Archiv Papiertechnik

Das Deculatorsystem …

… übernimmt im konstanten Teil vorrangig von schnell laufenden und breiten Papiermaschinen das Entlüften des Stoffwassergemisches.

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Die Papiermaschine fordert fortlaufend eine große Menge fertiges Stoffwassergemisch ohne Luftanteile. Diese große Menge muss entlüftet werden und die Entfernung der Luft erfolgt mit einer separaten Entlüftungsanlage, dem so genannten Deculator. Der englische Begriff hat sich in der Papierfachsprache fest etabliert und bedeutet einfach übersetzt auch Entlüfter.

So eine Anlage befindet sich zwischen den Cleanerstufen und der Stoffauflaufpumpe und ist in den Prozessabläufen im Konstanten Teil voll integriert und deshalb spricht man von einem Deculatorsystem.

Der Hauptteil, der so genannte Deculator, ist ein kesselähnlicher großer, länglicher Behälter und befindet sich in der Papiermaschinenhalle im Bereich Stoffauflauf beziehungsweise Siebpartie relativ weit oben beziehungsweise kurz unter dem Hallendach. Auf der einen Seite sorgen mehrere Einführstutzen für den Zulauf des Stoffwassergemisches und auf der anderen Seite befindet sich der große Auslauf für den entlüfteten Stoff. Dazu kommen noch die Öffnung für den Überlauf und nicht zu vergessen der Vakuumanschluss beziehungsweise der Austrittsquerschnitt für die abgezogene Luft.

Im Entlüftungsbehälter wirken mehrere Faktoren und Prozesse gleichzeitig um eine fast vollständige Entlüftung zu erreichen. Das heißt, man braucht Unterdruck sowie ein konstantes Niveau im Behälter, bringt das Stoffwassergemisch zum „Kochen“ und vergrößert noch durch gezielte Bewegung dessen Oberfläche.

Aber nun der Reihe nach. Der Stoff strömt durch die Gutstoffleitungen von den vorgeschalteten Cleanerstufen in den Behälter. Die Entlüftung hat bereits in den Cleanern, wo eine Ansammlung der leichten Luft im Gutstoffkern erfolgt, begonnen.

Nun aufgeteilt in mehrere Teilströme wird das Stoffwassergemisch durch die hochstehenden Einlaufstutzen gegen die Innendecke des Behälters versprüht, prallt auf und verteilt sich fein durch das Ablaufen an der Behälterwand. Insgesamt verkürzen sich somit die Wege der Luftentfernung entscheidend. Durch den hohen Unterdruck fällt die Siedetemperatur auf 40 bis 50 °C und die Suspension „kocht“. So kann sich die freigewordene Luft nicht wieder anlagern und es kommt der angeschlossene Vakuumerzeuger zum Zuge und entzieht die Luft aus dem Behälter. Das muss auch so sein, denn Vakuum bedeutet relativ frei definiert luftfreier Raum. Für regelmäßig konstante Bedingungen im Behälter sorgt natürlich der Überlauf, denn dadurch steht beziehungsweise bleibt das Niveau und der Unterdruck immer relativ unverändert.

Ist der Stoff nun entlüftet, geht es im freien Fall mit hoher Geschwindigkeit ab in den Keller zur Stoffauflaufpumpe, welche zwischen zehn bis 12 Meter tiefer liegt. Die Überwindung dieser Höhendifferenz vollendet die Entgasung fast zu hundert Prozent und ist notwendig für einen ausreichenden Vordruck auf der Saugseite der Stoffauflaufpumpe.

Diese umfangreiche sowie energieaufwendige Entlüftung ist vorrangig bei graphischen Papieren – sowohl bei Massenpapieren als auch bei Feinpapieren – notwendig. Bei diesen Papieren machen sich Fehler im Papier, welche auf Lufteinschlüsse zurückzuführen sind, beim Bedrucken deutlich bemerkbar. Jedes kleinste Loch bedeutet auf dem Papier eine nicht bedruckbare Stelle, also keine vollständige Bild- beziehungsweise Textwiedergabe.