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Die Bespannung …

… einer Papier- bzw. Kartonmaschine unterteilt sich in die Siebe der Siebpartie, die Nassfilze der Pressenpartie sowie die Trockensiebe der Trockenpartie. Sie alle zusammen haben wichtige Aufgaben im Prozess der Papiererzeugung zu erfüllen und nehmen dabei auch entscheidenden Einfluss auf die Qualität.

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Experten sagen sogar, Bespannungen sind das Herz jeder Papier- und Kartonmaschine. Sie haben nicht ganz unrecht, denn die zum Einsatz kommenden Bespannungsmaterialien sind die Basis für das Formieren, das Entwässern, das Transportieren sowie letztendlich das Führen und Anpressen. Oder anders ausgedrückt, ohne Bespannungen würde in der Maschine nichts passieren – also es entstünde kein festes Papier aus der wässrigen Faserstoffsuspension.

Aber der Reihe nach und wir beginnen vorn in der Siebpartie und da natürlich mit dem Sieb. Die Aufgaben eines Siebes sind klar definiert. Das Sieb muss den Strahl Faserstoffsuspension, kommend aus dem Stoffauflauf, aufnehmen. Jetzt beginnt sofort einerseits das Ablegen der einzelnen Fasern und andererseits das Durchlassen einer großen Menge von Wasser. Das Fasermaterial plus Zusatzstoffe muss sich formieren können und dabei gleichzeitig entwässert werden. Bekanntlich sind dafür eine gewisse Entwässerungszeit beziehungsweise ein Entwässerungsweg notwendig und dadurch muss das Sieb auch den Transport der Faserstoffmasse bei gleichzeitiger Filtration gewährleisten. Und das muss bei den unterschiedlichen Geschwindigkeiten passieren, denn es gibt Papierqualitäten, die laufen bei einer Geschwindigkeit von unter 100 Meter pro Minute und andere bei bis zu teilweise 2000 Meter pro Minute und mehr.

Die dafür eingesetzten Kunststoffsiebe erfüllen diese Anforderungen durch ihren Aufbau und die Beschaffenheit ihrer Oberflächen sehr gut. Wir unterscheiden bei einem Sieb zwischen einer Papierseite (Oberseite) sowie einer Laufseite beziehungsweise Keramikseite (Unterseite). Dabei ist es nachvollziehbar, dass die Papierseite, auf der sich das Fasermaterial ablegen soll, geschlossener ist als die Laufseite, die schnell das Wasser passieren lassen soll. Außerdem muss die Laufseite sehr strapazierfähig sein, denn bei jedem Umlauf streift das unter Spannung stehende Sieb über zahlreiche Oberflächen von Entwässerungsleisten, Saugern und Walzen.

Das moderne Sieb einer Papiermaschine ist allgemein gesehen ein Gewebe aus Kunststofffäden. Es ist fast vergleichbar mit dem allseits bekannten Fliegennetz für Fenster und Balkontüren, natürlich nur feiner, stärker und stabiler. Die im Sieb verarbeiteten Fäden bestehen in der Regel aus Polyester und auch Polyamid. Diese Kunststoffe sind elastisch, besonders reiß- sowie scheuerfest und nehmen kaum Feuchtigkeit auf. Also sind das optimale Voraussetzungen für eine hohe Flächenstabilität, geringe Dehnung des Siebgewebes und, entscheidend für den Papiermacher, auch eine lange Laufzeit der Siebe in der Papiermaschine.

Die Siebe werden auf großen hochmodernen Webanlagen hergestellt, welche klassisch nach dem Prinzip eines Webstuhls arbeiten. In der Webanlage sind Fäden in Laufrichtung fest eingespannt, die so genannten Kettfäden. Durch diese unter gleichbleibender Fadenspannung stehende Konstruktion werden nun Siebfäden quer zur Laufrichtung hin und her „geschossen“. Deshalb haben diese auch den Namen Schussfäden. Das feine Siebgewebe wird unter exakt einzuhaltenden Klimabedingungen gewoben und anschließend fixiert sowie dimensionsstabil gemacht.

Noch ist das Sieb nicht fertig. Das gewobene Siebge- flecht, der Fachmann spricht auch von einem Siebtuch, muss noch Masche für Masche zu einem endlosen Sieb genahtet werden. Das erfolgte früher in vielen Stunden von Hand. Heute erzeugen hochwertige Nahtmaschinen diese gleichmäßigen und konstanten Nähte. Dieser ebenso wichtige Prozess entscheidet sehr über die Stabilität und Lebensdauer eines Siebes.

Das fertige Sieb weist je nach Anforderungsprofil offene Maschenweiten zwischen circa 0,1 bis etwa 0,2 mm auf. Im Sieb selbst sind Fäden unterschiedlicher Stärke und Materialien verarbeitet, um ein sehr feines, spezifisches Gewebe zu erzielen. In der Regel werden für die Unterseite dickere abriebfeste Fäden verwendet und die Oberseite wird möglichst fein gehalten. Dies bedeutet einerseits mehr Offenheit für den Abtransport des Wassers und andererseits mehr Geschlossenheit für die Blattbildung (Formation), was allerdings auch hinderlich für die Entwässerungsleistung ist.

Jedes fertige Sieb ist eine Maßanfertigung und kann, angepasst an die zu erzeugende Papierqualität, aus mehreren Lagen bestehen. Sehr oft kommen doppellagige oder dreilagige Siebe zum Einsatz, die ein relativ dichtes Gewebe aufweisen und somit ideal geeignet sind für eine Vielzahl von Papierqualitäten auch bei hohen Geschwindigkeiten der Papiermaschinen.

Siebe sind Verschleißteile, die nur eine begrenzte sowie im Prozess abzusehende Lebensdauer haben und dann relativ zügig ausgetauscht werden. Also sind immer Siebe passend für die Maschine im Lager vorrätig.

Jedes Sieb ist eine Maßanfertigung