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Das Glättwerk …

… ist ein Aggregat, welches am Ende einer Papier- beziehungsweise Kartonmaschine die Aufgabe einer mechanischen und teils thermischen Oberflächenveredelung erfüllt.

Dipl.-Ing. Holger BurkertBildungsakademie Papier (BIP)

Die Glätte ist eine mechanische Struktureigenschaft und beschreibt die geschlossene, ebene Beschaffenheit der Oberfläche von Papier, Karton und Pappe. Eine theoretische Definition ist: Die Glätte einer Oberfläche ist der Grad ihrer Annäherung an eine ideale Ebene. Die gegenteilige Eigenschaft der Glätte ist die Rauigkeit.

Mit dem Anfassen und dem Fühlen – der so genannten Haptik – ist es leichter ein Gefühl und eine subjektive
Aussage über die Glätte oder die Rauigkeit des Materials zu treffen.

Erfährt das Papier innerhalb der Trockenpartie keine besondere Behandlung, wird es die Papiermaschine mit
einer mehr oder weniger rauhen Oberfläche verlassen. Betrachtet man dann die Oberfläche unter dem Mikroskop, stellt man eine mehr oder weniger deutliche Berg- und Tallandschaft fest.

Das Glättwerk muss nun diese Unebenheiten der Oberfläche ausgleichen. Diese Aufgabe erfüllen zwei übereinander angeordnete, glatt polierte Stahlwalzen.

Entsprechend der Dicke der Papier- beziehungsweise Kartonbahn wird der Abstand zwischen der oberen und unteren Walze so eingestellt, dass die Bahn beim Durchlaufen des Spaltes die sauberen, glatten Walzenoberflächen berühren muss. Der Walzenspalt zwischen den Stahlwalzen wird fachmännisch als harter Nip bezeichnet. Damit ist die direkte Berührungsfläche der oberen mit der unteren Walze im Prozess gemeint. Hier wirken nun das
Eigengewicht der oberen Walze plus dem zusätzlichen Druck, der über die obere Walze auf die Papierbahn aufgetragen wird. Dieser Prozessablauf gleicht – einfach gesehen – dem beim Bügeln. Das Bügeleisen hat auch eine saubere, glatte Oberfläche und muss ebenso mit etwas Druck gleichmäßig über das Kleidungsstück bewegt werden.

Maschinenglattes Papier

Beim Glätten mit einem Glättwerk werden eine Kalibrierung der Papierbahn sowie eine Einebnung von Dickenunterschieden erzielt. Folglich kommt es zu einer Verdichtung des Fasergefüges bei der Vergleichmäßigung der Oberfläche. Für eine effektive Behandlung der Bestandteile im Fasergefüge an der Oberfläche können die Walzen beheizt werden. Auch hier gibt es den Zusammenhang zum Bügeleisen, denn mit
einer warmen Fläche des Bügeleisens geht’s einfach leichter und die Falten sind aus dem Kleidungsstück gebügelt.

Da im klassischen Glättwerk zwei Stahlwalzen miteinander arbeiten, ist das
Ergebnis meist eine beidseitig glatte Bahn. Der Papierfachmann spricht dann von dem so genannten maschinenglatten Papier. Diese glatte Papieroberfläche ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere Behandlung der Papierbahn, so zum Beispiel für den Prozess des Streichens von Papier oder Karton. In vielen Papier- und Kartonmaschinen sind heute Glättwerke mit elastischen Walzenspalten im Einsatz. Das bedeutet eine Walze ist gummiert und hat somit eine weichere Kontaktfläche. Fachmännisch gesehen bewegen wir uns nun im Bereich der so genannten Kalander. Das wird dann in der nächsten Ausgabe im Einzelnen erklärt.


Die Position des Glättwerks im Endteil einer Papiermaschine. Abb.: Voith