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Altpapier …

…ist in der deutschen Papierindustrie der Faserrohstoff Nummer eins. In vielen Papierqualitäten wird Altpapier eingesetzt.

Papiertechnisch ausgedrückt umfasst Altpapier die Mengen von Papier, Karton und Pappe, die außerhalb des Produktionsprozesses nach der Verarbeitung oder nach dem Gebrauch erfassbar anfallen. Somit sind die anfallenden Ausschussmengen aus der eigenen Papiererzeugung und integrierten Ausrüstung kein Altpapier, denn in der Regel geht dieser Teil direkt wieder in den Stofffluss der Papierfabrik zurück.

Erst in der externen Papierverarbeitung, wie zum Beispiel der Druck- oder Wellpappenindustrie, wird der gesammelte Ausschuss als Altpapier erfasst und dann überwiegend gezielt gehandelt. Altpapier ist in vielen Ländern und Regionen die mengenmäßig bedeutendste stoffliche Ressource für die Papiererzeugung.

Altpapier ist also einfach gesagt gebrauchtes beziehungsweise verwendetes Papier. Definiert wird Papier bekanntlich als eine Verflechtung beziehungsweise Verfilzung von vielen Einzelfasern, welche Primärfasern und/oder Sekundärfasern sein können. Die Unterschiede liegen klar im Anteil an diesem Fasermaterial, was einerseits das erste Mal dem Papiererzeugungsprozess zugeführt wird, also Zellstoff- und Holzstofffasermaterial, und anderseits Fasern, die schon öfter als einmal den Kreislauf durchlaufen haben. Entsprechend der vorgegebenen Papierqualität befinden sich weiterhin unterschiedliche Sorten und Anteile von Hilfs- und Füllstoffen in dem Papier. All dies zusammen kommt nun über das Altpapier zurück in den Prozess der Papiererzeugung. Das Altpapier befindet sich somit in einem ständigen Kreislauf, dem so genannten Recycling.

Eine Recyclingfaser kann den Kreislauf theoretisch circa sieben Mal durchleben. Dann ist die Faser so beansprucht worden, dass ihre Größe und Form nicht mehr für eine zufriedenstellende Blattbildung auf dem Sieb ausreicht. Also müssen dem Prozess entweder ein gewisser Anteil frische Fasern oder durch die entsprechende Auswahl von Altpapiersorten hochwertige Sekundärfasern direkt zugegeben werden. Wellpappe aus Kraftliner enthält zum Beispiel einen sehr hohen Anteil von Sulfatzellstofffasern. Also ist dies ein begehrtes Altpapier für die Erzeugung von Wellpappenrohpapier. Auch in Magazin- oder Katalogpapieren findet man je nach Qualitätseinstufung einen beachtlichen Anteil an Zellstoff- und Holzstofffasern und somit setzen unter anderem die Hersteller von Zeitungs- und Magazinpapieren dieses Altpapier gerne ein.

Dabei sollten die mit unterschiedlicher stofflicher Zusammensetzung anfallenden Papier- und Kartonqualitäten im Altpapier möglichst sortenrein und frei von unerwünschten Bestandteilen der Papiererzeugung bereit gestellt werden. Die nicht erwünschten Stoffe unterscheiden wir in papierfremde Bestandteile und nicht für das Recycling geeignete Papiere und Pappen.

Im Altpapier wurde schon vieles gefunden. In der langen Liste der entdeckten Fremdstoffe findet man den „berühmten“ Motorblock, Baumaterialien, Holz, Werkzeuge, Kunststoffe in vielen Sorten und Formen, bis hin zu Wertgegenständen und Münzen, sowie auch unappetitliche Sachen. Jegliches Fremdmaterial im Altpapier kann bei dessen Verarbeitung Schäden an den Maschinen oder Störungen während der Produktion verursachen, sowie eine Wertminderung im Fertigprodukt hervorrufen.

Nicht für das Recycling geeignete Papiere und Pappen sind in ihrem Produktionsprozess so behandelt oder veredelt worden, dass sie mit einer normalen beziehungsweise standardmäßigen Altpapieraufbereitung nicht für die Gewinnung zu Sekundärfaserstoff geeignet sind. Sie beeinflussen den Prozess negativ und werden somit auch als produktionsschädliche Bestandteile bezeichnet. Typische und leicht nachvollziehbare Beispiele sind Bitumenpappen, Kohlepapiere, nassfeste Papiere und gewachste Papierqualitäten.

Befinden sich zum Beispiel eingetragene Wachsreste im gelösten Altpapier, dem Stoffwassergemisch, ist einerseits mit Ablagerungen an der Maschine oder Bespannung, im schlimmsten Fall im Produkt zu rechnen. Andererseits muss beim Stofflösen ein erhöhter Widerstand des Papiers berücksichtigt werden und es fallen höhere Mengen an Schmutzstoffen an. Die Anwesenheit und Menge solcher Papiere und Pappen innerhalb einer definierten Altpapiersorte können das Altpapier unbrauchbar machen.

Hauptabnehmer von Altpapier sind die Hersteller von Papier, Karton und Pappe für Verpackungszwecke. Diese setzen überwiegend dunkle Qualitäten in Form von gemischten oder braunen Altpapiersorten ein. Auch für die Erzeugung von Zeitungsdruckpapier, Magazinpapier und graphischem Recyclingpapier sowie Hygienepapier verwendet man mittlerweile große Mengen von Altpapier, allerdings hauptsächlich aus graphischen, hellen Altpapiersorten.

In der Papierindustrie wird Altpapier sehr oft in Form von Ballen, aber auch als lose Ware angeliefert. Altpapierballen stellt der Altpapierhandel durch das Verpressen von eingekauftem Altpapier her oder die Papier verarbeitenden Firmen erzeugen sie indem sie anfallenden Produktionsabfall und -ausschuss mit einer Ballenpresse komprimieren. Beim Altpapierhandel ist meistens vor dem Prozess des Ballenpressens eine visuelle, manuelle Sortierung erforderlich, um die vorgegebenen Qualitätsparameter der jeweiligen Altpapiersorte zu garantieren.

Graphisches Altpapier – alte Zeitungen, Beilagen und Zeitschriften – wird insbesondere als lose Ware angeliefert. Das lose meist per LKW gelieferte Altpapier wird in Lagerhallen aufbewahrt, die überwiegend in mehrere Boxen unterteilt sind. Durch das sukzessive Entleeren der einzelnen Boxen ist eine ständige Altpapierzirkulation gesichert, die einer partiellen Überalterung des Altpapiers entgegen wirkt. Außerdem können Störungen in der Altpapierqualität rasch erkannt werden. Lose angeliefertes Altpapier enthält in der Regel weniger Verunreinigungen.

Die Primärfaserstoffe Holzstoff und Zellstoff, die in der Regel aus Holz gewonnen werden, erfordern eine funktionierende Forstwirtschaft, also ausreichend nachhaltig bewirtschaftete Wälder.

Altpapier ist dagegen ein Rohstoff, der in den dicht besiedelten Industrieländern der Erde in großen Mengen anfällt und erfasst wird. Somit ist Altpapier der Ausgangsstoff für die Gewinnung von Sekundärfaserstoff. Die Qualität des aufbereiteten Altpapierstoffes leitet sich auch stark von den Eigenschaften der Primärfaserstoffe ab, denn die gewonnene Altpapierfaser war ursprünglich eine Holzstoff- oder Zellstofffaser.

In bestimmten Erzeugnissen wie Faltschachtelkarton, Wellpappenrohpapier und auch Zeitungsdruckpapier liegt der Altpapieranteil bereits zwischen 70 und 100 Prozent. Dagegen ist in holzfreien graphischen und vielen Spezialpapieren kein Altpapier enthalten. bu