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Vom Innenleben eines Buches


Foto: adimas - stock.adobe.com
Die meisten Menschen mögen Bücher. Und das liegt auch am Papier, das einen ganz eigenen Klang beim Umblättern erzeugt, sich warm anfühlt und je nach Art des Buches in einer anderen Qualität ausgewählt wird.

Gabriele Eisenbarth

Auch wenn heute viele Informationen digital übermittelt werden, ist das Buch ein fester Bestandteil im Leben der meisten Menschen. Zweimal im Jahr findet in Deutschland eine international beachtete Buchmesse statt, und jedes Jahr kürt die Stiftung Buchkunst die schönsten Bücher des Jahres. Wenn man sich näher damit beschäftigt, wie ein Buch hergestellt wird, merkt man schnell: Es ist tatsächlich eine Kunst. Das ist sicher ein Grund, warum wir Bücher mögen. Aber nicht nur: Im Gegensatz zum E-Book fasst sich ein Buch aus Papier warm und weich an. Auf einen Blick sieht man, wieviel Inhalt das Buch bietet, beim Blättern entfalten die Seiten einen eigenen Klang, und man kann aus der Gestaltung schnell Rückschlüsse auf den Inhalt ziehen.

Am Anfang steht das
Vorsatzpapier

Ein Buch besteht aus dem Buchblock und dem Einband. Das gilt sowohl für Hardcover als auch für Softcover. Verbunden wird das Ganze durch ein Vorsatzpapier, das in der Regel heute nur noch bei einem Hardcover zu finden ist. Es sieht aus wie eine in der Mitte gefalzte Doppelseite, die mit der linken Seite an den Buchdeckel geklebt wird und mit der rechten Seite an den Buchblock. Da der Vorsatz dazu dient, den Verbund beim Hardcover zu stabilisieren, wird ein kräftiges und reißfestes Papier benötigt, das in der Regel zwischen 100 und 130 g/m² wiegt. Das Papier sollte eine hohe Opazität haben und hochwertig aussehen, schließlich ist das die erste Seite, die der Käufer und spätere Leser zu sehen bekommt. Deswegen wird gerne ein farblich passendes Büttenpapier eingesetzt. Als Bücher noch hauptsächlich von Hand gebunden wurden, wurde der Vorsatz sogar noch marmoriert, eine Kunst, die Buchbinder bis heute beherrschen.

Der Inhalt bestimmt die
Papierqualität

Werkdruckpapier

Die Bezeichnung Werkdruck macht schon deutlich, worum es geht: Um das Papier für ein Werk und nicht für eine Zeitung oder Zeitschrift. Bei dem Werk handelt es sich um ein Buch im klassischen Sinne, also in erster Linie Text und keine farbigen Abbildungen. Gedruckt wird mit einem groben 24er oder 30er Raster. Werkdruckpapiere sind in der Regel maschinenglatte holzfreie Naturpapiere mit 1,3 bis 2,0 fachem Volumen und einem Gewicht von 80 bis 90 g/m². Da es wichtig ist, dass man den Text gut lesen kann, ist das Papier ungestrichen, damit es keine Spiegeleffekte gibt. Werkdruckpapiere sind in der Regel nicht hochweiß, sondern leicht abgetönt, damit der Kontrast zur schwarzen Schrift nicht ganz so krass ist.

Dünndruckpapiere

Dünndruckpapiere werden auch Bibeldruckpapiere genannt, denn sie wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts für den Bibeldruck eingesetzt. Sie sind nur zwischen 25 und 60 g/m² schwer, haben kein Volumen und zeichnen sich durch hohe Festigkeit und eine gute Opazität aus. Deswegen bestehen sie aus besonders hochwertigen Faserstoffen. Dünndruckpapiere werden hauptsächlich für den Druck von Bibeln, Lexika oder Beipackzetteln von Medikamenten verwendet, also immer dann, wenn viel Inhalt in kompakter Form dargestellt werden soll. In der Regel sind sie holzfrei und ebenfalls eher elfenbeinfarben als weiß.

Bilder- oder Kunstdruckpapiere

Bilder- oder Kunstdruckpapiere sind gefragt, wenn es um farbechte und detailgetreue Wiedergabe von Bildern geht, also etwa für Kunst- oder Fotobände. Das holzfreie Streichrohpapier wird auf Streichmaschinen mit einer Masse beschichtet, die bis zu einem Drittel des fertigen Papiergewichtes betragen kann. Diese Streichmasse besteht aus mineralischen Pigmenten (z.B. China Clay, Blanc-fixe oder Satinweiß), Bindemitteln, Stärke und Dispersionen von Kunststoffen. Das Papier erhält durch den Strich eine völlig ebene und geschlossene Oberfläche, was eine Bildwiedergabe mit feinstem Raster ermöglicht. Je nach Streichverfahren kann die Oberfläche glänzend, matt oder halbmatt sein. Durch den Strich und den relativ geringen Anteil an Rohpapier ist es bei gleichem Flächengewicht weniger stabil und dünner als Werkdruck. Bilder- oder Kunstdruckpapiere sind in der Regel hochweiß, denn auch das ist von Vorteil, wenn es um ein optimales Druckergebnis geht.


Der Inhalt eines Buches kann eine neue Welt eröffnen, aber auch das Papier trägt dazu bei, ob wir ein Buch gerne in die Hand nehmen.