Archiv Papiertechnik

Altpapiersorten … Teil 1

Gebrauchte Papiersäcke.

… nehmen einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität der Papiere, die teilweise oder hundertprozentig aus Altpapier hergestellt werden.

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Dies ist umso bedeutender, da der Anteil von Altpapier in vielen Papierqualitäten zugelegt hat. Papier bleibt das am meisten wieder verwertete Material.

Natürlich erwarten wir von einem aus 100 Prozent Altpapier hergestellten Papier, zum Beispiel Zeitungsdruckpapier, eine hohe Helligkeit, keine bis wenige Schmutzpunkte, entsprechende Festigkeiten und selbstverständlich eine einwandfreie Bedruckbarkeit. Um dies technologisch zu erreichen, werden hierfür helle Altpapiersorten eingesetzt, die gebrauchte Zeitungen, Zeitschriften und Magazine enthalten. Braunes Altpapier, wie Wellpappe und Packpapier, ist als Rohstoff für graphische Papiere nicht geeignet, aber eine hervorragende Ressource für die Herstellung von Verpackungspapieren.

Die eingesetzten Altpapiersorten lassen Rückschlüsse auf die zu erwartende Papierqualität zu.

International werden die Altpapiersorten nach den Spezifikationen einzelner Altpapiersortenlisten erstellt. Die Europäische Altpapiersortenliste liegt mittlerweile als Europäische Norm (EN 643) vor. Sie beschreibt die Zusammensetzung und Qualität der gehandelten Altpapier-Standardsorten. Einfach ausgedrückt wird klar definiert, was in der jeweiligen Sorte drin sein darf und was nicht. Die Sortenliste enthält neben den in fünf Hauptsorten unterteilten Altpapiersorten insbesondere Hinweise auf „unerwünschte Stoffe“ und „papierfremde Bestandteile“, die grundsätzlich nicht im sortierten Altpapier enthalten sein dürfen. Sie dient somit als Verständigungsgrundlage zwischen der Papier- und Kartonindustrie als Altpapierverwerter bzw. -verarbeiter und den Anbietern von Altpapier. Es ist nicht Zweck dieser Europäischen Norm, alle Altpapiere, die auf den verschiedenen Märkten vorhanden sind, zu definieren. Sie soll vielmehr die meisten Gruppen charakterisieren, die in Europa gehandelt werden.

Die Hauptsorten sind:

· Gruppe 1 – Untere Sorten

· Gruppe 2 – Mittlere Sorten

· Gruppe 3 – Bessere Sorten

· Gruppe 4 – Krafthaltige Sorten

· Gruppe 5 – Sondersorten.

Jede Altpapiersorte aus der Liste ist mit einer Zahlenfolge deklariert, die immer mit der Zahl der jeweiligen Gruppe beginnt.

Was finden wir in den einzelnen Sorten?

Die Gruppe 1, die auch mengenmäßig mit Abstand die häufigste ist, die in der deutschen Papierindustrie zum Einsatz kommt, umfasst mehrere Sorten. Dazu gehören u.a. gemischtes Altpapier (1.02), Kaufhausaltpapier (1.04) und Deinkingware (1.11). Die Namen erlauben schon einige Rückschlüsse auf die Zusammensetzung und bevorzugte Einsatzmöglichkeiten. So enthält das Kaufhausaltpapier natürlich große Mengen gebrauchte Papier- und Kartonverpackungen, die mindestens 70 Prozent Wellpappe enthalten. Der Rest ist Vollpappe und Packpapier. Diese Sorte ist ein gern eingesetzter Rohstoff für die Erzeugung von Karton und Wellpappenrohpapier.

Die Deinkingware vereint sortiertes graphisches Papier aus haushaltsnaher Erfassung, d.h. Zeitungen und Illustrierte mit einem Mindestanteil von jeweils 40 Prozent und einer sehr geringen Menge von nicht deinkbarem Papier. Bei diesen Papiererzeugnissen lassen sich durch das so genannte Deinkingverfahren die Druckfarben entfernen. Das ist eine Grundvoraussetzung für die Erzeugung von graphischen Papieren auf Altpapierbasis.

Die weiteren Gruppen werden im zweiten Teil des Artikels in der nächsten Ausgabe von Papier + Technik vorgestellt.