 270.000 Tonnen Hülsen (ohne Kombidosen und Hartpapier-Becher) mit einem Produktionswert von fast 300 Millionen Euro. Die Exportquote lag bei 27 Prozent, die Importquote bei neun Prozent. Die Branche ist mittelständisch strukturiert, mit etwa 1500 Beschäftigten in 40 Unternehmen.

Die Papierindustrie ist immer noch der größte Einsatzbereich von Wickelkernen, doch der Strukturwandel in der Papierindustrie verändert die Nachfrage. Der Rückgang aus dem Bereich grafische Papiere und die Steigerung bei den Verpackungspapieren führen insgesamt zu einem stabilen Volumen. Doch der Umsatz geht zurück, da sich für Wickelkerne im Verpackungsbereich nur geringere Preise erzielen lassen. Neue Anwendungsgebiete in der Folienindustrie für empfindliche technisch hochwertige Produkte (Oberfläche ohne Abdrücke in der Folie) führen zu einem kontinuierlichen Anstieg der Einsatzquoten von Wickelkernen.

Der zweite Vortrag beschäftigte sich dann mit dem Hülsenkarton beziehungsweise -papier. Kilian Kunert, Paul & Co GmbH & Co. KG, stellte zunächst die Kunert Gruppe vor und beschrieb im Anschluss verschiedene Papierprüfungen, die für Hülsenpapiere von Bedeutung sind. Dies waren Berstdruck, Cobb-Test, Dicke, Flächenmasse, Reißfestigkeit, Restfeuchte, Saughöhe und Spaltfestigkeit.

Im folgenden Themenblock „Maschinen für die Erzeugung von Hülsen, Hartpapierwaren und Rundgefäßen“ erläuterte Wolfgang Gürtler, BLEMA Kircheis GmbH, am Beispiel der spiralgewickelten Dose, wie eine Hülse entsteht. Eine typische Anlage zur Herstellung spiralgewickelter Dosen besteht aus Papierabrollungen, Wickelmaschine, Schneidwerk, Etikettiermaschine, einer Maschine zum Aufbringen des Verschlusses auf die Dose, sowie einem Sammelverpacker. Die Dose wird beim Abfüller durch den Boden befüllt und danach mit einer Verschließmaschine verschlossen. Dabei kann ein Metalldeckel (aus Weißblech oder Aluminium) aufgefalzt oder ein Kartonboden eingesiegelt werden.

Michael Brodbeck, A. Brodbeck GmbH & Co. KG, stellte in seinem Vortrag Maschinen zum Schneiden und Teilen von Hülsen vor. Beim Schneiden von Hülsen kommen vier verschiedene Verfahren zum Einsatz. Der Sägeschnitt ist ein einfaches Verfahren für einen universellen Einsatz (bzgl. Hülsenlänge und -sorte), bei dem ein 90°-Schnitt entsteht. Eine Messerwelle kommt zum Einsatz bei hohem Schneidevolumen und Schnellläufern. Bei dem staubfreien Schnitt handelt es sich um einen Tangentialschnitt (Kiss-Cut), der auch inline nutzbar ist. Das Schneiden mit dem Universaldorn ist ein universelles Schneidverfahren ohne Rüstzeiten und Staubbildung und es ist auch für Kleinserien einsetzbar. Und Index-Schneidemaschinen sind Multi-Talente vor allem für große Durchmesserbereiche. Die Rüstzeiten sind gering, die Maschine ist sehr einfach zu bedienen und es entsteht ein staub- und gratfreier Schnitt.

Klebestoffe, Stärke und Wasserglas in der Hülsenerzeugung und -verarbeitung

Matthias Gautsche, von H.B. Fuller Deutschland GmbH, stellte Wasserbasierende Klebstoffe und Schmelzklebstoffe für die Papierverarbeitende Industrie vor. Wasserbasierende Klebstoffe sind einfach zu applizieren, einfach und sicher zu handhaben, und normalerweise bei Raumtemperatur verarbeitbar. Schmelzklebstoffe zeichnen sich aus durch eine sofortige Haftung und eine einfache Applikation und Lagerung. Schmelzklebstoffe sind für verschiedenste Substrate geeignet, können eine Vielzahl von Eigenschaften aufweisen und sind in einem großen Temperaturbereich anwendbar (von
– 40 bis 85 Grad Celsius).

Bei der Verwendung von Dextrinleimen für die Hülsenherstellung zeichnen sich die Endprodukte durch hohe Festigkeiten und Dimensionsstabilität aus, berichtete Hermann-Josef Melcher von der Emsland-Stärke GmbH. Weiterhin lassen sich mit Dextrinen hohe Feststoffkonzentrationen und kurze Abbindezeiten der Leime realisieren. Mit der boraxfreien Klebstoffformulierung von Emdex 1480 kann mehr Nachhaltigkeit durch die Verwendung nachwachsender und unbedenklicher Rohstoffe erreicht werden.

Dr. Joachim Krakehl, Wöllner GmbH, berichtete über den Einsatz von Wasserglas in der Hülsenerzeugung. Dabei ist Wasserglas keine einheitliche chemische Verbindung, sondern es ist eine Sammelbezeichnung für glasartig erstarrte Schmelzen von Alkalisilikaten wechselnder Zusammensetzung sowie deren Lösungen. Silikatbasierte Klebstoffe zeichnen sich durch eine starke Verklebung mit hoher Steifigkeit (hohe mechanische Stabilität) und hohe chemische Stabilität aus.

Vielfalt und Spezialitäten

Jürgen Richard, Paul & Co GmbH & Co. KG, Wildflecken, gab einen detaillierten Überblick über Qualitätsparameter von Hülsen und deren Messung. Beschrieben wurden neben der Messung von Länge, Innen- und Außendurchmesser auch die Feuchtemessung, der Scheitelstauchwiderstand, Geradheitsabweichung, Rundheitsabweichung, Rauhheit und E-Modul von Hülsen.

Martina Goldschmidt, Sonoco Consumer Products GmbH, Hockenheim, berichtete im Anschluss über Kombidosen, die heute für die Verpackung von Lebensmitteln (Gebäck, Süßwaren, Snacks – z.B. Pringles), Tabakwaren und auch Pharmazieprodukte eingesetzt werden. Diese Sonderformen von Hülsen können im Spiral- oder Längswickelverfahren hergestellt werden.

Spezielle Weiterentwicklungen von Sonoco sind die Tropendose – eine Kombidose für den Einsatz in tropischen Ländern, eine aluminiumfreie Dose und auch kompostierbare Dosen.

Neue Technologien und alternative Faserstoffe

Stephan Wucherer, Repupling Technology GmbH, stellte den neuen Kavitationsstofflöser vor, der ideal geeignet ist zur Aufbereitung von schwer auflösbaren Altpapieren, wie zum Beispiel nassfeste Sorten: Verbundmaterialien (Getränkekartons, Lebensmittelverpackungen, …), stark kleberhaltige Altpapiere (Labelstock, Kleberücken, …), Hülsen und viele andere Sorten, die heutzutage noch nicht nutzbar sind.

Dr. Jukka Valkama von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Gernsbach berichtete über neue Fasermaterialen aus verschiedenen nicht verholzten Jahrespflanzen und deren Einsatzmöglichkeiten in der Papierindustrie, sowie über das neue Papier-Herstellungsverfahren der Schaumformung. Im dritten Teil des Vortrages stellte er das Plafco-Projekt vor. Aus
Papier wird dabei durch Anlösen von Zellulose ein Faserverbund mit hohen Festigkeitseigenschaften und hoher Steifigkeit hergestellt.

Mehr über die Fachtagung lesen Sie im Wochenblatt für Papierfabrikation.


Mehr als ein Viertel der in Deutschland
produzierten Hülsen wird exportiert.