Archiv Papiertechnik

Der Holländer …

… übernahm im späten 17. Jahrhundert als erstes „Zerkleinerungsaggregat“ immer mehr und mehr die Aufbereitung des Rohstoffes für die aufstrebende Papiererzeugung.

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Ursprünglich fand die Zerkleinerung der Hadern von Hand statt. Anschließend wurden dann die Fasern mit einem von Wasserkraft angetriebenen mechanischen Stampfwerk aufbereitet. Um das Jahr 1670 übernahm der Holländer an Stelle der früheren Stampfwerke nach und nach diese Arbeit.

Das neue Mahlgerät arbeitete schneller und leistete auch mengenmäßig mehr als das Stampfwerk. In vielen Papiermühlen arbeiteten damals das bewährte Stampfwerk und das neue Aggregat, der Holländer, parallel. Das Stampfwerk produzierte den groben Faserstoff und der Holländer, bestückt mit einer feineren Messerwalze, erledigte fortführend die feinere Bearbeitung. Die ersten Holländer hatten einen Trog aus Holz; noch im 18. Jahrhundert kamen die ersten Steintröge zum Einsatz.

Warum das Aggregat überhaupt so heißt, ist relativ einfach zu erklären. Wie sehr oft in der Geschichte bezieht sich der Name auf die Person bzw. die Herkunft der Erfindung. In Holland wurde das für die damalige Zeit typische Fasermaterial mit einer Zylindermahlmaschine, eben dem Holländer, aufgeschlossen. Der Hauptrohstoff für die Papiererzeugung waren damals ausschließlich Hadern, ein anderes Wort für Lumpen. Diese Lumpen wurden in Papiermühlen manuell nach Faserart, Farbe sowie Qualität sortiert und von Fremdstoffen befreit. Dann schnitt man sie in grobe Fetzen, die etwa einen Monat in einem Wasserbottich bis zur beginnenden Faulung gelagert wurden. Die so entstandenen feinen Lumpen-Fasern wurden erneut gereinigt und später in einem sogenannten Holländer zu einer breiartigen Masse zermahlen.

Der Holländer besteht aus einem Trog, der als Rundlauf ausgebildet ist, und dem Herzstück, einer rotierenden Messerwalze – ähnlich dem Schaufelrad eines Raddampfers. Durch die Bewegungen einerseits der Messerwalze und andererseits des Materials im Rundlauf wurden die Fasern mechanisch bearbeitet.

Der erste Holländer war als eine Zerreißmaschine von Lumpen mit einer großen Messerwalze, die über ein Wasserrad angetrieben wurde, konstruiert. Die nassen Lumpen zirkulierten durch eine ovale Wanne und durch die Bewegung der Walze wurde der „Lumpen-Faserbrei“ gegen eine am Boden der Wanne angebrachte Gegenplatte, das so genannte Grundwerk, gedrückt und die Fasern dabei durch die Messerteile auf der Walze zerquetscht, zerkleinert oder besser vorstellbar zerrissen. Mit der Zugabe von Wasser wurde der Reißvorgang fortgesetzt und man erhielt so einen groben Faserbrei.

Anschließend wurde diese breiartige Masse in einem Holzbottich, der Bütte, mit reichlich Wasser verdünnt und der Papiermacher begann mit dem Handschöpfen. Das Papiermachen von Hand wurde mit Beginn des 19. Jahrhunderts langsam durch den Betrieb von Schöpfwalzen abgelöst.

Mit dem fortlaufenden Einzug in die Papiermacherei erledigte der klassische Holländer nach und nach alle Grundprozesse der Stoffaufbereitung. Das bedeutet, in einem Gerät wurde das Fasermaterial eingetragen und gelöst. Anschließend erfolgte dann meist über mehrere Stunden die Mahlung und zum Abschluss konnte man bei Bedarf noch Zusätze, wie zum Beispiel Leim und Farbstoffe, zugeben. Insgesamt wurde im Holländer die fertige Fasermasse für das Papiermachen hergestellt. Heute hat der Holländer durchweg Platz gemacht für moderne Mahlaggregate. In den Papierfabriken arbeiten Refiner unterschiedlichster Bauformen und Lieferanten in den Mahlanlagen der Stoffaufbereitung. Aber der Holländer ist auch heute noch, natürlich in einer zeitgemäßen Ausstattung, im Einsatz für die Aufbereitung von speziellem Fasermaterial, wie zum Beispiel für Teebeutelpapier.