Archiv Im Blickpunkt

Zusammen unschlagbar

Grafische Papiere werden in aller Regel bedruckt. Jedes Verfahren stellt eigene Anforderungen an das Papier, um ein optimales Druckergebnis zu gewährleisten. Papier + Technik stellt in einer kleinen Reihe verschiedene Spielarten der bewährten Kombination aus Papier und Druck vor. In dieser Ausgabe geht es um Bogenoffsetdruck.

Gabriele Eisenbarth

Bis zur Erfindung des Digitaldrucks war das Drucken ein mechanisches Verfahren, um mittels Farbe und Druckform schnelle Vervielfältigungen von Schrift und Bildern zu erreichen. Prinzipiell gibt es vier Techniken:

  • Hochdruck: Die zu druckenden Bereiche liegen höher als das Umfeld. Bekannteste Formen: Buchdruck und Flexodruck
  • Tiefdruck: Die zu druckenden Bereiche liegen tiefer als das Umfeld. Bekannteste Form: Tampondruck
  • Flachdruck: die zu druckenden Bereiche liegen nahezu auf derselben Ebene wie das (unbedruckte) Umfeld. Bekannteste Form: Offsetdruck
  • Siebdruck: Eine Schablone verschließt alle Bereiche, die nicht
    bedruckt werden sollen. Die Farbe gelangt durch die offenen Stellen mit Hilfe eines Rakels auf den Druckträger.
  • Der Digitaldruck brachte gegenüber diesen mechanischen Verfahren die entscheidende Änderung, dass keine Druckplatten mehr benötigt werden – die Druckdaten werden direkt vom Computer in die Druckmaschine übertragen. Weil
    es während dieses Prozesses zu
    keiner Berührung kommt, wird das Verfahren auch Non-Impact-Druck genannt.

Der Offsetdruck hat heute einen Anteil von über 70 Prozent am weltweiten Druckvolumen. Bei dieser Technologie wird die Farbe von der Druckplatte auf ein Gummituch übertragen und von dort auf die Oberfläche des Bedruckstoffes. Die Druckplatte besteht aus mehrfach beschichtetem Aluminium. Auf ihrer Oberfläche befinden sich Stellen, die Druckfarbe annehmen und solche, die sie abstoßen. Im Grunde handelt es sich um eine physikalisch-chemische Reaktion bestimmter Substanzen, die Farbe annehmen oder abstoßen.

Eine Spielart dieses Verfahrens ist der wasserlose Offsetdruck. Er funktioniert mit Spezialplatten, die statt Feuchtigkeit mit einer Silikon-/Gummischicht behaftet sind. Es sind außerdem spezielle Druckfarben nötig.

Alle Arten von Akzidenz, das sind Druckerzeugnisse wie Anzeigen, Formulare, Prospekte sowie Zeitschriften, Tageszeitungen, Versandhauskataloge, großflächige Plakate und Verpackungen werden im Offset bedruckt.

Beim Bogenoffset werden die Bögen je nach Art der Maschine entweder einfarbig oder gleichzeitig mehrfarbig auf einer Seite oder gleichzeitig beidseitig bedruckt. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Maschinenkonfigurationen, die sich unter anderem durch die Formatklassen unterscheiden. Am gängigsten ist das 3B-Format, auf dem ein Papierformat bis maximal 720 x 1040 Millimeter bedruckt werden kann.

Druckpunkte dehnen sich je nach Papier unterschiedlich aus

Mit dem Offsetdruck ist eine sehr getreue Bildwiedergabe möglich. Extrem feine Raster von 120 Linien pro Zentimeter ermöglichen das. Bis vor wenigen Jahren waren noch 60-er Raster oder maximal 80-er Raster üblich. Das liegt an der CTP, der Computer-to-Plate-Technologie, bei der die Daten
direkt vom Computer auf die Druckmaschine übertragen werden – der Zwischenschritt der Filmbelichtung fällt weg. Damit dieses sehr feine Raster funktioniert, muss das Papier eine geschlossene und extrem glatte Oberfläche haben. Das hat nur ein gestrichenes Papier. Der Grund dafür liegt im Punktzuwachs. Jeder Druckpunkt dehnt sich aus, allerdings sehr unterschiedlich. Bei einem ungestrichenen Papier kann ein Druckpunkt bis zu 30 Prozent größer werden, auf einem gestrichenen sind es nur zehn Prozent. Wenn man bedenkt, dass für ein sehr feines Raster etwa 600 Druckpunkte pro Inch benötigt werden, kann man sich vorstellen, dass bei einer Ausdehnung um 30 Prozent alle Druckpunkte ineinanderfließen, und das Bild nicht mehr scharf ist.

Natürlich kann auch ein im Offset bedrucktes Naturpapier reizvoll sein. Dann sollte das Raster nicht höher als 60 und kein vollflächiger Vierfarb-Druck geplant sein. Das klassische Offsetpapier ist ein maschinenglattes oder satiniertes Naturpapier. Will man etwa für einen Bild- oder Fotoband ein 120-er Raster, kommen nur gestrichene Qualitäten in Frage, also Kunst- oder Bilderdruckpapiere. Höchsten Glanz darf man bei gussgestrichenen Sorten erwarten, bei denen sich der Abdruck eines heißen Chromzylinders auf dem Papier widerspiegelt.