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Entstipper …

Schema – Stoffaufbereitung von Zellstoff

… befinden sich hauptsächlich in der Stoffaufbereitung von Zellstoff.

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Das Aggregat Entstipper bezieht seinen Namen aus dem Begriff Stippe und dem ablaufenden Prozess im Aggregat, also dem, was mit der Stippe passiert. Eine Stippe ist einfach ausgedrückt ein Faserbündel bzw. -knoten von mehreren Einzelfasern, die trotz des intensiven Auflöseprozesses im Stofflöser (Pulper) immer noch zusammenhängen und nicht vereinzelt wurden. In der Suspension nach dem Pulper kann man einen Reststippengehalt von bis zu 30 Prozent feststellen. Der Papiertechnologe benötigt allerdings, um ein gleichmäßiges Blatt zu erzeugen, einen homogenen Stoff, also eine Suspension aus Faserstoff und viel Wasser. In dieser sollen sich so viele Einzelfasern wie möglich und keine Faserbündel bewegen. Genau dafür kommt der Entstipper ins Spiel, denn er übernimmt die Aufgabe des mechanischen Vereinzelns der Fasern. So ist auch die Position des Entstippers direkt nach der Auflösung inklusive der ersten Dickstoffreinigung leicht nachvollziehbar, denn nur so kann der Stoff weiter gereinigt und die vielen Fasern optimal bearbeitet werden.

Die Frage, warum dieser Prozess nicht schon im Stofflöser vollendet wird, ist berechtigt. Die Antwort lautet: aus wirtschaftlichen Gründen. Die Fortsetzung der intensiveren Vereinzelung mit dem Entstipper läuft unter energetisch viel günstigeren Bedingungen ab als bei einem längeren Durchlauf im Pulper. Der Entstipper besteht in der Grundform aus einem Gehäuse mit Rotor und Stator. Die jeweilige passende Garnitur kann als Lochscheiben oder Zahnscheiben ausgebildet sein. Diese arbeiten mit fest einstellbaren Spaltabständen zwischen Rotor und Stator von 0,5 bis 2,0 mm.

Der Prozess – ganz einfach erklärt – bedeutet, die Suspension mit einer Stoffdichte von ca. 3 bis 6 Prozent muss durch einen Spalt gelangen. Sie wird in das Zentrum der Scheiben gepumpt und muss sich dann radial durch die Scheiben bzw. Scheibenelemente nach außen bewegen. Dort geht sie dann als entstippter Faserstoff durch eine im Gehäuseumfang integrierte Austrittsöffnung weiter zum nächsten Aggregat.

Wie sieht so eine Garnitur aus? Bei einem Zahnscheiben-Entstipper stehen auf dem Stator und Rotor meistens drei konzentrische Ringe hervor. Jeder Ring ist mit Zähnen und Lücken dazwischen ausgestattet, allerdings hat der innere Ring größere offene Stellen oder anders ausgedrückt größere Zahnlücken gegenüber dem nächsten und dem äußeren Ring. Also die Anzahl der Zähne nimmt von innen nach außen zu und die Lücken ab. Kommt nun das Stoffwassergemisch mittig in den Entstipper, wird es durch die ineinander greifende Rotor- und Statorringe in mehrere Teilströme zerlegt. Durch die Bewegung des Rotors im stehenden Stator öffnen und schließen die Zähne im Wechsel die offenen Bereiche in den Ringen.

Das Fasermaterial muss durch die immer wieder kurz geöffneten Lücken gelangen, und somit wird die Suspension immer wechselseitig beschleunigt (Lücke ist frei) und abgebremst (Lücke ist zu). Speziell der Durchgang an den Zahnkanten, die so genannte Prallbeanspruchung und die starke innere Reibung an den engen Stellen sind verantwortlich für das Aufbrechen vorhandener Faser-Faser-Bindungen und dies ohne die Struktur der einzelnen Faser zu verändern.

Diese spezifische Faservereinzelung wird deshalb auch oft in der innerbetrieblichen Ausschussaufbereitung eingesetzt, um das fast fertige Papier wieder in eine brauchbare Suspension mit vielen Einzelfasern umzugestalten.