Archiv Im Blickpunkt

Zusammen unschlagbar

Im ersten Teil von „Druck und Papier“ ging es um die unterschiedlichen Druckverfahren und im Speziellen um den Bogenoffsetdruck. Im zweiten Teil wird nun der Rollenoffset- und Digitaldruck erläutert. Beide Verfahren fordern vom Papier Höchstleistungen.

Gabriele Eisenbarth

Erreicht die Auflage eine bestimmte Höhe, wird nicht mehr vom Bogen, sondern von der Rolle gedruckt.

Bogenoffset bietet sich für Auflagen zwischen 1.000 und 50.000 Stück an. Ab dieser Stückzahl bis hin zu Millionenauflagen ist der Rollenoffset sinnvoll. Die über 2,80 Meter breiten Druckmaschinen schaffen bis zu 2.000 16-seitige Signaturen pro Minute oder 2,4 Millionen Seiten pro Stunde. Sie fertigen in einem Durchgang (Inline) ein gefalztes, geklebtes und teilweise auch dreiseitig fertig beschnittenes Produkt. Rollenoffset gibt es als Heatset-Druck mit Farbtrocknung für Zeitschriften, Kataloge, Prospekte und Broschüren oder als Coldset ohne Farbtrocknung. In der Regel werden Zeitungen und Bücher in diesem Verfahren bedruckt. Papiere für den Rollenoffset

müssen aufgrund der Geschwindigkeit besonderen Anforderungen genügen.

Das gilt besonders für die Nassrupffestigkeit, die Bruchdehnung und die Reißlänge, da das Papier während des Auflagendrucks hohen mechanischen und thermischen Belastungen im Trockner beziehungsweise dem Heißluftofen ausgesetzt ist. Zum Einsatz kommen holzhaltige Sorten sowohl in ungestrichener (SC oder WSOP) als auch in glänzender (LWC, HWC, LLWC, ULWC) oder matt gestrichener (LWC, HWC) Ausführung. Das gleiche gilt für holzfrei gestrichene Sorten. Kartongewichte können im Rollenoffset nicht bedruckt werden.

Ideal für kleine Auflagen: Digitaldruck

Der Vorteil des Digitaldrucks liegt genau am anderen Ende der Skala: Bereits ab einer Auflage von eins kann digital gedruckt werden. Da die Druckdaten direkt in der Druckmaschine verarbeitet werden und keine Druckplatten mehr notwendig sind, ist dieses Verfahren auch bei kleinen Auflagen wirtschaftlich. Außerdem können die Daten problemlos aktualisiert werden und sind sehr schnell verfügbar. Das Motiv wird in einem Arbeitsschritt mittels Ladung und Entladung auf das Papier gebracht, das Verfahren heißt deshalb auch Elektrofotografie. Es gibt sowohl ein Flüssig- als auch ein Trockentonerverfahren. Der Inkjetdruck gehört ebenfalls zu den digitalen Druckverfahren.

Häufig digital gedruckt werden inzwischen Briefpapier, Visitenkarten, Fotobücher oder auch Bücher in Erstauflage. Auch für Verpackungen oder Etiketten kann Digitaldruck sinnvoll sein, da es immer mehr unterschiedliche Ausführungen einer einzelnen Verpackung gibt. Eine große Stärke hat der Digitaldruck auch bei personalisierten Marketingaktionen, häufig anzutreffen sind hier auch Hybrid-Druckprodukte, also solche, die zunächst im Offset-
und später im Digitaldruck bedruckt werden.

Die Anforderungen ans Papier sind ebenfalls hoch. So muss die Laufrichtung stimmen, das Papier muss mit einer definierten relativen Feuchte in die Maschine geführt werden, die Tonerpartikel müssen gänzlich mit dem Papier verschmelzen, und das Papier muss schließlich statisch entladen werden. Die Papiere müssen deswegen mit einem Primer versehen werden. Das geschieht entweder schon bei der Papierherstellung oder in der Digitaldruckmaschine selbst. Da das Druckverfahren besonders für individuelle Druckjobs sinnvoll ist, legen die Verbraucher Wert auf ein hochwertiges Erscheinungsbild ihrer Drucksache und dabei spielt das Papier eine entscheidende Rolle. Viele Papierhersteller haben sich darauf eingestellt und bieten ein eigenes Digitaldrucksortiment an.


Glossar: Papierqualitäten für Rollenoffsetdruck

SC: Die Abkürzung steht für „super-calendered“ Papier. Das ist ein ungestrichenes holzhaltiges Papier, das über einen Kalander gelaufen ist und deswegen eine vergleichsweise glatte Oberfläche hat. Dennoch ist es von der Haptik her recht fest, weil es keinen Strich hat. Es gibt vier verschiedene Untergruppen.

LWC: steht für „light-weight-coated“, ein zweiseitig gestrichenes holzhaltiges
Papier im Flächengewicht zwischen 51 und 71 g/m².

LLWC: „light-light-weight-coated“, gleiche Ausführung, aber mit einem Gewicht zwischen 35 und 50 g/m².

HWC: steht für „heavy-weight-coated“, gleiche Ausführung wie LWC, aber ab 72 g/m².