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Die Auflösetrommel …

… steht ebenso wie der Pulper an erster Stelle der Stoffaufbereitung und hat die Aufgabe Altpapier in großen Mengen zu zerfasern.

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Dieses Aggregat wird typisch in modernen Papierfabriken eingesetzt, die auf großen Papiermaschinen die so genannten Massenpapiere aus Sekundärfasern produzieren. Massenpapiere sind graphische Papiere, wie zum Beispiel Zeitungsdruck- und Magazinpapiere sowie die bekannten Wellpappenrohpapiere Testliner und Wellenstoff. Bei der Wellpappenerzeugung wird Testliner als Deckenpapier verarbeitet und Wellenstoff, wie der Name es schon verrät, für die Welle. Die leistungsstarken Maschinen kennzeichnen eine enorme Arbeitsbreite bis über 10 m sowie eine hohe Geschwindigkeit von bis zu 2000 Meter pro Minute und verlangen dadurch eine Menge aufbereiteten Faserstoff für die laufende Produktion.

So ist die Stoffaufbereitung natürlich gefordert konstant eine entsprechende hohe Menge an Faserstoffsuspension herzustellen und für die Maschinen zu bevorraten. Die horizontal angeordnete Auflösetrommel ist mit ihrer Dimension, Länge bis zu 40 Metern und Durchmesser bis zu vier Metern, prädestiniert für die erste Prozessstufe, das Lösen von Sekundärfasermaterial.

Insgesamt betrachtet arbeitet die Trommel zweistufig, denn circa zwei Drittel der Gesamtlänge gehören der Auflöse- bzw. Zerfaserungszone. In dieser ersten Stufe wird das vorgelockerte lose Altpapier in der langsam laufenden Trommel durch sanfte Prall- und Walkarbeit zerlegt. Der Prozess läuft unter Zufuhr von Wasser bei Stoffdichten um die 15 bis 20 Prozent ab. Der Antrieb erfolgt von außen über spezielle Reifen oder durch Zahnräder am Umfang und die Geschwindigkeit erreicht dabei Werte von circa 15 Umdrehungen pro Minute. Durch diese langsame kontinuierliche Rotation wird dem Faserstoff die Zerfaserungsenergie zugeführt. In der Innenwand der Trommel sind Mitnahmeleisten montiert, welche den nun feuchten Stoff bis zum Scheitelpunkt mitführen. Ist der Scheitelpunkt erreicht, fällt durch die Drehbewegung das durchnässte Altpapier circa drei Meter tief auf die harte Innenfläche der Trommel. Salopp ausgedrückt wie ein Kuhfladen. Der Fall endet beim Aufprall abrupt und die Faserbestandteile werden unterschiedlich gerichtet verteilt und dadurch verformt, zusammengedrückt und vereinzelt.

Um einen hohen Anteil an Einzelfasern zu erhalten, muss sich dieser Vorgang öfters wiederholen. Also hängt der Grad der Auflösung des Altpapiers von dessen Durchlaufzeit durch die Trommel ab. Diese so genannte Verweilzeit kann bis zu 20 Minuten betragen und hängt ab von der Länge und Neigung der Trommel.

Im letzten Drittel der Trommel folgt die zweite Prozessstufe, indem sich der Stoff in die anschließende Sortierzone bewegt. Für ein wirksames Ergebnis der Sortierung muss erstmal mit erneuter Zugabe von Wasser die Stoffdichte auf etwa drei bis vier Prozent verdünnt werden. Nun gelangt einerseits der gute, gelöste Faserstoff als pumpfähige Suspension durch die circa 6 bis 10 mm großen Sieblöcher der Trommel und andererseits werden wirkungsvoll gröbere und vor allem flächige Verunreinigungen zurückgehalten. Dieser gut gewaschene, fast faserfreie und gering zerstörte Schmutzstoff wird am anderen Ende der Trommel seitlich ausgetragen. Schon kommt ein weiterer Vorteil zum Tragen, denn das Reject, fachmännischer Ausdruck für Schmutzstoff, wird nun einer nicht mehr so aufwendigen Endsortierung zugeführt.

Die Auflösetrommel eignet sich sehr gut für die Aufbereitung von graphischem Altpapier, welches mit dem Deinkingverfahren aufbereitet wird. Die zur Entfernung der Druckfarben benötigten Prozesschemikalien kommen schon in der jeweils richtigen Dosierung zusammen mit dem Altpapier und Wasser in die Trommel. Hier wirken die mechanischen Kräfte für ein gleichmäßiges Ver- beziehungsweise Einmischen der Chemikalien in den feuchten Altpapierstoff.

Neben den positiven Aspekten der Auflösetrommel darf ein gut nachvollziehbarer Nachteil nicht verschwiegen werden, nämlich der immense Platzbedarf, der auch eine Nachrüstung speziell in einer bestehenden Stoffaufbereitung meist verhindert.

In der Papierindustrie arbeiten zwei Bauformen von diesen Trommeln erfolgreich. Einerseits können die Auflösezone und die Sortierzone eine einheitliche Trommel bilden oder andererseits als zwei getrennt arbeitende Aggregate aufgestellt sein. Dabei wird beim Übergang von der einen in die andere Trommel der Verdünnungsprozess, also die Zugabe von Wasser, gesteuert.