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Spaß an handwerklicher Arbeit

Teilweise mehr als 64 Tonnen schwer sind die Walzen, die die Kollegen vom Walzenservice bei Stora Enso Maxau an der Papiermaschine ausbauen, um sie instand zu halten. Zum Team gehört der Industriemechaniker Alexander Leyer.

In der Werkshalle von Stora Enso Maxau drehen sich neben der Papiermaschine in zwei Ständern langsam zwei Walzen. Nach ihrer Instandsetzung sollen sie demnächst wieder in die Maschine eingebaut werden, erklärt Alexander Leyer. Gedreht werden sie,
damit sie nicht durchbiegen. Das würde, auch wenn es nur in ganz kleinen Dimensionen geschieht, ihre Funktion in der Papiermaschine beeinträchtigen. Alexander Leyer machte die Ausbildung zum Industriemechaniker bei Stora Enso Maxau und arbeitet dort seit rund zwei Jahren im Walzenservice. Er und seine sechs Kollegen sind für Ein- und Ausbau sowie Reparatur sämtlicher Walzen an den beiden Papiermaschinen zuständig.

Das Werk in Maxau, einem Stadtteil von Karlsruhe, direkt am Rhein gelegen, stellt mit rund 440 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Magazinpapiere her.

Klar, dass er sich bewerben würde

Alexander Leyer war schon als Schüler an handwerklicher Arbeit interessiert. Als er in der Schule das Ausbildungsprofil zum Industriemechaniker bei Stora Enso Maxau sah, war ihm gleich klar, dass er sich bewerben würde. Im ersten Ausbildungsjahr lernte er in einer Lehrwerkstatt neben Bohren, Drehen, Fräsen und Feilen – von Hand und mit Maschinen – den grundsätzlichen Umgang mit Werkzeug. Außerdem besuchte
er Kurse, in denen es um Hydraulik, Pneumatik und Elektro-Pneumatik ging sowie um CNC, also computergesteuerte Fertigung von Werkstücken.

Während seiner Ausbildung war er im Werk Maxau in allen Abteilungen, in denen Industriemechaniker arbeiten: in der Altpapieraufbereitung, im Kraftwerk, in der Zentralwerkstatt und längere Zeit im Walzenservice. Das nötige Wissen über die Papierherstellung erhielt er bei zwei Sommer-Kursen im Papierzentrum Gernsbach (siehe Kasten). Im ersten Kurs ging es hauptsächlich um die Funktion der Papiermaschine, im zweiten um Hydraulik sowie Abwassertechnik.

Als die Stelle im Walzenservice frei wurde, entschied er sich, die eigentlich nach dreieinhalb Jahren Ausbildung anstehende Prüfung ein halbes Jahr eher abzulegen. Die Chance, hier zu arbeiten, wollte er wahrnehmen, zumal er sich mit den Kollegen gut verstand.

Gute Zusammenarbeit im Team ist wichtig, wenn man mit den mehrere Meter langen und teilweise mehr als 64 Tonnen schweren Walzen umgeht. Allein über 50 Trockenzylinder gibt es an der Papiermaschine, außerdem Walzen zum Pressen und Walzen, die die Papierbahn umlenken. Diese sind zwar kleiner, ihre Belastung ist nicht so hoch, dafür haben sie jedoch eine höhere Drehzahl, erklärt Alexander Leyer, der sich in mehreren Seminaren zum Thema Walzen weitergebildet hat. Je nach ihrer Funktion in der Papiermaschine haben die Walzen andere Eigenschaften und andere Instandhaltungsintervalle. Natürlich kann es auch zwischen diesen Intervallen zu Problemen kommen, die dann die Mitarbeiter an der Maschine den Mechanikern melden.

Richtig gefordert ist das Team vom Walzenservice, wenn die Kollegen bei
einem, zumeist geplanten, Stillstand Walzen aus- und Ersatzwalzen einbauen. „Wenn die Walzen an der Maschine gewechselt werden, geht es schon ein bisschen ab“, erzählt der 21-Jährige. Dann sind alle Team-Mitglieder dabei, passen auch besonders auf Arbeitssicherheit auf. Etwa, dass niemand unter den am Kran hängenden Walzen durchläuft und dass der Kranfahrer gut eingewiesen wird.

Etwas ruhiger geht es dann in der Werkstatt zu. Hier arbeiten immer zwei Kollegen zusammen. Sie „ziehen“ die Walzen, das heißt, schrauben den Deckel auf und holen den Walzenkern heraus. Dann überprüfen und reparieren oder ersetzen sie die inneren Teile. Dazu gehören Leitungen, Spritzrohre, bei Saugwalzen auch Dichtleisten und Luftschläuche, bei Nipco-Walzen die Stützquellen, die den Druck auf den Mantel ausüben. Die beiden Mechaniker tauschen die Dichtsätze aus, damit kein Öl aus der Walze ausläuft und entfernen und überprüfen die Lagerung. Bei jeder Walze muss man auf etwas anderes achten.

Alexander Leyer mag die Arbeit im Team und ist handwerklich begabt. Trotzdem lernt er immer wieder dazu: „Man merkt, wie einem alles besser von der Hand geht, schaut sich bei Kollegen so kleine Tricks ab, zum Beispiel, wie man sich am besten mit dem Kran behelfen kann“, sagt er. Viel wisse man ja schon, und viel sei schon ausgetestet worden. Aber jeder habe mal Ideen, wie etwas besser oder leichter geht. VM


Alexander Leyer in der Werkstatt, wo er mit seinen Kollegen sämtliche Walzen der beiden Papiermaschinen wartet.