Archiv Papiertechnik

Der Rückstoff …

… umfasst alle innerbetrieblich anfallenden Ausschussmengen im Produktionsprozess der Papier- und Kartonerzeugung.

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Der Rückstoff – auch interner Ausschuss genannt – ist ein wichtiger Bestandteil im Stoffgemisch und wird als weitere Komponente neben den Faser- und Hilfsstoffanteilen in der Stoffzentrale kontinuierlich zugegeben.

Selbst im Mittelalter wurden bei der Papierproduktion anfallende Abfälle für die neue Produktion von meist dann minderwertigeren handgeschöpften Papieren eingesetzt. Der damalige Orginalrohstoff Lumpen wurde nach Farbe, Zustand, Qualität sortiert und ergab deshalb viel homogenere Qualitäten, als ein Papier mit Abfallanteilen.

Wieder zu Faserstoff aufbereitet
Der innerbetriebliche Ausschuss sammelt sich durch verschiedene Prozesse und Gegebenheiten innerhalb der Papier- und Kartonerzeugung an. Das sind einerseits kontinuierlich der abgetrennte Randbeschnitt der laufenden Produktion und andererseits unregelmäßig die Stoffanteile beim Anfahrprozess der Maschine nach einem Stillstand beziehungsweise nach einem Abriss der Papierbahn. Das anfallende nicht verwertbare Material beim Sortenwechsel sowie bei einer fehlerhaften Papiererzeugung kommt ebenfalls dazu. Das bedeutet, diese Mengen werden in der Ausschussstrecke an den einzelnen Stellen aufgenommen und wieder zu einem Faserstoff aufbereitet. Stoffpumpen fördern das nun wieder gute Stoffgemisch in die passend dafür benannte Ausschussbütte. Dies dient der Bevorratung zur geregelten Weitergabe in die Stoffzentrale.

Die wichtigsten Prozesse der Ausschussaufbereitung sind das Auflösen in einen pumpfähigen Zustand, das Reinigen, das Bevorraten in einer Bütte, optional das Entstippen und/oder Mahlen und das Dosieren sowie Zuführen in die Mischbütte. Die einzelnen Prozessschritte und deren Intensität hängen stark von der zu erzeugenden Papiersorte ab. Die Anlagen dazu sind aus der Stoffaufbereitung bekannt, denn es kommen je nach Papierqualität Stofflöser, Drucksortierer, Entstipper oder sogar Refiner zum Einsatz

Das Papiermachen ist ein fortlaufender Prozess und somit fällt ständig auch Ausschuss an – mal mehr oder weniger, kontrollierbar (Randbeschnitt) oder unkontrollierbar (Abriss). Also muss die Technologie vom Stofflöser bis hin zur Ausschussbütte so ausgelegt sein, dass alle Bedingungen beherrschbar sind. Der Ausschuss, kommend von der Papier- beziehungsweise Kartonmaschine, wird von Stofflösern unter der Maschine, den so genannten Ausschusspulpern, aufgefangen.

Diese Anlagen sind ein fester Bestandteil einer jeden Maschine und stehen im Keller. Ein Stofflöser ist unter dem Übergang von der Siebpartie zur Pressenpartie installiert. Ein weiterer steht am Ende unter dem Übergang vom Auslauf der Trockenpartie zum Glättwerk beziehungsweise zur Aufrollung.

Ausschusspulper bewältigen große Volumen
Je nach Stoffdichte oder Feststoffgehalt muss der Ausschuss mit wenig oder viel Wasser verdünnt und gleichzeitig gelöst werden. Das Papier ist durch das verwendete Spritzwasser bereits allseitig gut benetzt und benötigt dadurch eine geringere Verweilzeit als im Pulper der Stoffaufbereitung. Also erfolgt die Zerfaserung in kürzester Zeit und das gelöste Fasergemisch wird durch das Siebblech im Pulper zu den im Prozess folgenden Reinigungs- und Bearbeitungsmaschinen abgepumpt. Auch die Form und Größe ist etwas anders. Die Ausschusspulper müssen die ganze Arbeitsbreite der Papier- und Kartonmaschine abdecken und in der Lage sein, auch große Volumen zu bewältigen. Man kann sich vorstellen, dass bei einer Papiermaschine für Zeitungsdruckpapier (ca. 50 g/m²) mit einer Arbeitsbreite von mehr als zehn Metern und einer Geschwindigkeit von knapp 2000 Metern pro Minute plötzlich beim Abriss eine sehr große Menge in den Ausschusspulper fließt, die dann bewältigt werden muss.

Hochwertiges Material
Weitere Ausschusspulper findet man unter einer Papier- und Kartonmaschine, die mit Veredelungseinheiten zum Leimen und Streichen ausgestattet ist. Denn auch hier werden im Übergangsbereich dieser Aggregate die anfallenden Ausschussmengen im Keller aufgenommen. Allerdings ist hier wichtig zu beachten, welche Stoffe zum Veredeln auf das Papier beziehungsweise den Karton aufgetragen wurden, denn diese Hilfsmaterialien, zum Beispiel Farbstoffe, können die Qualität der Stoffkomponente Rückstoff beeinflussen. Es kann durchaus sein, dass diese Anteile getrennt aufgenommen und verwertet werden.

Insgesamt besteht der Rückstoff aus hochwertigem, schon einmal aufbereitetem Stoffmaterial, welches mit geringem Aufwand dem innerbetrieblichen Stoffkreislauf zugeführt wird – ein traditionelles internes Recyclingverfahren seit dem Mittelalter.