Archiv Im Blickpunkt

Papierindustrie „zukunftsfest“ machen

Nach 2015 wird auch 2017 wieder ein Jahr mit Tarifverhandlungen in der Papier erzeugenden Industrie sein. Es ist daher wichtig, an dieser Stelle sowohl die letzten Tarifabschlüsse noch einmal genauer zu betrachten und zu bewerten, als auch die realistische Erwartungshaltung für die kommende Tarifrunde auszuleuchten.

Christian PrinzHauptgeschäftsführerVerband Nord- und OstdeutscherPapierfabriken (VNOP)

Wenn am 3. Mai 2017 die Verhandlungsgespräche beginnen, so ist bereits jetzt klar, dass diese nur dann erfolgreich verlaufen werden, wenn beide Sozialpartner in der Lage und bereit sind, Kompromisse zu finden und einzugehen und dabei anzuerkennen, dass auch die jeweils andere Seite berechtigte Positionen vertritt.

Ein fairer und offener Umgang der Sozialpartner und deren Bereitschaft, sich auf eine ergebnisoffene Diskussion einzulassen, sind dabei von entscheidender Bedeutung.

Erkennen, was machbar ist

Der Tarifabschluss als Kompromiss ist dabei keine Schwäche der Sozialpartner, sich mit ihren jeweiligen Forderungen gegenüber dem jeweils anderen durchzusetzen. Er zeigt vielmehr deren Stärke zu erkennen, was machbar ist und was nicht, gepaart mit der Erkenntnis, dass für eine zukünftige
erfolgreiche Papierindustrie die rücksichtslose Durchsetzung von Extrempositionen schädlich ist.

Niedrige Inflationsrate

Das Tarifergebnis wird dabei bestimmt vom wirtschaftlichen Umfeld und dem realistischen Erwartungshorizont. Was bedeutet dies für die Tarifrunde 2017? Ein wesentliches Kriterium ist hierbei
sicherlich die Inflationsrate. Diese betrug im Jahr 2014 im Mittel 0,9 Prozent, im Jahr 2015 0,25 Prozent und
im Jahr 2016 0,49 Prozent. Die Inflationsprogose der Europäischen Zentralbank (EZB) wird für 2017 mit 1,2 Prozent beziffert.

Tarifentgelte deutlich gestiegen

Im gleichen Zeitraum erhöhte sich jedoch das tarifliche Entgelt deutlich. So haben sich die Tarife in der Papierindustrie zuletzt in zwei jährlichen Schritten um jeweils 2,4 Prozent erhöht.

Wirtschaftliches Umfeld und künftige Entgeltentwicklung müssen in Einklang gebracht werden. Dies gilt umso mehr, wenn man gleichzeitig bedenkt, dass die deutsche Papierindustrie mit im internationalen Vergleich hohen Energie- und Rohstoffkosten zu rechnen hat.

Darüber hinaus vollzieht sich in unserer Industrie ein struktureller Wandel. Insbesondere die grafischen Papiere erleben einen Nachfragerückgang, ohne dass derzeit ein Ende der Entwicklung zu erkennen ist.

Angemessene Basis finden

Aufgabe der Tarifvertragsparteien wird es daher sein, eine Basis zu finden, die all die zuvor dargelegten Umstände angemessen berücksichtigt, um unsere Papierindustrie „zukunftsfest“ zu machen. Dies wird ein zunehmend schwieriger Spagat sein. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass es die Tarifvertragsparteien in sozialpartnerschaftlicher Verantwortung immer geschafft haben, entsprechende Wege zu beschreiten. Unterstützen wir sie dabei mit Pragmatismus, Realitätssinn und Weitsicht!


Die Tariflöhne und
-gehälter in der Papierindustrie haben sich in den beiden vergangenen Jahren jeweils um 2,4 Prozent erhöht.

Foto: VDP