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Die Bespannung … Teil 2

… in der Siebpartie übernimmt die wichtigen Aufgaben der Formierung, der Entwässerung und des Transports des Faserstoffes.

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Jetzt kommt die frische Papierbahn in die Pressenpartie. Hier warten schon die Presswalzen darauf, endlich richtig viel Wasser herauszupressen und für diesen fortlaufenden Prozess ist die
Bespannung – die Nassfilze – unentbehrlich.

Die grundlegenden Aufgaben eines Nassfilzes sind somit klar ersichtlich. Es muss erstens das noch relativ feuchte Material vom Sieb übernehmen und zweitens zu den Presswalzen transportieren. Nur so kann die Hauptaufgabe der Pressenpartie, den Wassergehalt der Papierbahn effektiv, aber schonend zu reduzieren, in Angriff genommen und erfüllt werden. Wie bei einem vorangegangenen Artikel einfach erklärt, erfolgt dies beim Durchlauf der Bahn. Dabei trifft die Papierbahn auf beziehungsweise am so genannten Walzennip auf die Presswalzen. Am Ende der Pressenpartie enthält das Papier noch etwa 45 – 50 % Wasser.

Jetzt lassen sich auch die weiteren Aufgaben des Nassfilzes ableiten. Es muss drittens stabil gebaut sein, um den ständigen Durchlauf durch die Walzen unbeschädigt zu überstehen und viertens – ganz wichtig – es muss das
herausgepresste Wasser kontinuierlich schnell aufnehmen sowie anschließend auch schnell wieder abgeben.

Das sind alles anspruchsvolle Herausforderungen an die Bespannung der Pressenpartie und sie gehen noch weiter. Von Walzenpaar zu Walzenpaar wird die Menge der Wasserentfernung geringer, aber dafür wird die aufgebrachte sowie notwendige Belastung intensiver. Somit werden in der Pressenpartie mehrere speziell auf den
jeweiligen Einsatzbereich definierte
Filze verwendet.

Eines haben alle Filze gemeinsam: nämlich den Grundaufbau. Ein grobmaschiges Grundgewebe aus stabilen, aber biegsamen Kunststofffäden bildet das Basisgeflecht. Die Fäden sind aus Polyamid und weisen eine Stärke von 0,2 – 0,4 mm auf. Sie werden entweder als Einzelfaden oder gezwirnter Faden analog dem Nasssieb zu einem Grundgewebe gewoben. Darauf kommt anschließend ein feines synthetisches Vlies. Gemeinsam durchläuft dieses Paket eine so genannte Nadelmaschine, in der die Verbundmaterialien zusammen „genadelt“ werden. Das Herzstück dieser Maschine ist der Nadelbalken mit einer Vielzahl von festen sowie robusten Nadeln über die gesamte Arbeitsbreite. Die schnellen sowie intensiven Hubbewegungen des Balkens ergeben in der Summe eine hohe Anzahl von Einstichen, welche das Faservlies fest mit dem Grundgewebe verankern und gleichzeitig damit verbinden. Hierdurch kann auch eine gleichmäßige und genau bestimmbare Verdichtung erzeugt werden.

Pro Seite können mehrere und verschiedene Vliese aufgebracht werden. Die Papierseite bekommt dabei immer das Vlies mit den feinsten Fasern. Das Porenvolumen nimmt von der Papierseite zur Unterseite zu. Klassisch gesehen entspricht dies einem schichtförmigen Aufbau, bei dem die steigende Porosität, also mehrere offene Bereiche im Filz, von der Papierseite zur Laufseite zunehmen. Dadurch kann das aufgenommene Wasser schnell vom frischen Papier weggeführt werden und auch ablaufen. Die Fachleute sprechen auch vom Prinzip des umgekehrten Trichters, denn viel will in einer sehr kurzen Zeit weg und so muss die Öffnung geweitet werden.

Die Filzoberfläche, die das Papier aufnimmt und trägt, hat ebenso eine
entscheidende Bedeutung für die Anfangsbenetzbarkeit, den Moment der Wasseraufnahme und somit der beginnenden Entwässerung. Diese Seite soll auch resistent gegen Verschmutzung sowie auftretende Verklebung mit Harzbestandteilen oder Kleberückständen speziell aus dem Altpapierstoff sein. Ist dies nicht der Fall, setzen sich die Poren örtlich sehr, sehr schnell zu und die Leistungsfähigkeit des Filzes nimmt rapide ab.

Die Filzqualität muss exakt auf die Papierqualität und vor allem auf den jeweiligen Einsatzort in der Pressenpartie abgestimmt sein.

Beim Laufen der Filze in der Maschine ist immer auf ein gutes Laufverhalten zu achten, sprich dass die passende Spannung eingestellt ist. Ganz wichtig ist auch die Feuchtigkeit im Filz. Durch das ständige Durchlaufen der Walzenspalte sowie Berühren der Walzenoberfläche entsteht Reibung und ohne Wasser würde sich Wärme entwickeln, die im schlimmsten Fall dafür sorgt, dass sich die Kunststofffäden des Filzes verschmelzen. Für die ständige Feuchtigkeit sorgen die Spritzrohre in der Pressenpartie.

Filze sind erst recht Verschleißteile, denn sie sind schneller verbraucht als ein Nasssieb aus der Siebpartie. Die intensive Beanspruchung im Walzennip und das teilweise rasche Zusetzen mit Füll- und Feinstoffen sowie Verschmutzungen verringern die Leistungsfähigkeit und somit die Lebensdauer der
Filze beträchtlich.

Filze sind insgesamt ein Hightech-Produkt auf bewährter Basis, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.


Aufbau eines Nassfilzes.