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Der Janus-Kalander …

… arbeitet direkt in der Papiermaschine kurz vor der Aufrollung. Er setzt dabei die Qualitätsvorteile eines off-line betriebenen Superkalanders mit den wirtschaftlichen Aspekten eines on-line betriebenen Softkalanders erfolgreich um.

Dipl.-Ing. Holger BurkertBildungsakademie Papier (BIP)

Zusammengefasst aus den letzten zwei Artikeln in dieser Rubrik halten wir fest, ein Kalander kommt, angepasst an die geforderte Papier- oder Kartonqualität, als Mehrwalzenaggregat online oder offline zum Einsatz.

Ein Softkalander arbeitet als weiterentwickelter Glättkalander direkt in einer Papier- oder Kartonmaschine. Er hat mindestens zwei Walzenpaare, welche wechselseitig mit einer harten, glatten und einer weichen Walze ausgestattet sind. So eine Walzenkombination
erfüllt in Maschinengeschwindigkeit erfolgreich ihre Aufgaben. Das Ziel ist
eine Verbesserung von Glätte und
Dicke – speziell bei Karton und Streichrohpapieren – sowie von Glätte und vorgesehenen Glanzwerten – besonders bei Massendruckpapieren.

Ein Superkalander mit seinen vielen Walzen ist offline in den Ausrüstungs- und Veredelungsabteilungen einer Papierfabrik aufgestellt. Dieser Kalander ist auf hohe Drehzahlen, also für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt. Da er separat betrieben wird, besteht die Anlage aus einer Abrollung, einem Ständer zur Aufnahme des Walzenpaketes und einer Aufrollung. Das Ziel ist einerseits intensiv die Bedruckbarkeit für hochwertige Druckpapiere in Form von Glätte plus gleichmäßiger Dichte und Glanz zu verbessern. Sind die Anforderungen bezüglich der Bedruckbarkeitseigenschaften Glätte und insbesondere Glanz spezieller ausgelegt, veredelt der so genannte Janus-Kalander schonend alle ungestrichenen und gestrichenen Papiere beidseitig direkt in der Papiermaschine.

Dies erfolgt besonders bei der Erzeugung von graphischen Massenpapieren für Zeitschriften, Magazine, Prospekte und Kataloge. Als typische Beispiele finden wir hier in der Praxis die SC-Papiere (beidseitig superkalandrierte Druckpapiere) oder die LWC-Papiere (beidseitig leichtgewichtig gestrichene Druckpapiere).

Speziell das „Beidseitige“ findet sich deshalb im Namen des Janus-Kalanders wieder. Denn Janus symbolisiert die Dualität, was auch als Zweiheit, Doppelheit oder Wechselseitigkeit definiert werden kann. Der Ursprung des Namens lässt sich auf Janus den Licht- und Sonnengott zurückführen, der später allmählich zum Gott allen Ursprungs, des Anfangs und des Endes, der Ein- und Ausgänge, der Türen und der Tore wurde.

Die graphischen Papiere verlangen auf beiden Seiten auch die gleiche Qualität und der Kalander setzt dies optimal mit einem Wechselspalt um. Zwei elastische Walzen folgen in der Anordnung hintereinander, und daher erfährt die Papierbahn eine wechselseitige Änderung der Kontakte zu den Walzenoberflächen.

Die Besonderheiten dieser Kalanderkonstruktion beziehungsweise -auslegung liegen somit in der Walzenauswahl bei den mit Kunststoff bezogenen Ober- und Unterwalzen. Teilweise sind einige davon als Profilkorrekturwalzen ausgelegt. Sie korrigieren in schmalen Zonen das Dickenprofil der Papierbahn bezogen auf die gesamte Arbeitsbreite. Auch gehören direkt beheizte Heizwalzen dazu, deren hochabriebfeste, schaberfeste Oberflächenbeschichtung sehr niedrige Rauheitsparameter aufweisen. Diese sind für die hohe Markierungs-unempfindlichkeit und große Verschleißfestigkeit verantwortlich. Die sehr glatten Kunststoffbezüge speziell der Mittelwalzen halten dabei hohen thermischen und mechanischen Belastungen stand.

Mit solch einem Walzenpaket im Kalander werden auch beachtliche Arbeitsbreiten und hohe Geschwindigkeitsbereiche abgedeckt. Ein Januskalander kann online in einer Papiermaschine für SC- oder LWC-Papiere bis zu 2000 Meter pro Minute erreichen.

Die Firma Voith hat dem Janus-Kalander ein besonderes Gesicht gegeben. Die Walzen sind nicht übereinander, sondern diagonal im 45 Grad Winkel angeordnet und fügen sich somit besser in den Produktionsfluss der Papiermaschine ein. Natürlich fällt seine Optik ins Blickfeld, aber ausschlaggebend für die Anordnung waren Gründe der Runability, der Einstellungsoptionen sowie der Zugänglichkeit zu den Walzen.

Eine weitere Besonderheit gibt es bei den Einstellungen, denn der Janus-Kalander der aktuellen Generation erlaubt die Möglichkeit differenzierter Nipeinstellungen je nach zu erzeugender Papierqualität.

Bei extrem zweiseitigem Papier sind besonders unterschiedliche Einstellungen der geschlossenen Nips möglich, das heißt, die Ober- und Unterseite der Papierbahn kann unterschiedlich belastet werden. Auch beim Janus-Kalander entscheidet letztendlich die Bahnführung über die Oberflächenqualität von matt über semi-matt bis zu glänzend.

Durch diese direkte Veredlung der Papieroberfläche in der Papiermaschine kann im Gegensatz zur offline-Veredelung die volle Arbeitsbreite und Geschwindigkeit der Papiermaschine ausgenutzt werden. Natürlich entfällt dadurch auch der zeitliche Mehraufwand durch Transport, Ab- und Aufrollung sowie Betrieb des offline-Kalanders.


Ein Janus-Kalander bei Leipa in Schwedt.