Archiv Im Blickpunkt

Waffe gegen illegalen Holzeinschlag

Die deutsche Zellstoff- und Papierindustrie verwendet über- wiegend heimisches Holz. Im Falle von Importholz muss sie die Herkunft aus legalem Holzeinschlag nachweisen.

Seit dem Jahr 2013 gibt es die sogenannte EU-Holzhandelsverordnung. Sie soll sicherstellen, dass Holzimporte in die EU nur aus legalem Holzeinschlag stammen.

Vanessa Sterner Verband Deutscher Papierfabriken e. V. (VDP)

Waldvernichtung ist ein Problem globalen Ausmaßes. Wälder übernehmen nämlich wichtige Funktionen für unser Ökosystem. Der Wald liefert nicht nur wertvolle Rohstoffe für die Menschen, sondern er ist vor allem ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen und kann in seiner Bedeutung für das weltweite Klima gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Bäume produzieren Sauerstoff, reinigen zugleich die Luft, schützen den Boden und liefern Trinkwasser. Zu den häufigsten Ursachen für Waldvernichtung zählt die Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die direkte Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Flächen für Viehhaltung, Ackerland und die Anlage großer Plantagen für Palmöl und Soja. Dies geschieht sowohl auf legalem Weg, als auch illegal. Ausgerechnet in den ärmeren Ländern tropischer Regionen gibt es jedoch oft keine oder nur rudimentäre Gesetze für eine geregelte Forstwirtschaft, oder die Regierungen können deren Einhaltung nicht sicherstellen.

Für alle Holzimporte
Um zumindest als Handelspartner einen Beitrag dafür zu leisten, dass diese rechtsfreien Räume nicht ausgenutzt werden, hat die EU den europäischen Abnehmern von Holz Regeln auferlegt. Damit können diese sicherstellen, dass das von ihnen importierte Holz nicht aus illegalem Einschlag stammt. Der Hebel setzt also dort an, wo Gesetze auch durchgesetzt werden können – in Europa.

Seit dem Jahr 2013 gilt deshalb die sogenannte EU-Holzhandelsverordnung (kurz: EUTR). Der EUTR unterliegen alle Holzimporte sowie bestimmte Holzprodukte von außerhalb der EU; darunter auch Zellstoff und Papier. Das dazugehörige nationale Gesetz in Deutschland (HolzSicherungsGesetz, kurz: HolzSiG) benennt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als zuständige Behörde für die Überwachung. Sie führt Kontrollen bei den Unternehmen durch und verhängt – wenn nötig – Sanktionen.

Jedes Unternehmen, das als erstes Holz und/oder Holzprodukte von außerhalb der EU kauft und auf den europäischen Binnenmarkt bringt, hat bestimmte Pflichten zu erfüllen. Dazu zählen insbesondere die Pflicht eingeführte Holzarten zu deklarieren und umfangreiche Nachweise zu führen, um Holz bis zur Quelle zurückverfolgen zu können. Die folglich sinkende Nachfrage nach Holz ohne Legalitätsnachweis in der EU soll den Anreiz in den Herkunftsländern verringern, Holz illegal einzuschlagen.

So einfach wie das klingt, ist es jedoch nicht. Denn da in vielen Ländern Korruption herrscht, wird der amtlichen Beglaubigung des legalen Einschlags nicht automatisch Glauben geschenkt. Die internationale Gesellschaft für Transparenz veröffentlicht jährlich eine Liste, auf der jedem Land ein Index – der Korruptionswahrnehmungsindex, kurz CPI – zugeordnet wird. Dieser CPI nimmt anhand einer Skala von 0 bis 100 eine Bewertung der Korruptheit eines Landes vor. Je niedriger der Index ist, umso schlechter.

Konsequenterweise wird im Falle von Holzlieferungen nicht nur auf Belege und Zeugnisse geachtet, sondern ein Augenmerk auf den CPI gerichtet. Liegt dieser in einem Lieferland unter 50, müssen beim Import von Holz in die EU zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel glaubwürdige Verifizierungen durch unabhängige Dritte. Im Zweifel müssen sich die Einkäufer ein Bild der Situation vor Ort machen, was unter Umständen kostspielig und meist wenig praktikabel ist. Auch Berichte in den Medien müssen beachtet werden. Werden in einem Land Fälle illegalen Holzeinschlages oder Menschenrechtsverletzungen bekannt, müssen Firmen, die von dort ihr Holz beziehen, umgehend Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen, dass die eigenen Lieferungen nicht damit im Zusammenhang stehen. Lässt sich durch all diese Maßnahmen das Risiko illegaler Herkunft nicht deutlich reduzieren, muss gegebenenfalls der Lieferant gewechselt werden.

Holzherkunft gibt oft Klarheit
Ein weiteres Instrument gegen illegalen Holzeinschlag liefert die Wissenschaft. Im Jahr 2013 wurde das „Kompetenzzentrum Holzherkünfte am Thünen-Institut“ gegründet, das eine Art „Bibliothek der Baumarten“ führt. Die Wissenschaftler haben Datenbanken mit den mikros- kopischen und genetischen Eigenschaften verschiedener Baumarten angelegt, mit deren Hilfe sie eine Holzprobe exakt einer Baumart und in der Regel auch einem Herkunftsland zuordnen können.

Enthält ein Holzprodukt Fasern einer vom Aussterben bedrohten Baumart, ist die Herkunft sehr wahrscheinlich illegal. Wenn die Zeugnisse eine vom Testergebnis abweichende Herkunft quittieren, ist dies ebenfalls ein sicheres Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt. Daraufhin können das Institut beziehungsweise der Auftraggeber weitere Nachforschungen einleiten. Neben „Start-Schwierigkeiten“ bei der EU-weiten Harmonisierung und Umsetzung der EUTR, hat das Gesetz selbst derzeit noch Lücken: Nicht alle Holzprodukte unterliegen der behördlichen Kontrolle. Fertige Druckerzeugnisse zum Beispiel, hierzu zählen unter anderem Kinderbücher, Sticker und Magazine, können nach wie vor eingeführt werden, ohne dass sie der EUTR unterworfen sind. So kann es sein, dass deutsche Verlage Kinderbücher für den deutschen Markt in China produzieren lassen und der Zellstoff für das Papier aus illegalen Quellen stammt. Gerade der asiatische Raum ist nämlich häufig Abnehmer von illegal eingeschlagenem Holz. Bei der Überarbeitung der EUTR im Jahr 2015 hat der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) deshalb wiederholt gefordert, fertige Druckerzeugnisse in die EUTR aufzunehmen.

Deutsche Papierindustrie ist vorbildlich
Die deutsche Zellstoff- und Papierindustrie ist übrigens bei der Umsetzung der EUTR ein vorbildlicher Partner: Alle bisherigen Prüfungen ihrer Unternehmen durch die BLE bestätigen das korrekte, EUTR-konforme Verhalten am Markt. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann!

Da „legal“ leider nicht automatisch mit „nachhaltig“ gleichzusetzen ist, achtet die deutsche Zellstoff- und Papierindustrie außerdem darauf, dass ihre Rohstoffe nicht nur aus legalen, sondern eben möglichst auch aus nachhaltigen Quellen stammen.