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Alles zu Betrieb und Instandhaltung

Vom 26. bis 30. November 2018 fand die „10. Walzenakademie“ von Valmet im Papierzentrum in Gernsbach statt. Bei dieser viertägigen Fortbildung erhielten die Teilnehmer einen umfassenden Überblick rund um das Thema Walzen. Vorträge, aber auch Gruppenarbeiten machten sie fit für die Anforderungen im Beruf.

Kirsten Maurer-Fritz

Walzen kommen in der Papierindustrie an verschiedenen Positionen und in unterschiedlichsten Ausführungen zum Einsatz. Tamboure sind besonders hochbelastete Walzen, die Breiten bis zu 10.800 Millimeter, hohe Geschwindigkeiten und ein Gewicht der Mutterrolle bis zu 140 Tonnen Papier aushalten müssen. Leitwalzen führen, regulieren oder spannen die Papierbahn, die Filze oder Siebe an verschiedenen Positionen in einer Papiermaschine. Presswalzen werden in einer Umgebung mit hoher Feuchtigkeit eingesetzt und müssen daher besonders gegen Eindringen von Feuchtigkeit geschützt werden. Breitstreckwalzen werden immer dann verwendet, wenn sich in einer Papier- oder Streichmaschine die Eigenschaft des Papiers verändert und das Risiko von Faltenbildung vermindert werden muss.

In der viertägigen „Walzenakademie“ der Firma Valmet wurden unterschiedlichste Walzentypen vorgestellt und deren Funktionsprinzip, Einsatzpositionen, Design und Service detailliert erläutert. Peter Blasl, Valmet, begrüßte die Gäste zu dieser Vortragsveranstaltung, die alle zwei Jahre stattfindet und er zeigte sich erfreut, dass die 10. Walzenakademie mit 31 Gästen aus Produktion und Instandhaltung auch im Jahr 2018 wieder einen großen Zuspruch gefunden habe.

Gemeinsame Werksbesichtigung

Am ersten Tag beschäftigte man sich sehr intensiv mit den „Saugwalzen“. Kai Kuusela, Valmet, zeigte nach einer Definition von Saugwalzen und der Beschreibung der Saugwalzenpositionen, welche Arten von Saugwalzen es gibt. Im zweiten Teil des Vortrages beschrieb er den Service von Saugwalzen. Und
in einer anschließenden Gruppenarbeit mussten die Teilnehmer in fünf kleinen Gruppen an einem Beispiel die Ursache für Stützlagerschäden an einer Saugpresswalze finden und Maßnahmen zur Beseitigung dieses Problems erarbeiten.

Am folgenden Tag besuchten die Teilnehmer der Walzenakademie das Valmet-Werk in Cernay in Frankreich, in dem verschiedene Arten von Walzenbezügen hergestellt und Walzen instandgehalten, repariert und modernisiert werden. Nach einer gemeinsamen Werksbesichtigung und zwei Vorträgen über die „Grundlagen der Bezugsherstellung“ und „Bombagemessungen“, standen auch hier praktische Gruppenarbeiten auf dem Programm.

Am Donnerstag und Freitag wurde die Veranstaltung mit weiteren Vorträgen in Gernsbach fortgesetzt. So zeigte Stephan Wenzel in seinem Vortrag über „Valmet‘s Industrial Internet“ anhand von Beispielen, wie Valmet mit Hilfe seiner Industrial Internet-Anwendungen den Kunden bei der Lösung seiner Probleme unterstützen kann: So ist zum Beispiel durch die Überwachung des Zustands der Walzen in einem Single-Nip-Glättwerk die Vorhersage für den gezielten Walzenwechsel möglich.

„Cracks“ und „Nightmares“

Ein weiterer Themenschwerpunkt des Walzenseminars waren die sogenannten „Belts“, die bei Schuhpressen zum Einsatz kommen. Guido Kern, Valmet, erklärte, dass ein Belt genau genommen kein Walzenbezug ist, sondern ein textiles Produkt mit extremem Dehnungsverhalten. Er stellte unterschiedliche Herstellungsverfahren von Belts vor und nannte verschiedene Schäden an Belts und ihre Ursachen. Dies sind unter anderem „Cracks“ (Risse), wobei hier verschiedene Arten von Cracks unterschieden werden oder der so genannte „Nightmare“, die ölseitige Delaminierung des Belts.

Einen ganz besonderen Walzenbezug, das Clupak-Tuch, stellte Bernd Maier, Valmet, vor. Clupak-Einheiten werden bei Sack-Kraftpapieren eingesetzt und bestehen aus einem beheizten Clupak-Zylinder (100 – 110°) und einem Clupak-Tuch. Im Inneren des Clupak-Tuches befindet sich eine stehende Nip Bar-Walze, die das Tuch gegen den
Clupak-Zylinder drückt. So erfährt die Papierbahn an dieser Stelle eine Art Mikrokreppung, durch deren Effekt das Basisgewicht des Sack-Kraftpapiers reduziert werden kann. Clupak-Tücher haben extrem hohe Festigkeiten und hohe Abriebfestigkeiten. Weltweit gibt es circa 50 – 60 Clupak-Einheiten.

Lagerung von Walzen

Doch jede Walze muss auch gelagert werden und daher war die Lagerung von Walzen ein weiterer Themenschwerpunkt dieses Seminars. Sebastian Pfister von der Firma SKF beschrieb in seinem Vortrag detailliert den Aufbau von Wälzlagern und zeigte im Anschluss verschiedene Ursachen für Ausfälle von Wälzlagern. Dies kann zum einen eindringende Feuchtigkeit sein, die Korrosion oder eine Reduktion der Schmierfilmdicke verursachen kann.

Aber auch Stromdurchgang, Schwingungen, Stöße oder Partikeleindrückungen können zu einer Beschädigung des Lagers führen, ebenso wie
eine fehlerhafte Montage.

Im zweiten Teil des Vortrages über Wälzlager zeigte Georg Ritter, SKF, anschaulich verschiedene Verfahren zur Montage von Wälzlagern oder auch verschiedene Service-Methoden, wie die Zustandsüberwachung oder die Ausrichtung von Wälzlagern.

Sicherer Transport

Auch der Transport von Walzen ist mit vielen Gefahren verbunden, wie Ulrich Böhmer von der Spedition Bohnet in seinem Vortrag über „Ladungssicherung beim Walzentransport“ mit drastischen Fotos deutlich machte. Verantwortlich für den sicheren Transport einer Walze ist laut Gesetzgeber der Absender, nicht der Spediteur. Deshalb muss sich der Absender vergewissern, dass die Walze ordnungsgemäß transportiert wird (Diagonalverzurren, Niederzurrwerkzeuge nicht beschädigt, usw.). Auch haftet der Spediteur bei
einem Totalschaden der Walze durch einen Unfall nur für einen Teil des tatsächlichen Wertes. Eine zusätzliche Versicherung der Walze durch den Absender wird deshalb empfohlen.

Neben dem Vortragsprogramm wurden bei der Walzenakademie auch verschiedene gemeinsame Abendaktivitäten angeboten. – Eine gute Gelegenheit zum wichtigen Austausch untereinander und dem Aufbau von Netzwerken und Kontakten, wie Udo Lück, Geschäftsführer der Bildungsakademie Papier (BIP), bei der Begrüßung sagte.