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Was Familien hilft

Für Eltern in Deutschland ist es nicht einfach, neben einem erfüllenden und erfolgreichen Berufsleben den Ansprüchen der Familie gerecht zu werden. Das ist auch den Unternehmen bewusst. Beispiele aus der Papierindustrie zeigen Maßnahmen, mit denen sie ihre Mitarbeiter unterstützen.

VM

Rund acht von zehn Unternehmen messen dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine hohe Bedeutung zu. Das ergab der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2013, den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für das Bundesfamilienministerium erstellt hat. An der repräsentativen Befragung beteiligten sich 1556 Unternehmen. Knapp drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass die Balance von Arbeit und Privatleben künftig noch wichtiger wird. Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter am besten dabei unterstützen können, hängt von ganz verschiedenen Faktoren ab, etwa den Erfordernissen der Produktion und der Unternehmensgröße. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) gibt in einer Veröffentlichung zur Familienpolitik (kompakt, 2014) zu bedenken, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsste der notwendige Ausgleich zwischen den Wünschen der Eltern und den Belangen von Arbeitgebern und Mitbeschäftigten gewährleistet werden. Ein offener, vertrauensvoller Umgang und individuelle Lösungen für Beschäftigte und Unternehmen seien zielführender als starre gesetzliche Vorgaben.

Ansprechpartner bei Notfällen
In der Papierindustrie sind unter anderem SCA Deutschland mit SCA Mannheim als dem größten SCA-Standort in Deutschland durch das audit berufundfamilie der Hertie-Stiftung zertifiziert. Gemeinsam mit dem Unternehmen vereinbart die Stiftung speziell auf dieses zugeschnittene, konkrete Ziele für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In jährlichen Berichten wird der Fortschritt kontrolliert und alle drei Jahre auditiert. Zu den Maßnahmen, von denen Mitarbeiter aller SCA-Standorte in Deutschland profitieren, zählt ein Kinderbetreuungszuschuss von bis zu 50,- Euro im Monat pro Kind. Außerdem kooperiert der Hygienepapierhersteller mit dem ElternService der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Hier können sich die Mitarbeiter über Kinderbetreuung und Kindernotfallbetreuung beraten lassen. Auch wer pflegebedürftige Angehörige hat, erhält Informationen und bekommt Pflegedienste oder Unterbringungsmöglichkeiten vermittelt. Außerdem besteht die Möglichkeit, Kinder im Alter zwischen acht Wochen und zwölf Jahren in Ausnahmesituationen spontan stunden- oder auch tageweise kostenfrei in Betreuungseinrichtungen unterzubringen, mit denen SCA am jeweiligen Standort kooperiert.

Problem Schulferien gelöst
Wegen zahlreicher Betreuungsengpässe gerade in den Sommerferien ergriffen die rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am SCA-Standort Mannheim vor fünf Jahren selbst die Initiative und riefen die SCA-Ferienaktion „Spaß, Chance, Abenteuer“ ins Leben. Inzwischen begeistert sie mit einem umfangreichen Programm vier Wochen lang die Mitarbeiterkinder ab drei Jahren, teilweise auch von anderen Standorten. Das Angebot ist attraktiv und begehrt: Im vergangenen Jahr durften sich die Kinder zum Beispiel im Kinderzirkus Paletti fünf Tage in der Manege austoben oder beim Indianertag ein Stück „Wilden Westen“ erleben. Es gab ein Fußball- und Tenniscamp, einen Graffiti-Workshop und einen Besuch bei Polizei und Feuerwehr. Eine interne Arbeitsgruppe stellt die Aktionen zusammen, für jede Aktion werden SCA-Mitarbeiter als Paten gesucht, die sich dann in Abstimmung mit der Projektgruppe um die Durchführung kümmern. Die Kosten für die Ferienbetreuung übernimmt zum überwiegenden Teil das Unternehmen, die Eltern zahlen lediglich einen symbolischen Beitrag. Um dem einen oder anderen Kind die Teilnahme zu erleichtern, dürfen die SCA-Mitarbeiterkinder sogar einen Freund oder eine Freundin mitbringen.

Kinderkrippe auf dem Werksgelände
Auch die Papier- und Folienfabrik Louisenthal, hundertprozentiges Tochterunternehmen des Technologiekonzerns Giesecke & Devrient, setzt auf Familienfreundlichkeit. Besonders attraktiv für die Eltern unter den 760 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Gmund ist die auf dem Firmengelände liegende Kindertagesstätte, die 37 Krippenplätze für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren bietet – vor allem für Mitarbeiterkinder, aber auch Kinder aus der Gemeinde Gmund und der Umgebung. Die Kindertagesstätte ist täglich von 6:45 bis 16:30 Uhr geöffnet, bei Bedarf können die Öffnungszeiten bis 20 Uhr verlängert werden. An nur fünf Werktagen im Jahr ist die Einrichtung geschlossen. Ebenso wie bei SCA können sich auch die Mitarbeiter von Louisenthal sowie die des Schwesterwerks Königstein bei einem externen Dienstleister über Möglichkeiten der Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen informieren. Außerdem können alle bei Problemen im Beruf oder im Privatleben eine kostenlose Unterstützung durch eine Sozialberatung in Anspruch nehmen. Louisenthal und Königstein bieten flexible Arbeitszeiten von 6 bis 20 Uhr, auch im Produktionsbereich, sofern dies an dem individuellen Arbeitsplatz möglich ist, wie Personalreferentin Susanne Deyerler von Louisenthal erläutert. Im Schichtbetrieb können die Mitarbeiter innerhalb eines Rahmenplanes die Schichten tauschen. In einem dafür geeigneten Bereich habe man gute Erfahrungen damit gemacht, dass Mitarbeiter die Einsatzpläne, innerhalb einer bestimmten Grundstruktur, mitsteuern, berichtet Deyerler weiter. Möglich seien auch Teilzeitregelungen, im Produktionsbereich werde dies allerdings kaum nachgefragt. Auch Pflegezeit sei weniger ein Thema.

Insgesamt ist die Familienhilfe in der Papierindustrie sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sie umfasst auch das Reagieren auf schwierige Situationen und Schicksalsschläge in der Familie. Sie richtet sich auch immer nach den konkreten Umständen vor Ort. Besonders wichtig sind die Verbesserungen der staatlichen Rahmenbedingungen. Die Familienhilfe kann auch ein Demografiemodul bilden bei der Umsetzung des Tarifvertrags Altersteilzeit und Demografie.