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Zellstoff aus Stroh wird Wirklichkeit


Foto: GD schaarschmidt - stock.adobe.com
Essity investiert am Standort Mannheim 40 Millionen Euro in ein neues, nachhaltiges Verfahren zur Gewinnung von Zellstoff aus Weizenstroh. 35.000 Tonnen des alternativen Zellstoffs soll künftig in der Tissue-Fertigung eingesetzt werden.

Der nachhaltige Strohzellstoff sei genauso weich, weiß und stark wie Zellstoff aus reinen Holzfasern und werde zu hochwertigen Hygieneprodukten verarbeitet. Darauf weist Roger Schilling, Essity-Werkleiter in Mannheim, hin. Das Verfahren benötige weniger Energie und Wasser, außerdem mache es „ein Stück unabhängiger vom Zellstoffmarkt“.

Komplett neue Produktionsanlage

Bis Mitte 2021 soll auf dem Mannheimer Werksgelände eine komplett neue Produktionsanlage für die Strohzellstoff-Erzeugung entstehen – ein
Pilotprojekt, denn die neue Fertigungsanlage setzt technologisch um, was bisher nur im Versuchslabor erprobt worden ist, wie Dr. Martin Wiens, Projektleiter und Leiter der Strohzellstoff-Fabrik betont. Insgesamt wird sich die Anlage auf einer Fläche von 8.000 Quadratmetern über mehrere Gebäude erstrecken. In einem historischen
Gebäude, einem ehemaligen Ersatzteillager, wird das Stroh zunächst von Fremdpartikeln befreit und gereinigt. Anschließend wird es in seine Bestandteile aufgeschlossen und der daraus resultierende Zellstoff wird im sogenannten Bleichturm, dessen Fundament
bereits zu sehen ist, aufgehellt.

Über Zufuhrleitungen, die bis zu einem Kilometer lang sind, wird der Zellstoff in flüssiger Form direkt zu den Papiermaschinen gepumpt. Die Ablauge wird in einer neuen Eindampfanlage konzentriert und kann später industriell weiterverwertet werden.

Ein neues Strohlager, das auf einer
Fläche von 10.000 Quadratmetern hinter der Anlage angelegt wird, komplettiert die 40-Millionen-Euro-Investition. Die mit Strohzellstoff hergestellten Hygieneprodukte sollen in der zweiten Jahreshälfte 2021 auf den Markt kommen.

Zusätzliche Arbeitsplätze

In Mannheim befindet sich Essitys größtes europäisches Werk mit einer langjährigen Erfahrung in der Produktion von Zellstoff- und Hygieneprodukten. 1884 als Zellstofffabrik Waldhof gegründet, werden dort schon heute 220.000 Tonnen Zellstoff aus zertifizierten Holzfasern hergestellt. Ab Mitte nächsten Jahres kommen zusätzlich 35.000 Tonnen Strohzellstoff dazu, die extern zugekauften Zellstoff ersetzen werden.

Das Werk Mannheim beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gehört damit zu den größten
Arbeitgebern in der Region. Die neue Zellstofffertigung schafft zusätzliche Arbeitsplätze und sichert vorhandene.■