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VDP ist jetzt FSC-Mitglied

Die Generalversammlung des Forest Stewardship Council (FSC) Deutschland hat am 25. Juni einstimmig der Aufnahme des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP) als Mitglied zugestimmt. Damit ist der Verband bei beiden großen Zertifizierungssystemen für Holz und Papier, FSC und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes), vertreten.

Gregor Andreas GeigerVerband Deutscher Papierfabriken

Mit ihren Zertifikaten geben diese Systeme dem Verbraucher die Sicherheit, dass das gekennzeichnete Holz- oder Papierprodukt aus Rohstoffen von Wäldern stammt, die nach den Regeln
einer ordnungsgemäßen, verantwortungsbewussten Forstwirtschaft bewirtschaftet werden. Damit jedoch die Logos auf einem Endprodukt stehen können, müssen sich die Betriebe aller beteiligten Verarbeitungsstufen zertifizieren lassen. Damit also ein Papier als zertifiziert verkauft werden kann, reicht es nicht, dass die Fasern aus einem zertifizierten Forstbetrieb stammen, auch die Zellstoff- und Papierhersteller müssen sich einem Audit unterziehen. Gegebenenfalls auch noch der Druckereibetrieb.

Anforderungen sind sehr ähnlich

Aus Sicht des VDP sind beide großen Forstzertifizierungssysteme in ihren Anforderungen vergleichbar. Sie erfüllen die so genannten Helsinki-Kriterien der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa (Forest Europe) für eine nachhaltige Forstwirtschaft.

Die Anforderungen beider Systeme sind – mit Ausnahme der Größenfestlegung für die so genannten Referenzflächen, die nicht bewirtschaftet werden dürfen – sehr ähnlich. So gibt es zum Beispiel Vorgaben, Mischbestände aus standortgerechten Baumarten zu erhalten, Kahlschläge grundsätzlich zu unterlassen, einen Totholzvorrat im Wald zu erhalten, die Rechte indigener Völker zu schützen, beim Einsatz von Maschinen den Boden zu schonen, den Einsatz von Pestiziden zu vermeiden und auf geschützte Biotope und Schutzgebiete sowie die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Rücksicht zu nehmen. Einen deutlichen Unterschied gibt es bei den Entscheidungsgremien. Während es bei FSC drei Kammern gibt (Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialkammer), in denen Waldbesitzer, Umweltgruppen und Holzwirtschaft je ein Drittel Stimmrecht haben, werden bei PEFC die Entscheidungen nur von einem Gremium, in Deutschland der Forstzertifizierungsrat, getroffen. Dort sind Holzwirtschaft und Waldbesitz paritätisch vertreten.

In Deutschland sind insgesamt 7,5 Millionen Hektar beziehungsweise 68 Prozent der Waldfläche nach PEFC zertifiziert. Ein geringer Anteil der Wälder außerdem nach FSC (1,3 Mio. ha bzw. 10,5 Prozent). Weltweit sind allerdings erst schätzungsweise 13 Prozent der Forstfläche überhaupt zertifiziert.

Gleichzeitig ist jedoch der überwiegende Teil der Zellstoff- und Papierindustrie zertifiziert. Folglich stößt eine immense Nachfrage aus der zertifizierten Produktkette auf eine vergleichsweise geringe zertifizierte Rohstoffbasis. Der gewünschte Effekt, dass sich in der Folge mehr Waldbesitzer zertifizieren lassen, läuft immer noch sehr schleppend.

Der FSC wurde 1993 von Umweltgruppen als ein Ergebnis der Konferenz „Umwelt und Entwicklung“ in Rio de Janeiro gegründet. Heute ist der FSC in über 80 Ländern mit nationalen Arbeitsgruppen vertreten, die auch die jeweiligen nationalen, an die örtlichen Bedingungen angepassten Vorgaben der Organisation für die Erteilung des FSC-Zertifikats entwickeln.

Der PEFC wurde 1999 zunächst nur von Europäischen Waldbesitzern gegründet, ist jedoch seit der Aufnahme außereuropäischer Mitglieder im Jahr 2003 auch international ausgerichtet. PEFC ist in 49 Ländern vertreten und prüft dort vorhandene Zertifizierungssysteme auf Anerkennung oder hilft bei der Entwicklung neuer Standards.


Der Wald in Deutschland: Zahlen und Fakten

  • Deutschland ist das waldreichste Land Mitteleuropas. Aktuell sind rund 11,4 Mio. Hektar mit Wald bedeckt. Das entspricht knapp einem Drittel der Gesamtfläche.
  • Trotz einer intensiven wirtschaftlichen Nutzung ist die Waldfläche in den letzten 50 Jahren um mehr als 1,5 Millionen Hektar gewachsen. Im deutschen Wald stehen jetzt circa 90 Milliarden Bäume, das sind über 1.000 Bäume pro Einwohner.
  • Insgesamt sind rund 90 Baum- und Straucharten anzutreffen. Gegenwärtig prägen Fichten (25%), Kiefern (23%), Buchen (16%) und Eichen (11%) auf insgesamt 73 % des Holzbodens das Gesicht der Wälder.
  • Die Anzahl der Laubbäume hat zugenommen. Auf gut 45 % der bestockten Waldfläche stehen heute Laubbäume und auf knapp 55 % Nadelbäume.
  • Jährlich erzeugt der Wald in Deutschland etwa 25 bis 38 Millionen Tonnen Sauerstoff. Das ist etwa das ein- bis eineinhalbfache dessen, was alle Einwohner Deutschlands in einem Jahr zum Atmen brauchen.
  • Ein Baum wirkt wie eine Klimaanlage. Zum Beispiel saugen die Wurzeln der Eiche jährlich etwa 40.000 Liter Wasser aus dem Boden, das die Blätter wieder „ausschwitzen“. Die dabei erzeugte Verdunstungskälte sorgt dafür, dass es im Wald selbst an heißen Sommertagen angenehm kühl ist.

(Quelle: Deutscher Forstwirtschaftsrat)


Hätten Sie‘s gewusst?

Sowohl PEFC als auch FSC stehen für eine Waldbewirtschaftung, die

  • keine Pestizide anwendet
  • auf Kahlschläge verzichtet
  • Biotopholz erhält (als Lebensraum für Tiere)
  • Mischbestände begründet
  • Arbeitnehmerrechte und die Einhaltung der Arbeitssicherheit beachtet

Zertifizierungssysteme im Vergleich

Der Verband der Europäischen Papierindustrie CEPI hat zum Vergleich der verschiedenen Zertifizierungssysteme eine Matrix aufgestellt, die auf der Website der Welternährungsorganisation FAO abgerufen werden kann:

www.fao.org/3/x6720e/x6720e36.pdf