Archiv Im Blickpunkt

Zukunftsthemen diskutiert

Die wachsende Bevölkerung auf der Erde verbraucht immer mehr Ressourcen – diese sind aber begrenzt.

Beim Treffen des Bundesarbeitskreises Umwelt (BAKU) informierten sich Betriebsräte und Unternehmervertreter unter anderem über aktuelle Entwicklungen bei Arbeitsschutz und Ressourceneffizienz sowie über die seitens der Politik angedachte Energiewende.

Dr. Hans-Peter Berger

Alle zwei Jahre trifft sich der Bundesarbeitskreis Umwelt (BAKU), um über aktuelle Themen der Papierindustrie zu unterrichten. Der Arbeitskreis ist getragen von der IG BCE, von der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) sowie vom Verband Deutscher Papierfabriken (VDP). Während sich Gewerkschaft und Arbeitgeberverbände etwa in Tarifverhandlungen mit unterschiedlichen Positionen gegenüberstehen, zeigt sich im Rahmen dieses Arbeitskreises die gemeinsame Interessenlage. In den Feldern Arbeitsschutz, Ressourceneffizienz und Energie arbeiten die Verbände und die Gewerkschaften eng zusammen, um gegenüber der Politik eine einheitliche Position der Papierindustrie aufzeigen zu können.

In der sehr gut besuchten Informationsveranstaltung informierten sich zahlreiche Betriebsräte und Arbeitgebervertreter über aktuelle Themen. Nach der Begrüßung durch die Geschäftsführer Stephan Meißner (VAP) und Dr. Reinhardt Thiel (VDP) begann die Fachtagung am 27. Oktober 2011 mit dem Beitrag „Arbeitsschutz – nach wie vor ein Thema“. Dipl.-Ing. Franz Hake sowie Dr. Thomas Martin, beide von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe, Chemische Industrie (BG RCI) stellten umfangreich und praxisbezogen dieses Thema vor. So haben sich seit dem 1. Januar 2011 die Vorgaben zur betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung in den Betrieben geändert. Die Unfallverhütungsvorschrift „Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ ist in Kraft getreten und löst die bisherigen Regelungen ab.

Diese Arbeitssicherheitsvorschriften haben grundsätzliche Bedeutung auch für die Papier- und Zellstoffindustrie.

Dr. Thomas Martin behandelte den Komplex der Gefahrstoffe. Auch hier gibt es zahlreiche Neuerungen, die sich unmittelbar auf die Betriebe auswirken. So liegt ein neues System vor, welches weltweit die Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien vereinheitlichen soll. Da die Papier- und Zellstoffindustrie international aufgestellt ist, kann dieses System, wenn auch in der Umstellungsphase zusätzlicher Aufwand nötig sein dürfte, zukünftig Erleichterungen bringen.

Am Nachmittag des ersten Tages stellte Christian Sprute, Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE, diese Stiftung vor. Sie führt Beratungen, Schulungen und Seminare zum betrieblichen Umweltschutz, zum nachhaltigen Wirtschaften sowie zur Energie- und Ressourceneffizienz durch. Im weiteren Verlauf des Vortrags wurde deutlich, dass bei unveränderter Fortsetzung des Verbrauchs an natürlichen Ressourcen wie bisher, bis zum Jahr 2050 zwei Planeten Erde benötigt werden, um die Bedürfnisse nach Nahrung, Energie und Infrastruktur zu decken. Wenn die Schwellenländer den gleichen Wohlstand wie die Industrieländer erreichen wollen, so werden sogar vier Planeten benötigt, um die Bedürfnisse zu decken. Ressourceneffizienz wird vor diesem Hintergrund eines der wichtigsten Themen für die Zukunft sein.

Anschließend gab Dr. Reinhardt Thiel (VDP) einen Überblick über die energieintensiven Unternehmen und deren Herausforderungen im Rahmen der Energiewende. Die energieintensiven Industrien in Deutschland, welche die Branchen Baustoffe, Chemie, Glas, Metall, Stahl und Papier umfassen, beschäftigen mehr als 800 000 Mitarbeiter und weisen einen Umsatz von 250 Milliarden Euro auf. Die Zellstoff- und Papierindustrie produziert mit mehr als 40 000 Beschäftigten 23 Millionen Tonnen Papier bei einem Umsatz von 14,4 Milliarden Euro. Dieser Industriezweig wird von den energiepolitischen Vorgaben der Bundesregierung unmittelbar betroffen. So plant die Bundesregierung, die Treibhausgase (Kohlendioxid) bis 2020 um 40 Prozent zu mindern. Bis 2050 soll sogar eine Minderung um 80 bis 95 Prozent eintreten. In diesem Zusammenhang ist auch die Papier- und Zellstoffindustrie mit deutlichen Mehrbelastungen betroffen.

Unumgänglich sind für die Branche wettbewerbsfähige Energiepreise in Deutschland. In gleichem Maße muss die Versorgungssicherheit und Netzstabilität gewährleistet werden, da die Papierindustrie über 24 Stunden am Tag Strom ohne Netzschwankungen benötigt. Diese Grundlast kann durch Windkraft und Solarenergie nicht gewährleistet werden. Bisher sind nur Kohle- und Gaskraftwerke grundlastfähig. Vor dem Hintergrund der Internationalisierung des Wettbewerbs müssen europaweit einheitliche Standards gelten. Andernfalls besteht Gefahr, dass energieintensive Branchen Deutschland aufgrund der zu hohen Energiekosten den Rücken kehren.

Den Schwerpunkt am Freitagvormittag nahm die Entwicklung der Klimapolitik auf Bundes- und Landesebene ein. Dieser Vortragsteil wurde eröffnet von Ministerialrat Gregor Stephani – Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Stephani stellte das Klimaschutzkonzept und das beabsichtigte Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg vor. Die neue grün-rote Landesregierung möchte die Bedeutung des Klimaschutzes noch weiter hervorheben. Die Positionen in Baden-Württemberg als Industrieland können dabei auch Auswirkungen auf andere Bundesländer haben. So hat etwa bereits Nordrhein-Westfalen ebenso ein Klimaschutzgesetz vorgelegt. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der damit verbundenen Gefahren sei eine derartige Klimapolitik unumgänglich. So hat der Bund bereits 2008 ein umfassendes Energie- und Klimaprogramm vorgelegt. Nach dem Atomunfall in Japan beschloss die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022. Die sieben ältesten Kernkraftwerke wurden sofort stillgelegt. Der Ausbau erneuerbarer Energien soll zügig vorangetrieben werden. Zusammen mit Egbert Biermann (Hauptvorstand IG BCE) nahmen die Referenten des Vormittags an einer Podiumsdiskussion teil. Die lebhaften Beiträge und Fragen der Zuhörer zeigten, dass für die Betriebe aktuelle und bedeutende Themen ausgewählt wurden.

Zum Abschluss der Veranstaltung dankten Egbert Biermann und Stephan Meißner Roland Gimpel (IG BCE) für die Organisation. Er war langjährig für den Bereich Umweltschutz in der IG BCE zuständig und hat in den vergangenen Jahren immer mit großem Erfolg die BAKU-Veranstaltungen durchgeführt. Mit langem Applaus dankten die Teilnehmer ihm für sein Engagement.

Die nächste BAKU-Sitzung wird im zweijährigen Turnus im Jahr 2013 voraussichtlich wieder in Gernsbach stattfinden.