Archiv Im Blickpunkt

Wegweisendes Arbeitszeitmodell

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Munksjö Paper in Aalen-Unterkochen profitieren von einem Lebensarbeitszeitmodell, dem „Munksjö-Flex-Konto“. Auf ihm können die Beschäftigten Teile des Einkommens ansparen, um später zum Beispiel ohne Abschläge früher in den Ruhestand zu gehen. Das innovative Modell wurde mit einem Preis ausgezeichnet.

Roman Schlosser

Am Ursprung des Weißen Kochers
in Aalen-Unterkochen produziert die Munksjö Paper GmbH auf modernen Papiermaschinen hochwertige Dekorpapiere; diese Spezialpapiere werden heutzutage weltweit verkauft und weiterverarbeitet. In der Region ist das Unternehmen hauptsächlich wegen seiner sehr langen Tradition bekannt. Es zählt zu den ältesten Papierfabriken und konnte im Jahr 2013 das 400-jährige Jubiläum feiern. Aber auch als attraktiver Arbeitgeber hat Munksjö Paper
einen guten Namen. Neben überdurchschnittlichen Sozialleistungen ist ein Baustein in der Personalpolitik das Lebensarbeitszeitmodell „Munksjö-Flex-Konto“. In diesem Jahr wurde Munksjö dafür mit dem familyNet-Award ausgezeichnet.

Das Projekt familyNET wird vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft
Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und Landeskofinanzierungsmitteln sowie von den Verbänden der Metall- und Chemie-
Arbeitgeber in Baden-Württemberg gefördert. In diesem Jahr rief das Ministerium das dritte Mal zum landesweiten Wettbewerb „familyNET-Award – Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Unternehmen“ auf. Gesucht waren Unternehmen, die innovative und nachhaltige Konzepte und Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und
Beruf umsetzen. Die Auszeichnung mit dem familyNET-Award soll dieses Engagement würdigen. 

Interesse der Mitarbeiter getroffen

„Demografie“ und „Erhöhung des Renteneinstiegsalters“ sind höchst aktuelle Themen, die Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gleichermaßen betreffen.

Wie wichtig eine lebensphasenorientierte Personalpolitik und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind, hatte man bei der Munksjö Paper GmbH früh erkannt. Das Lebensarbeitszeitkonto wurde als ein sehr attraktives Instrument zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft erkannt. Bereits im Jahr 2013 führte Munksjö Paper
das „Munksjö-Flex-Konto“ ein, das nach wie vor wegweisend für die Tarifparteien der Papierindustrie ist. Damit bietet das Unternehmen ein innovatives und zukunftsweisendes Lebensarbeitszeitmodell an. Es ermöglicht den Mitarbeitern ihre Lebensarbeitszeit individuell zu gestalten. Dies ist speziell für Unternehmen, die im Schichtbetrieb arbeiten, eine besondere Herausforderung. Eine Teilnahme von 73 Prozent der Belegschaft bestätigt, dass Munksjö mit seinem Modell zur Gestaltung der persönlichen Lebensarbeitszeit das Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr gut getroffen hat.

Aber auch Bewerberinnen und Bewerber für einen Arbeitsplatz fragen in Vorstellungsgesprächen explizit nach dem Munksjö-Flex-Konto.

So funktioniert‘s

Die Funktionsweise des Modells ist einfach: Einkommensbestandteile können vom Arbeitnehmer zunächst steuer- und sozialversicherungsfrei auf einem Zeitwertkonto verzinst angespart werden. Der Arbeitgeber überführt das Wertguthaben in eine speziell konzipierte und äußerst flexible, insolvenzgeschützte Vermögensanlage, in der das Guthaben rentabel angelegt wird. Sicherheit wird bei dem Munksjö-Lebensarbeitszeitmodell groß geschrieben.

Dabei unterliegt das Kontenmodell keiner festen Vertragslaufzeit. Vielmehr ist eine jederzeitige Auszahlung des Kapitals für Freistellungsphasen wie zum Beispiel eine erweiterte Elternzeit, häusliche Pflege oder ein Sabbatical möglich. Vor allem wird das Guthaben wohl dazu genutzt, das Ende der persönlichen Lebensarbeitszeit individuell zu gestalten. Die angesparten Mittel können dazu verwendet werden, ohne finanzielle Einbußen vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Der Arbeitnehmer ist während der Freistellungsphase beim Arbeitgeber weiterhin angestellt und erhält sein Gehalt finanziert aus dem Wertguthaben.

Hierzu der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Wellmann: „Das Gute an dem Munksjö-Flex-Konto sehen wir für den Mitarbeiter darin, dass er, wenn es für ihn im beruflichen Leben schwierig wird, früher aus dem Arbeitsprozess ausscheiden kann“. Roman Schlosser, Personalleiter bei Munksjö ist davon überzeugt: „Das Munksjö-Lebensarbeitszeitmodell ermöglicht unseren Mitarbeitern zukünftig den sicheren Übergang in den Ruhestand ohne Abschläge bei der Rente und es bietet
ihnen aber auch die Möglichkeit während des Berufslebens flexibel eine Auszeit nehmen zu können. So wird für den Arbeitnehmer eine ideale Verbindung von Berufs- und Privatleben erreicht.“

Munksjö stellt sich den Herausforderungen des demografischen Wandels in Deutschland und hat sich mit dem Flex-Konto einen Vorteil gegenüber großen Unternehmen anderer Branchen in der Region Ostalb geschaffen. Das Flex-Konto stärkt die Position des Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber.