Archiv Papiertechnik

Forschung für die Papierzukunft

Ein Papiertechnikum für 75 Millionen Euro mit der schnellsten Papiermaschine der Welt und der Fähigkeit, auch kontinuierliche Produktion zu fahren, ist eine wohl einzigartige Anlage. Ihre Einweihung war ein besonderes Ereignis.

HLD

Zusammen mit rund 700 internationalen Gästen weihte Voith am 11. Mai 2006 das neue Paper Technology Center, kurz PTC, in Heidenheim ein. Die Ehrengäste, vor allem der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, unterstrichen die Bedeutung dieser Einrichtung.

Die internationale Fachpresse wurde in einer Pressekonferenz am 9. Mai vom Vorstandsmitglied und Vorsitzenden der Geschäftsleitung Voith Paper, Dr. Hans-Peter Sollinger, über die beeindruckende Geschäftsentwicklung der Papiersparte bei Voith informiert. So trägt Voith Paper überproportional bei zu der stetigen Aufwärtsentwicklung bei Voith mit einem durchschnittlichen Wachstum von neun Prozent pro Jahr. Heute beträgt der Geschäftsumfang von Voith Paper fast die Hälfte des Gesamtunternehmens. Allein dieser Bereich hat heute einen solchen Umfang wie ganz Voith vor zehn Jahren. Mit dieser dominierenden Stellung im Konzern, der weltweiten Marktführerschaft und dem Anspruch, durch dauernde Innovation an der Spitze zu bleiben, war es logisch, ein solches Technikum zu errichten.

Bei der Kundentagung Graphische Papiere im Kongresszentrum in Ulm am Vortag mit rund 550 Gästen aus allen Teilen der Welt informierten die Voith-Referenten unter dem Generalthema „Life Cycle Partnership“ über jüngere Projekte. In den Teilthemen Wachsen – Verbessern – Ersetzen – Bestehen wurden vor allem Beispiele jüngster Neu- und Umbauten bei graphischen Papiermaschinen unter Berücksichtigung der Kundenerfahrungen dargestellt. Bei Voith ist man der Meinung, dass bei der Papiererzeugung noch ein erhebliches Kostenminderungspotenzial besteht, das durch Neubauten, Ersatz alter Anlagen und Umbauten genutzt werden kann. Einen wesentlichen Beitrag soll dazu das PTC leisten.

Mit einem Gesamt-Investitionsvolumen von 75 Millionen Euro entstand auf dem Voith Betriebsgelände in Heidenheim in nur eineinhalb Jahren das Papierforschungszentrum, welches die Forschungsbereiche „Faserstofftechnologie“ und „Prozess der Papierherstellung“ auf bisher einmalige Weise kombiniert. Im neuen Forschungszentrum ist es erstmals möglich, den kompletten Papierherstellungsprozess unter realen Bedingungen vorab zu testen und zu optimieren – vom Rohstoff über die Maschinenkonfiguration, die Automation und die Bespannungen bis hin zum Endprodukt.

Das Herzstück des PTC in Heidenheim ist die 75 Meter lange bis zu 3000 m/min (180 km/h) schnelle Versuchspapiermaschine VPM 6. Ausgestattet mit der neuesten Version des TQv Formers, der TandemNipcoFlex und dem HiDryer, ist sie auf Rekordleistungen getrimmt. Die Maschine entspricht, bis auf die Länge der Trockenpartie, im Aufbau exakt einer Produktionsmaschine. Ihre Breite beträgt im Gegensatz zu den heute bis elf Meter breiten Produktionsmaschinen zwar nur einen Meter, was aber auf die technologische Aussagekraft keinen Einfluss hat. Das fertige Papier kann im Finishing Technology Center (FTC) von Voith in Krefeld in einem neuen Versuchskalander nach allen Verfahren weiter ausgerüstet werden.

Ideen entwickeln, testen und realisieren
Der modulare Aufbau der VPM 6 ermöglicht die Erprobung und den Vergleich komplett unterschiedlicher oder völlig neuer Produktionskonzepte. „Wir können fast unendlich viele Prozessvarianten von der Faserstoffaufbereitung bis zur Druckrolle realitätsnah vorführen…Die Modularität der Versuchsmaschine reduziert die hierzu notwendige Zeit gegenüber früher etwa auf ein Zehntel“, sagt Ulrich Begemann, Geschäftsführer der Voith Paper Technology Center GmbH. Gelagert werden die einzelnen „Bausteine“ der VPM 6 im so genannten Modulbahnhof. Ganze Maschinenteile können aus der Anordnung gehoben und ausgetauscht werden. Die neue VPM 6 ist mit einer Fiberdesignanlage ausgestattet, die es ermöglicht, den Rohstoff gezielt an die Anforderungen des späteren Papiers anzupassen. Geleitet wird der Versuchsbetrieb von Papiermachern, Automatisierungsexperten und Papieringenieuren, insgesamt rund 140 Spezialisten. Gemeinsam mit Kunden können Ideen entwickelt, getestet und realisiert werden. Die Erkenntnisse bilden die Grundlage für Umbauten oder neue Papiermaschinen.

Damit ist der Auftrag an das Forschungszentrum in seinem futuristisch anmutenden Neubau in Heidenheim klar: Förderung von Profitabilität und Produktivität der Papierindustrie weltweit durch Innovationen und Prozessoptimierung. Architektonisch besteht das PTC aus drei Gebäudebereichen: der eigentlichen Papiermaschinenhalle mit einer Länge von 115 m, einer Maximalbreite von 42 m und einer Höhe von bis zu 28 m, der Stoffaufbereitung und einem Bürotrakt.